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Branchenranking Managementberater stehen vor neuem Rekordjahr

Der Aufschwung treibt das Geschäft der deutschen Managementberater auf Rekordstände. Ungebrochen ist der Boom des vergangenen Jahres, wie das Branchenranking der Marktforschungsgruppe Lünendonk zeigt. Auffallend schwach schnitt nur eine Beratungsgesellschaft ab.

Bereits im vergangenen Jahr haben die Top-25-Consultants Umsatzzuwächse zwischen sieben und 24 Prozent verzeichnet, wie das am gestrigen Dienstag veröffentlichte Branchenranking der Marktforschungsgruppe Lünendonk zeigt. Der Wachstumstrend setzt sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres fort, heißt es in der Branche. Beispielsweise bei der Münchener Strategieberatung Bain & Company, die im vorigen Jahr den Umsatz um zehn Prozent auf 158 Mill Euro steigerte. „Wir sind in diesem Jahr noch deutlich schneller gewachsen“, sagt Franz-Josef Seidensticker, Managing Director von Bain Deutschland. Auch die Boston Consulting Group (BCG) bestätigt, dass der Wachstumstrend ungebrochen sei. BCG hat im vorigen Jahr mit 15 Prozent das stärkste Umsatzwachstum unter den Top Ten der Managementberater erzielt. Das Lünendonk-Ranking berücksichtigt nur Management-Beratungen und ihre Deutschlandumsätze. IT-Berater wie IBM sind nicht vertreten. Auffallend ist, dass Roland Berger Strategy Consultants im vergangenen Jahr bei einem Deutschlandumsatz von 330 Mill. Euro stagnierte. Angesichts des Booms – die Branche wuchs insgesamt um knapp 14 Prozent – spekulieren Branchenbeobachter bereits über eine handfeste Krise bei Roland Berger. Die Münchener Beratungsgesellschaft hat sich in den vorigen Jahren verstärkt in Restrukturierungsprojekten von Unternehmen profiliert. Kostensenkung steht derzeit aber in den Strategien der Kunden nicht im Vordergrund. Roland Berger Strategy Consultants selbst widersprach dieser Interpretation: Die Stagnation in Deutschland habe ihre Ursache darin, dass 2006 erstmals der Personalberatungsbereich und das Market Research nicht konsolidiert wurden, erläuterte eine Sprecherin. Insgesamt habe das weltweite Wachstum bei zehn Prozent gelegen, ergänzte sie. Gefragt sind bei den Kunden der Berater vor allem Wachstumsprojekte, von Innovationen bis zu Übernahmen. Grund: Mit Kostensenkung allein lasse sich die geforderte Performance nicht erreichen, sagt Bain-Deutschlandchef Seidensticker. Und der Druck zu besserer Performance ist massiv gestiegen, seit sich Finanzinvestoren vermehrt im deutschen Markt engagieren. „Private Equity bringt deutsche Führungskräfte auf Trab“, beobachtet Seidensticker. Bain hat gute Erfahrungen mit einem in der Branche sensiblen Thema gemacht: mit erfolgsabhängiger Vergütung, die viele andere Strategieberater ablehnen. Rund ein Fünftel der Projekte werden bei Bain erfolgsabhängig bezahlt. Dabei wird der Erfolg nicht nur an quantitativen Werten gemessen – etwa an der künftigen Gewinnentwicklung beim Kunden. Die Honorierung richtet sich auch danach, wie der Kunde die Qualität der Teams und die Zusammenarbeit bewertet. 20 bis 30 Prozent eines Projekthonorars sind variabel. Die höchsten nominellen Wachstumsraten unter den Managementberatungen in Deutschland haben 2006 wieder einmal die mittelgroßen Spezialisten erreicht: Simon, Kucher & Partners, Marktführer bei Pricing-Strategien, legte um 23 Prozent zu, ebenso die Stuttgarter Horvath AG. Doch lässt sich aus der momentanen Entwicklung nicht ableiten, dass die Spezialisten den Top-5 der Branche wirklich das Wasser abgraben. Derzeit profitiert fast jede Beratungsfirma vom Aufschwung. Doch der nächste Abschwung kommt bestimmt. Aus Sicht von Bain-Deutschlandchef Seidensticker werden dann solche Beratungen in Schwierigkeiten kommen, die nicht global aufgestellt sind und die aus Sicht der Kunden dann verzichtbare Themen besetzen.

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