Bodo Hombach im Interview WAZ-Gruppe:"Online 2010 schwarze Zahlen"

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Kommt dennoch in diesem Jahr die Einkaufstour der Großverlage?

Das Angebot wird sicher größer.

Setzen Sie Ihre Expansion im Ausland fort?

Ja. Im Ausland können wir noch mit traditioneller Technologie und unserem Know-how Mehrwert schaffen. 2008 haben wir etwa in der Stadt Tula, südlich von Moskau, und an anderen Orten in Russland drei Regionaltitel gestartet und waren schon nach einigen Wochen Marktführer. Und nun sollen jedes Jahr vier neue folgen.

Haben Sie weitere Ziele im Blick?

Natürlich – neben der Stabilisierung im Kerngebiet. So werden zum Beispiel die Vietnam-Pläne konkreter, ein sehr dynamischer Markt. Mit der Universität in Ho-Tschi-Minh-Stadt planen wir einen Wirtschaftstitel. Wenn hier der rheinische Karneval auf dem Höhepunkt ist, werde ich dort sein. Wir wollen tragfähige Beziehungen aufbauen. Über Kurz oder Lang werden in diesem aufstrebenden Land die noch-staatlichen Medien privatisiert.

Die WAZ-Gruppe hatte sich auch im Postgeschäft versucht und stieg kurz vor dessen Insolvenz beim Deutsche-Post-Konkurrenten Pin wieder aus. Aus den Pin-Ruinen haben Sie Teile zurückgekauft – wollen Sie jetzt bundesweit noch einmal angreifen?

Was damals der privaten Post angetan wurde und wie viele Arbeitsplätze da zerstört wurden, ist eine ungesühnte Sünde. Von dem Schock wird sich der Markt lange nicht erholen. Das Postmonopol verbreitert sich. Wir wollen unseren Markt sichern, und dazu gehört auch die letzte Meile, der Zugang zum Briefkasten. Wir versuchen, seriös – also auch mit korrekter Entlohnung – gegen Turnschuhfirmen, die Werbeprospekte direkt verteilen, zu bestehen. Dazu dient auch unsere neue Zusammenarbeit mit der Post AG.

Wie soll die aussehen?

Auf der Basis gelungener Tests reden wir jetzt über Dauerhaftes. Der Direktverteilungsbereich ist für uns interessant, weil er eine direkte Ergänzung zum Geschäft mit Werbebeilagen in unseren Zeitungen und Anzeigenblättern ist. Jeden Tag bedienen unsere Zeitungszusteller die letzte Meile. Außerdem verteilen wir pro Woche über fünf Millionen Anzeigenblätter alleine in NRW. Wenn man das mit zusätzlichen Logistikleistungen kombiniert, ist das wirtschaftlicher. Aber nur da, wo wir ohnehin an die Haustüren gehen. Bundesweit haben wir deshalb keine Ambitionen.

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