WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Chefwechsel Neuer Henkel-Chef: Ohne Stallgeruch

Seite 2/2

Ohnehin warten auf Rorsted zunächst andere Aufgaben. Gleich zum Amtsbeginn steht die Integration der mit vier Milliarden Euro teuersten Übernahme der Henkel-Geschichte an – dem Kauf des Verpackungs- und Konstruktionsklebstoffherstellers National Starch, einer Tochtergesellschaft des britischen Chemieriesen ICI. Hinzu kommen der geplante Verkauf der knapp 30-prozentigen Beteiligung am US-Unternehmen Ecolab – zur Finanzierung der National-Starch-Übernahme – sowie dem von Lehner vor wenigen Wochen angekündigten weltweiten Effizienzsteigerungsprogramm, das den Abbau von rund 3000 Stellen vorsieht und ab 2011 jährliche Einsparungen in Höhe von rund 150 Millionen bringen soll.

Die Integration von National Starch, die Rorsted an der Spitze eines Steuerungskomitees leitet, ist die erste große Bewährungsprobe. Dabei wird er Härte und Durchsetzungsvermögen zeigen müssen – Eigenschaften, die er schon beim Handball unter Beweis gestellt hat. Dort schaffte es Rorsted Ende der Siebzigerjahre in die dänische Jugendnationalmannschaft und war mit seinem Verein sogar dänischer Meister. Heute hält sich der Fan des FC Bayern München mit Skifahren oder Tennis fit.

Mit National Starch festigt Henkel seine Position als weltweit führender Anbieter für Klebstoffe. So haben die Briten einen speziellen Klebstoff, mit dem elektronische Chips auf Bankkarten geklebt werden. Henkel wiederum bietet Systeme an, mit denen die Chips mittels einer Verkapselung vor schädlichen Einflüssen wie Sonneneinstrahlung geschützt werden können. Geschäfte, die sich ideal ergänzen. Die Übernahme bringt Henkel ein Umsatzplus von knapp zwei Milliarden Euro.

Die noch vor den Wasch- und Reinigungsmitteln (Persil, Pril, Spee) sowie dem Kosmetikgeschäft (Fa, Taft, Schwarzkopf) größte Sparte im Henkel-Konzern (siehe Grafik links) übernimmt im Lauf des Jahres ebenfalls ein branchenfremder Manager: Thomas Geitner, der Ende 2006 seinen Vorstandsposten beim Mobilfunkkonzern Vodafone nach einem Strategiestreit aufgab und ein Jahr in der Versenkung verschwand und als Berater für Private-Equity-Fonds arbeitete. Jetzt ist der 52-jährige Schwabe wieder aufgetaucht: Im Oktober wird er Chef der Klebstoffsparte von Henkel mit einer Verantwortung über mehr als 50 Prozent der Konzernumsätze.

Rorsted, der Dänisch, Englisch, Schwedisch und Deutsch spricht, ist ein überzeugter Anhänger des Diversity Managements. Die Vielfalt im weltweiten Henkel-Konzern will er auch im Management weiter ausbauen Er setzt auf Mitarbeiter verschiedenen Alters, Geschlechts und Herkunft. Auf seine Initiative hin wurde vor wenigen Monaten erstmals eine globale Diversity Managerin, die direkt an ihn berichtet, eingestellt.

Ein Kontrollfreak ist Rorsted nicht. Zu delegieren, das beziehe sich für ihn immer auf das Übertragen von Verantwortung, nicht von Aufgaben. Um zu verdeutlichen, wie wichtig ihm dabei der klare Fokus ist, zitiert er gerne einen Ratschlag, den ihm sein Vater mit auf den Weg gab: „Es dauert sehr lange, etwas zu Ende zu bringen, an dem man nicht wirklich arbeitet.“

Wichtig sind dem Vater von vier Kindern bessere Berufsperspektiven für Frauen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Seine Assistentin, selbst Mutter eines kleinen Kindes, arbeitet in Teilzeit und, wenn Rorsted unterwegs ist, vom Home-Office aus. Außerdem lässt er keinen Zweifel daran, dass Henkel mehr Frauen in Führungspositionen braucht.

So viel Zeit wie möglich versucht Ror-sted mit seiner Familie zu verbringen, vor allem mit seinem sechs Monate alten jüngsten Spross. Mit seinen beiden 13-jährigen Zwillingen stehen hin und wieder Deutsch-Diktate auf dem Stundenplan. Nach dem Ende des Schuljahres wird die Familie von München nach Düsseldorf umziehen, wo Ror-sted heute in einem Apartment in Altstadt-Nähe wohnt. Von dort startet er den Tag regelmäßig mit einer morgendlichen Jogging-runde am Rhein. Nicht selten um fünf Uhr früh. Und als musikalische Begleitung die Rolling Stones auf dem iPod.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%