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Business Class Rückkehr der Chaiselongue

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Economy-Sitze für Delta Airlines: Mehr Ruhe und Platz durch schräge Anordnung

Ich lerne die Zeit an Bord eher als Zeit der Entspannung zu schätzen, ohne E-Mail und Telefon. Aufgerüttelt werde ich nur während der Vorspeise, nicht jedoch von Turbulenzen. Das Olivenöl der Vinaigrette ist wegen eisiger Lagerung ausgeflockt. Das nötigt den Passagier, an dessen Lehne meine Fußstütze befestigt ist, dazu das kleine Fläschchen in der geschlossenen Faust kräftig zu schütteln – mein Sitz wackelt mit.

Vorhang zu beim Rückflug BA 176 von New York nach London Heathrow. Es ist eine der Sleeper-Service genannte Verbindungen, in der wegen des kurzen Flugs alles auf Schlaf abgestellt ist. Mein Sitznachbar hat seinen Schlafanzug schon an. Eigentlich hat er einen Platz in der Business unten, konnte sich aber nach oben quatschen: „Hier oben ist es einfach viel ruhiger.“ Vor allem nachts ist ein Fensterplatz ein überraschend ruhiges Plätzchen. Lediglich das Bordpersonal oder stehende Passagiere können dann noch sehen, was sich hinter der Trennwand tut, denn das „Lumisty“ genannte Material ist aus einem Blickwinkel von oben durchaus durchsichtig.

Ich fliege diesmal mit Blickrichtung zum Cockpit und habe doch kaum etwas davon. Bei hochgefahrenen Trennwänden ist vom Gangplatz aus so gut wie nichts zu sehen vom Funkeln der Lichter unter einem oder dem Morgenrot kurz vor der Landung. Mein Nachbar sitzt am Fenster und interessiert sich nicht dafür: Ein Nachttrunk und dann direkt einschlafen ist sein Plan.

Nach dem Druck auf das Symbol „Bett“ surrt der Sitz in unter einer Minute in die Stellung Liege und ist dann 1,83 Meter lang – was exakt meiner Körpergröße entspricht. Auf dem Bauch liegend stoße ich mit dem Kopf an und müsste die Füße einziehen. In der neuen Business Class der BA sind dafür die Sitze in der Breite um 25 Prozent auf 64 Zentimeter gewachsen, sodass auch etwas zusammengestaucht der Schlaf auf der Seite erholsam sein kann.

Vorhang auf Kurz vor sieben Uhr Londoner Zeit erwacht das Oberdeck von BA 176 wieder zum Leben. Und sieht zahlreiche Flugzeuge vor dem Terminal 5 von London Heathrow. Schnee hat den Flugbetrieb stillgelegt. Da keine Maschine abhebt, parkt unser Pilot die Maschine irgendwie – für sechs Stunden, die wir die Maschine nicht verlassen können. Der Pilot erlaubt das Telefonieren mit dem Mobiltelefon, verlässt das Cockpit und entschuldigt sich bei einem Rundgang persönlich bei allen Passagieren: „Ich habe so etwas in 37 Jahren noch nicht erlebt.“ Das Oberdeck trägt’s mit Fassung – auf der Chaiselongue lässt es sich allemal angenehmer warten als im überfüllten Terminal 5.

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