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Chemiebranche BASF kommt bei Konzernumbau nicht vom Fleck

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BASF-Vorstand Jürgen Quelle: AP

Die Fokussierung auf die Chemie schafft jedoch auch Nachteile. Bayer – von 1925 bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit der BASF und der früheren Hoechst zur unseligen Interessengemeinschaft (IG) Farben vereint – fährt die umgekehrte Strategie. Die Leverkusener haben sich von zahlreichen eher zyklischen Chemieaktivitäten getrennt und dafür – etwa mit der Übernahme von Schering – in das konjunkturresistente Pharmageschäft investiert. Ergebnis: Der – im Vergleich zum BASF-Umsatz von 62 Milliarden Euro – etwa halb so große Bayer-Konzern (Umsatz 2008: 32,9 Milliarden Euro) erzielte im ersten Halbjahr 2009 ein höheres Betriebsergebnis als BASF und liegt auch beim Börsenwert vorn: Bayer kommt auf eine Marktkapitalisierung von knapp 35 Milliarden Euro, die BASF bloß auf rund 31 Milliarden Euro.

Hambrecht versucht, dem Margendruck in der Chemie zu entkommen, indem er die Produktpalette verändert: weg von Massenkunststoffen, hin zu hochwertigen Chemieprodukten. Statt auf Standardware setzt die BASF auf Spezialitäten für Kunden aus der Auto-, Bau- oder Konsumgüterindustrie – hochwertige Lackpigmente etwa oder Kunststoffe mit besonderen Eigenschaften. Die Übernahme des US-Konzerns Engelhard brachte die BASF im Katalysatorengeschäft voran. Der Kauf einer früheren Degussa-Sparte verstärkte die Bauchemie – zu den damaligen Neuerwerbungen zählt etwa das Augsburger Unternehmen PCI, das Fliesenkleber produziert.

Schlechtes Timing bei Ciba-Übernahme

Doch der Ausstieg aus den ertragsschwachen Sparten läuft nicht so schnell wie erhofft. Das Geschäft mit Polyolefinen, die bei der Herstellung von Folien und Verpackungen zum Einsatz kommen und die BASF gemeinsam mit Shell produzierte, gab Hambrecht vor vier Jahren ab. Der avisierte Verkauf von Styrolkunststoffen aber, etwa zur Produktion von Dämmmaterialien, kommt nicht voran. Bis heute hat sich kein Käufer gefunden. Kürzlich schloss die BASF einen Polystyrolbetrieb in Ludwigshafen und demontierte die Anlagen.

Und auch die Spezialitäten-Strategie hat ihre Tücken. Am 15. September vergangenen Jahres verkündete Hambrecht im holzgetäfelten Saal des Züricher Hotels Widder stolz die Übernahme des Schweizer Konkurrenten Ciba. Doch von einer Perle im BASF-Reich ist Ciba weit entfernt. Die Schweizer gelten als Problemfall – kurz nach der Ankündigung der Übernahme schrieben sie im vierten Quartal 2008 rote Zahlen. Hambrecht hatten an Ciba die Produkte, etwa Spezialpigmente oder Lichtschutzmittel, gereizt.

Der Termin erwies sich als ungutes Omen. Denn genau an jenem 15. September kollabierte die Investmentbank Lehman Brothers und stürzte die Finanzmärkte in Abwärtsturbulenzen. "Das Timing bei der Ciba-Übernahme war schlecht", kommentiert Analyst Gruber. Wenige Wochen später hätte der Kaufpreis für Ciba deutlich niedriger gelegen.

BASF voll von der Krise erwischt

Bei Ciba stehen die Zeichen auf Dezimierung. Rund 3700 Jobs will Hambrecht streichen, Kündigungen scheinen nicht völlig tabu zu sein. Die Stimmung ist durchwachsen – etwa im deutschen Werk in Grenzach nahe der Grenze zur Schweiz. Ciba produziert dort optische Aufheller. „Inzwischen geht es beim Arbeitsplatzabbau an die Substanz“, berichtet ein dortiger Ciba-Mitarbeiter. Die BASF-Leute hätten alle Führungspositionen besetzt und die Abläufe durcheinandergewirbelt.

Nach der Ciba-Übernahme wurde auch die BASF voll von der Krise erwischt. Im Herbst 2008 musste Hambrecht zweimal kurz hintereinander Gewinnwarnungen aussprechen. Er ließ weltweit Anlagen stilllegen und die Produktion drosseln, wenig später schickte er Tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit. Insgesamt 2000 Arbeitsplätze will die BASF bis Ende nächsten Jahres sozialverträglich abbauen.

Hambrecht hofft, in zwei Jahren die Ciba-Integration geschafft und die BASF in ruhigeres Fahrwasser gebracht zu haben. 2011 endet sein Vertrag. Verlängern will er nicht, kündigt er im Interview an. Immerhin vier aktuelle Vorstände dürfen sich Hoffnung auf die Nachfolge machen: Martin Brudermüller (unter anderem zuständig für Asien), Kurt Bock (Finanzen), Harald Schwager (Personal) sowie Hans-Ulrich Engel (Öl und Gas).

Vor allem will Hambrecht die BASF unabhängig halten. Den Chef treibt schon mal die Sorge um, ein reicher Investor könnte sich die derzeit eher niedrig bewertete BASF schnappen. Das sagt er auch ganz klar: "Ein Angriff ist möglich."

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