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China Wie deutsche Unternehmen in China Mitarbeiter motivieren

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So beschäftigen im Gegensatz zu Japanern oder Taiwanern nur wenige deutsche Unternehmen Wanderarbeiter aus den ärmeren Regionen im Westen Chinas. Bei Mubea etwa arbeiten nur Chinesen aus der Gegend von Shanghai. Arbeiterwohnheime auf dem Fabrikgelände, wie in China oft üblich, gibt es nicht. Bei Mubea kommen die Arbeiter morgens mit dem Fahrrad oder Moped zur Arbeit. Die fehlende Trennung von Arbeit und Privatem war mitverantwortlich dafür, dass beim taiwanischen Apple-Zulieferer Foxconn zehn Arbeiter in den Tod sprangen. Mindestens sechs Arbeiter teilen sich bei Foxconn ein Wohnheimzimmer. Die Enge fördert Spannungen, denn Privatsphäre gibt es nicht.

Der schwäbische Autozulieferer Kern-Liebers, der in der Nähe von Shanghai mit rund 400 Arbeitern Stanzteile und Federn fertigt, hat deshalb schon vor Jahren die Wohnheime abgeschafft. Stattdessen zahlt das Unternehmen seinen Arbeitern einen freiwilligen Mietzuschuss von umgerechnet 20 bis 40 Euro im Monat je nach Länge der Betriebszugehörigkeit.

Auch pflegen die Deutschen in China einen anderen Managementstil als ihre Konkurrenten aus den asiatischen Ländern. Konzerne wie VW und Siemens, aber auch immer mehr Mittelständler haben in den vergangenen Jahren ihre Leitungsetagen konsequent auch mit Einheimischen besetzt. Bei vielen Unternehmen arbeiten inzwischen sogar auf Top-Ebene größtenteils Chinesen. „Das ist viel besser für die Kommunikation mit der Belegschaft“, sagt Reitmeier. Beim Skandalunternehmen Foxconn dagegen sitzen allein auf der mittleren Managementebene rund 700 Taiwaner. Trotz der fehlenden Sprachbarriere ist das Verhältnis zwischen Taiwanern und Festlandchinesen schwierig.

Zehn Prozent mehr Lohn

Sicher ist auch, dass die Deutschen bisher nicht Ziel von Streiks sind, weil sie sich die Loyalität ihrer Arbeitskräfte regelrecht erkaufen. So schätzt Auslandshandelskammer-Experte Reitmeier, dass bei Unternehmen aus Deutschland die Löhne um rund zehn Prozent über denen der asiatischen Konkurrenz liegen. In der Nachbarschaft von Shanghai, wo Mubea seine Fabrik betreibt, liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 970 Yuan im Monat, umgerechnet knapp 120 Euro. Geschäftsführer Wojcikowski zahlt seinen Arbeitern dagegen mindestens 1320 Yuan bei einer 40-Stunden-Woche.

Überstunden sammeln die Arbeiter auf einem Zeitkonto nach deutschem Vorbild: Jeder kann sich die Überstunden auszahlen lassen oder als Freizeit abfeiern. Bei Taiwanern oder Japanern sind solche Modelle selten. In der Praxis kommt es in China oft zu Streiks, weil Unternehmen gegen Gesetze verstoßen, indem sie sich um die Vergütung von Mehrarbeit drücken.

Freiwillige Krankenversicherung soll Loyalität fördern

Vielleicht blieben deutsche Unternehmen in China bisher aber auch darum von Arbeiteraufständen verschont, weil sie den oft verspotteten Hang zur Überkorrektheit und Obrigkeitshörigkeit auch in der Fremde pflegen. So führen deutsche Firmen die Sozialabgaben für ihre Arbeiter größtenteils korrekt ab. Die Beiträge für die gesetzlich vorgeschriebene Krankenversicherung sowie Arbeitslosen- und Rentenversicherung summieren sich immerhin auf rund 45 Prozent des Lohns.

Mehr noch: Der Autozulieferer Mubea will für seine Arbeiter Anfang Juli eine freiwillige Krankenversicherung einführen, die noch bessere Leistungen bietet als die gesetzlich vorgeschriebene. Rund 400 Yuan im Jahr, etwa 48 Euro, will sich das deutsche Unternehmen das pro Mitarbeiter kosten lassen. „Mit relativ wenig Geld kann man die Loyalität ungemein fördern“, sagt Geschäftsführer Wojcikowski.

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