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Boehringer Ingelheim-Chef Andreas Barner "Unlautere Praktiken gehören sich nicht"

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Eher scheint uns, Sie gehen gerade ein erhöhtes Risiko ein. Boehringer will in den nächsten Jahren fünf neue Medikamente auf den Markt bringen. Am Ende sind Sie damit noch innovativer als der Weltmarktführer Pfizer.

Dass wir innovativer als Pfizer sind, möchte ich so nicht bestätigen. Aber wir sind gerade in einer sehr guten, produktiven Phase, und wir erwarten Medikamente in medizinisch wichtigen Indikationen. Wir wenden in den kommenden Jahren mehr Geld für die Entwicklung von Medikamenten auf; dadurch schmälert sich allerdings unser Gewinn.

Wie schafft es ein Familienunternehmen, die großen Pharmakonzerne zu schlagen?

Bei der kritischen Betrachtung der Forschungsprojekte stellen die verantwortlichen Wissenschaftler selbst ihr Projekt den Forschungsleitern und mir vor. Dadurch ist die Kommunikation sehr direkt und der Forschergeist bleibt lebendig. Größere Unternehmen sind da häufig bürokratischer. Sie tun sich schwerer, den Spirit zu erhalten, die Forschungsproduktivität nimmt mit zunehmender Mitarbeiterzahl ab.

Sie beschäftigen weltweit mehr als 40.000 Mitarbeiter. In Umfragen wird Boehringer häufig zu einem der beliebtesten Arbeitgeber gewählt. Geht es in Ihrem Unternehmen denn so kuschelig und harmonisch zu?

Nein, wir fordern unsere Beschäftigten durchaus. Aber wir haben eine Kultur, die den Mitarbeitern gefällt. Jeder kann sich einbringen – wie unsere Forscher, die den direkten Draht nach oben haben. Mit unserer Unternehmensgröße ist das noch machbar.

Ihr Unternehmen gehört den Familien Boehringer und von Baumbach, die treu zu Boehringer stehen. Anderswo klagen die Forscher darüber, dass sie schnell neue Medikamente entwickeln müssen, da sie stark unter dem Druck von Börse und Aktionären stehen. Wie läuft das denn bei Ihrem nichtbörsennotierten Familienunternehmen?

Es hilft uns sicher, dass wir keine Quartalsberichte erstellen und ständig nach außen berichten müssen. Dadurch können wir mittel- und langfristig denken und in Ruhe forschen und entwickeln.

Wie spüren Sie die gegenwärtige Krise?

Natürlich spüren wir die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, aber wir sehen keine massiven Einbrüche. Die Verschreibung von Medikamenten richtet sich ja nicht unbedingt nach Konjunkturen. Bislang sieht 2009 zufriedenstellend aus. Ich erwarte, dass Boehringer im Jahr 2009 zum zehnten Male in Folge stärker als der weltweite Pharmamarkt wächst, dem Experten inzwischen nur noch eine Steigerung von zwei bis drei Prozent voraussagen. Aber die Pharmaindustrie ist in einem Umbruch begriffen, und wir werden uns dem Wandel stellen müssen. Wir sprachen ja bereits über unsere vielen Neueinführungen. Wir konzentrieren uns jetzt verstärkt darauf, diese neuen innovativen Produkte möglichst gut auf den Markt, also zu den Patienten, zu bringen.

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