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Chancen und Risiken Die richtige Unternehmensstrategie in der Finanzkrise

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ATU-Reifenlager: Erster Quelle: dpa/dpaweb

Neue Personalpolitik

Eine Vollbremsung insbesondere bei den Beschäftigten ist allerdings riskant: „Wer zu viel Personal abbaut, schneidet sich womöglich ins eigene Fleisch, weil ihm beim nächsten Aufschwung die Fachkräfte fehlen“, warnt Gnamm, „wenn Stellen abgebaut werden müssen, sollte die jeweilige Performance ein wichtiges Kriterium sein.“ Seine Kollegen von A.T. Kearney empfehlen sogar, die Krise zu nutzen, um die eigene Schlagkraft zu stärken, zum Beispiel durch gezieltes Abwerben von Top-Vertriebsleuten. Handschuh: „Die sind im Moment günstig zu bekommen und bringen möglicherweise ihr eigenes Team und bestenfalls sogar eigene Stammkunden mit.“ Umbau des Vertriebs Der Vertrieb ist in Zeiten rückläufiger Nachfrage ein besonders sensibler, weil kostentreibender Geschäftsbereich. „Die ganze Vertriebsorganisation sollte neu fokussiert werden, um alle Kräfte auf solche Bereiche zu konzentrieren, in denen auch in konjunkturschwachen Zeiten noch Wachstum zu erzielen ist“, sagt Handschuh. Für Konsumgüterhersteller und im Handel bestünden zum Beispiel gute Chancen im Billigsegment und bei Artikeln des täglichen Bedarfs. Überprüfung des Kundenstamms Die Berater warnen allerdings davor, sich ausschließlich auf Umsatzzahlen zu konzentrieren: „In dieser Phase jeden Kunden halten zu wollen, wäre ganz falsch“, sagt Rothenbücher. Besser sei es, die Wackelkandidaten auszusortieren – das schütze vor Zahlungsausfällen. Zu Ausfällen könnten im Moment aber auch Kunden führen, die bisher nicht negativ aufgefallen sind – was die gängige Betrachtungsweise schon mal kräftig durcheinanderbringe. Dabei gehe es nicht nur um die klassischen Problemfälle – im Moment biete ein Hartz-IV-Empfänger als Kunde wegen seiner staatlich garantierten Bezüge womöglich mehr Sicherheit als ein Besserverdienender, dessen Job in Gefahr ist.

Akquisition von Unternehmen

Ein besonderes Risiko für Kapitalgesellschaften besteht in der geringen Marktkapitalisierung durch die in den vergangenen Wochen in den Keller gegangenen Aktienkurse. Auch wenn der Markt sich in der vergangenen Woche durch das milliardenschwere Hilfspaket der EU-Staaten stabilisiert hat: „So billig wie im Moment waren Unternehmen noch nie, und das erhöht das Übernahmerisiko“, sagt Berater Rothenbücher. Zugreifen könnten nicht nur kapitalstarke Investoren etwa aus den Öllieferstaaten sondern auch Familienkonzerne mit großer Liquidität – und selbst einige Private-Equity-Fonds haben noch genug Geld, um auf Einkaufstour zu gehen. Mitmischen können bei diesem Spiel aber nicht nur Scheichs und superreiche Familien. Die Chance, das eine oder andere Schnäppchen zu erstehen und damit die eigene Marktposition zu verbessern, besteht auch für einheimische Unternehmen. Wenn die Liquidität vorhanden ist, lassen sich über Zukäufe größere Marktanteile sichern. Das müssen nicht unbedingt milliardenschwere Deals sein. Berater Rothenbücher: „Auch mit mehreren kleinen Akquisitionen und Übernahmen lassen sich die eigenen Chancen verbessern.“

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