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Bodo Hombach im Interview WAZ-Gruppe:"Online 2010 schwarze Zahlen"

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Wie viele Redaktionen werden Sie schließen?

Nach heutigem Stand geben wir kein Terrain auf. Es gibt aber Städte, da steht die Auflage in keiner Relation zu den Kosten, da werden wir neue Modelle anwenden.

Ist nach den 300 gestrichenen Stellen Schluss?

Wer in diesen Zeiten sagt, es bleibt alles wie es ist, der hat sie nicht mehr alle oder er handelt unverantwortlich.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Internetangebot „Der Westen“, in dem die WAZ auch ihre Lokalzeitungsangebote online bündelt?

Wir sind positiv erstaunt, wie sich die Werbeeinnahmen entwickeln. Mit den Klickzahlen sind wir noch nicht so zufrieden.

Schreibt „Der Westen“ also früher schwarze Zahlen als geplant?

Nein. 2008 haben wir einen Anlaufverlust von vier Millionen Euro gemacht und werden, wenn alles gut läuft, Ende 2010 schwarze Zahlen schreiben. Jetzt diskutieren wir, mit Mobilfunkanbietern. Wir werden unsere Online-Inhalte auch über Handys verbreiten.

Denken Sie über Zukäufe für Ihre Magazin-Sparte nach, in der Sie bislang vor allem Klatschtitel wie „Das Goldene Blatt“ veröffentlichen?

Unsere 112 Magazine in Deutschland leisten einen schönen Ergebnisbeitrag. Wir investieren da, wo wir es verstehen. Und das sind Regionalzeitungen und regionale Märkte, aber zunehmend auch Magazine. Zu teuer kaufen kann jeder, da kann ich einen Schimpansen einstellen und mit dem Geldkoffer los schicken. Wir investieren nicht auf bloße Hoffnung, etwa indem wir uns potenzielle Synergieeffekte zu rosig rechnen. Unsere Kernkompetenz, das Wissen aus Stadt und Region, ist aber nicht an Papier und Druckerschwärze gebunden. Wir bereiten uns auf jeden vom Kunden gewünschten Verbreitungskanal vor. So wie der öffentlich-rechtliche Bereich ins Netz wächst, müssen wir uns auch mit bewegten Bildern beschäftigen. Lokal-TV gehört demnächst zur WAZ-Familie.

Synergien ergäben sich wohl eher im Zeitungsgeschäft, aber dem steht das Pressefusionsrecht entgegen.

Das Kartellgesetz in Deutschland verhindert, dass sich benachbarte Zeitungsverlage gegenseitig stabilisieren. Es zwingt Verlage zu einer Flickenteppich-Strategie. Natürlich gibt es einige sehr interessante Projekte im Regionalzeitungsbereich, die wir uns ansehen. Aber leider ist gerade das, was den größten ökonomischen Vorteil ausmachen könnte, nämlich die verlagswirtschaftliche Verknüpfung, bei gleichwohl unabhängigen Titeln in angrenzenden Gebieten kartellrechtlich verboten.

Werden Sie jetzt in Berlin noch mal Druck machen, Pressefusionen zu erleichtern?

Eigentlich müsste es in diesem Jahr einen erneuten Vorstoß geben. Aber tatsächlich sehe ich keine Chance auf Verwirklichung. Das Thema Pressefusionen ist auf groteske Weise ideologisiert. Jeder, der Vorstöße in dieser Richtung wagt, wird niedergehobelt; hinzu kommt, dass es an dem Punkt auch der Zeitungsverlegerverband nicht schafft, mit einer Stimme zu sprechen.

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