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Breuninger-Chef van Agtmael "Es gibt keine Warenhauskrise, sondern eine Karstadt-Krise"

Der Chef der traditionsreichen Warenhauskette Breuninger, Willem G. van Agtmael, über die Ursachen der Karstadt-Krise, den richtigen Umgang mit Kunden und seine Expansionspläne.

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Willem van Agtmael, Chef des Kaufhaus-Imperiums Breuninger Quelle: Maks Richter für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr van Agtmael, Ihr Konkurrent Karstadt hat im Juni 2009 Insolvenz angemeldet, die Metro-Tochter Kaufhof soll verkauft werden. Wann startet bei Breuninger der finale Schlussverkauf?

Van Agtmael: (lacht) Da werden Sie sich noch sehr lange gedulden müssen. Breuninger gibt es seit dem Jahr 1881. So leicht wirft uns nichts um.

1881 wurde auch Karstadt gegründet. Warum wurden die Essener von der Warenhauskrise erwischt, während Ihr Unternehmen verschont blieb?

Es gibt keine Warenhauskrise an sich, sondern eine Karstadt-Krise. Das ist also kein generelles Phänomen der Branche.

Sondern?

Eine Folge der strategischen Entscheidungen oder besser der Nichtentscheidungen vor zehn Jahren. Damals zeichnete sich ab, dass es eine Verschiebung im Nachfrageverhalten der Kunden geben wird. Weg von der Mitte, hin zu Billiganbietern auf der einen und Premiumgeschäften auf der anderen Seite. Für uns war damals klar: Wenn wir bestehen wollen, müssen wir uns auf das obere Segment konzentrieren. Wenn ich mir Karstadt anschaue, hat dort diese klare Positionierung nicht stattgefunden.

Gerade in der Wirtschaftskrise dürfte sich Ihr Modell aber als Bumerang erwiesen haben. Ihre Kunden halten sich doch mit teuren Shoppingtouren eher zurück.

Ehrlich gesagt, habe ich mir bei all den Horrormeldungen aus der Wirtschaft, den Auftragseinbrüchen und Insolvenzen im vergangenen Jahr auch Sorgen gemacht. Aber Breuninger hat 2009 – gegen alle Befürchtungen – sehr gut abgeschnitten und beim Umsatz sogar zugelegt. Ich dachte dann Ende vergangenen Jahres, 2010 kommt das böse Erwachen. Aber auch jetzt läuft es erstaunlich gut.

Woran liegt das?

Zum einen stimmen die Rahmenbedingungen. Das Instrument der Kurzarbeit hat gewirkt und damit gesamtwirtschaftlich sicherlich viel Druck abgefedert. Die Krise ist bei den meisten Konsumenten einfach gar nicht angekommen.

Aber das gilt auch für Ihre Konkurrenten, bei denen das Geschäft schleppend läuft. Was macht Breuninger anders?

Unsere Stärken liegen im Sortimentsangebot, im Service und darin, Einkaufserlebnisse zu schaffen. Deshalb sind unsere Kunden vielleicht einen Tick loyaler. Wir haben insgesamt mehr als eine Million Breuninger-Cards ausgegeben. 60 Prozent unseres Umsatzes werden über die Kundenkarten abgewickelt. Das gibt es weltweit nirgendwo sonst. Und es bedeutet ja offensichtlich, dass die Stammkunden zufrieden mit uns sind.

Wie gelingt Ihnen das?

Unsere Mitarbeiter sind einfach klasse...

...das müssen Sie als Chef jetzt sagen.

Es stimmt aber. Unser Anspruch ist es schlicht und einfach, der kundenfreundlichste Einzelhändler in Deutschland zu sein.

Das klingt nicht gerade nach schwäbischer Bescheidenheit. Wie kommen Sie zu dem Selbstlob?

Es liegt in unserer DNA. Unsere Kunden bestätigen es uns jeden Tag aufs Neue – und wir tun viel dafür. Nur ein Beispiel: Stammkunden, die wenig Zeit haben, können Anzüge oder Kleider zur Auswahl nach Hause mitnehmen. Ein paar Tage später geben sie einfach die Stücke zurück, die ihnen nicht gefallen und bezahlen die anderen.

Breuninger ist eher im Süden Deutschlands bekannt. Vor einigen Jahren haben Sie angekündigt, Breuninger zur nationalen Marke auszubauen. Wie weit sind Sie?

Zum einen haben wir unseren Online-Shop gestartet und sind damit national erlebbar. Da wird sich in den nächsten Jahren noch sehr viel tun. Zum anderen haben wir jetzt zehn Standorte in Deutschland. Es gibt also noch viel Platz für uns. Wir haben die Baupläne zwar noch nicht auf dem Reißbrett, aber wir gehen mit offenen Augen durch das Land.

Welche Städte haben Sie denn im Visier?

Frankfurt, Hamburg, München und Hannover, aber auch Köln und Düsseldorf würden uns sicherlich gut vertragen. In den großen Städten ist für Breuninger also noch viel zu holen.

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