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Brooks tritt zurück In Murdochs Reich rollen Köpfe

Der Abhörskandal bei der Boulevardzeitung „News of the World“ hat weitere Folgen. Er kostet die frühere Chefredakteurin und heutige Chefin von News International, Rebekah Brooks, den Posten. Von Katharina Slodczyk.

Rebekah Brooks (r.) wird künftig nicht mehr für Rupert Murdoch (r.) arbeiten. Quelle: handelsblatt.com

Fast zwei Wochen hat sie sich dem Druck widersetzt, am Tag elf der Krise im Rupert Murdochs Reich ist Spitzenmanagerin Rebekah Brooks eingeknickt und hat ihren Rücktritt erklärt. Sie wolle nicht länger im Brennpunkt der Affäre stehen, erklärte sie am Freitagvormittag. Ihr Rücktrittsangebot sei von Rupert und seinem Sohn James Murdoch akzeptiert worden.

Rebekah Brooks stand an der Spitze von News International, der britischen Zeitungstochter von Murdochs Medienkonzern News Corporation. Zu News International gehören die Zeitungen „Times“, „Sunday Times“ und die „Sun“. Auch das Revolverblatt „News of the World“ war Teil dieser Sparte, bis es am vergangenen Wochenende eingestellt wurde.

Zuvor waren Details über illegale Recherchemethoden der Redaktion ans Tageslicht gekommen. Journalisten von „News of the World“ sollen nicht nur die Handy-Mailboxen von Prominenten, sondern auch von Mordopfern und von Angehörigen gefallener Soldaten abgehört haben – möglicherweise auch von Opfern der Terroranschläge am 11. September 2001 in New York.

Ein Teil der Handy-Schnüffeleien spielte sich ab, als Brooks noch Chefredakteurin der „News of the World“ war. Sie hat bislang stets bestritten, etwas davon gewusst zu haben.

Brooks hat ihr gesamtes Berufsleben bei Murdoch-Zeitungen verbracht und gilt als Ziehkind des Medienmoguls. Er behandle sie wie seine leiblichen Kinder, sagen Beobachter.

Die inzwischen 43-Jährige hat im Alter von 20 Jahren als Recherche-Assistentin in Murdochs Unternehmen angefangen, schnell wurde sie Reporterin bei „News of the World“ und hat sich den Ruf aufgebaut, ganz und gar nicht zimperlich zu sein. So soll sie sich schon mal als Putzfrau verkleidet, in die Redaktionsräume des konzerninternen Konkurrenten „Sunday Times“ eingeschmuggelt und dort stundenlang auf der Toilette versteckt haben – mit dem Ziel, eines der ersten Druckexemplare der „Sunday Times“ zu ergattern, um eine Exklusivgeschichte für „News of the World“ kopieren zu können.

Der wahre Grund für ihr Einknicken

Mit 31 Jahren stieg sie zur Chefredakteurin von „News of the World“ auf. Das Boulevardblatt machte da vor allem mit Kampagnenjournalismus von sich reden. Nach dem Mord an einem siebenjährigen Mädchen durch einen Pädophilen im Sommer 2000 veröffentlichte die Zeitung die Namen und die Fotos von 50 angeblichen Sexualstraftätern. Die Schlagzeile lautete damals: „Named and Shamed“.

Mit der Zeit stieg Brooks zu einer der einflussreichsten Journalistinnen im Großbritannien auf – mit einem enormen Netzwerk und engen Kontakten zu Politikern wie Premierminister David Cameron.

Nach der enormen öffentlichen Empörung, die die neuesten „News of the World“-Enthüllungen auslösten ist Cameron aber von Brooks abgerückt und hat sich all denen angeschlossen, die ihren Rücktritt forderten.

Dass sie letztendlich einknickte, hatte möglicherweise einen anderen Grund, spekulieren Beobachter. Der saudi-arabische Prinz Alwaleed Bin Talal, mit einem Anteil von sieben Prozent einer der News-Corporation-Großaktionäre, hat ihre Rolle in der Abhöraffäre in Frage gestellt. Sie sollte gehen, hatte er in einem Fernsehinterview am Donnerstagabend gesagt. Zuvor hatte er sich sehr loyal verhalten und kaum Kritik am Krisenmanagement bei News Corporation geäußert.

Brooks wird sich voraussichtlich am kommenden Dienstag vor einem Sonderausschuss des britischen Parlaments Rede und Antwort zu dem großen Lauschangriff der "News of the World" stehen. Das deutete sie in ihrer Rücktrittserklärung an. Sie wolle ihren guten Ruf wiederherstellen und den guten Ruf des Konzerns. "Das Renommee des Unternehmens, das wir alle so sehr lieben, und der Pressefreiheit, die wir so sehr schätzen, ist in Gefahr." Das ist möglicherweise eine zu späte Erkenntnis der einstigen Spitzenmanagerin im Murdoch-Imperium.

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