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Burkhard Schwenker Roland-Berger-Chef: "Wer führt, muss Profil zeigen"

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Burkhard Schwenker, Chef von Roland Berger Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Müsste die Politik nicht neue Regeln schaffen, um die Wiederholung so einer Krise zu vermeiden?

Ganz richtig – aber es kommt auf das richtige Maß an. Wenn ich sehe, dass einige ausländische Banken trotz massiver staatlicher Stütze schon wieder Riesenboni ausschütten, bin ich rat- und fassungslos. Hier besteht die Gefahr, dass das Ansehen der Marktwirtschaft nachhaltig geschädigt wird. Die Finanzmärkte sollten darum durch eine vernünftige und differenzierte Eigenkapitalhinterlegung der Banken stärker reguliert werden. Zudem brauchen die Banken ein neues Bonussystem, das auf langfristigen Erfolg ausgerichtet ist.

Bleiben wir bei den Krisenursachen: Was haben die Berater falsch gemacht?

Ich glaube nicht, dass es hier ein beraterspezifisches Problem gibt. Vielleicht haben wir alle den Fehler gemacht, zu sehr auf quantitative Modelle zu vertrauen. Wir haben geglaubt, alles ließe sich in mathematischen Formeln abbilden – Wachstumsraten, Gewinnprognosen oder das Risikopotenzial bestimmter Geldanlageformen. Diese Zahlengläubigkeit ist für mich eine der Hauptursachen der Krise. Schuld ist außerdem das kurzfristige Denken und Agieren – wer immer nur auf den nächsten Quartalsbericht fixiert ist, verliert das langfristige Ziel aus den Augen. Wir müssen langfristiger denken und handeln.

Was heißt das konkret?

Vor der Krise gab es Prognosen und darauf abgestellte Planungen und Wachstumsziele. Damit hat man gerechnet und bekam ein eindeutiges Ergebnis. Das funktioniert inzwischen nicht mehr, weil zuverlässige Prognosen nicht mehr möglich sind. Wir müssen stärker in Szenarien denken und unterschiedliche Zukunftsbilder entwickeln. Und wir müssen Meilensteine definieren, an denen sich rechtzeitig feststellen lässt, welche Zukunft sich realisieren wird. Darüber hinaus müssen die Führungsstrukturen dezentralisiert werden...

...was hat Szenariotechnik mit Führungsstrukturen zu tun?

Wo auf regionaler Ebene mehr Entscheidungsspielraum besteht, können Manager besser auf unerwartete Entwicklungen reagieren. Bisher wurde von ganz oben auf der Grundlage globaler Zahlen entschieden. Das wird sich ändern – regionale oder bereichsbezogene Führungskräfte werden mehr Entscheidungsspielraum bekommen, globales Reporting an Bedeutung verlieren. Führung wird damit wieder fundamentaler. Wer führt, muss Profil zeigen. Ehrlichkeit, Integrität, Ethik und vor allem Mut zur eigenen Meinung werden zu entscheidenden Kriterien und müssen auch vorgelebt werden.

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