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China Wie deutsche Unternehmen in China Mitarbeiter motivieren

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Dem steht die Hire-and-fire-Mentalität der Unternehmen aus den asiatischen Nachbarländern krass gegenüber. Als etwa die Finanzkrise Anfang 2009 auch in China zuschlug und die Nachfrage aus dem Westen über Nacht in den Keller ging, schlossen Tausende Taiwaner und Koreaner über Nacht ihre Fabriken. Die chinesischen Arbeiter warteten vergeblich auf die Löhne, die ihnen noch zustanden. Am Ende musste die chinesische Regierung einspringen.

Allein in einem Foxconn-Werk in der Nähe Shanghais verloren in einer Woche 50.000 Arbeiter ihre Jobs. Taiwaner, Koreaner und Japaner pressen zudem oft noch den letzten Cent aus ihren Arbeitern heraus. „Europäischen Unternehmen kommt es eher auf eine stabile und gut ausgebildete Belegschaft an“, sagt CLB-Sprecher Crothall.

„Der Druck ist viel grösser“

Betroffene Chinesen bestätigten das. Seit rund drei Jahren arbeitet etwa Hu Jinming beim deutschen Autozulieferer Kern-Liebers. Vorher war der junge Chinese bei einem japanischen Konkurrenten angestellt, zurück möchte er nicht mehr. „Der Druck dort ist viel größer“, sagt Hu. Bei den Deutschen habe er eher das Gefühl, gebraucht zu werden, und seine Arbeit werde stärker anerkannt als bei seinem alten Arbeitgeber.

Ob sich die Deutschen so dauerhaft von der historischen Erfahrung abkoppeln können, dass Arbeiter per Streik ihren Anteil am Wirtschaftswachstum durchzusetzen versuchen, ist jedoch zweifelhaft. Analysten wie Ma Jun, China-Chefökonom der Deutschen Bank in Hongkong, oder Wang Tao von UBS in Peking gehen davon aus, dass die Fabriklöhne im Gefolge der anderen Arbeitsniederlegungen in nächster Zeit generell an Fahrt gewinnen werden.

Soziale Massenunruhen vermeiden

Dazu beitragen werde auch die Regierung, die um jeden Preis soziale Massenunruhen vermeiden will. Auch das werde für mehr Geld in den Lohntüten sorgen. „Wir gehen davon aus, dass da noch etwas kommt“, sagt Christian Schmidt, Geschäftsführer bei Kern-Liebers in China.

Manche Experten halten es sogar für gerechtfertigt, dass die Löhne bei den deutschen Firmen im Reich der Mitte weiter steigen. „Schließlich haben sie auch im Krisenjahr 2009 in China gut verdient“, sagt Jürgen Kracht, Chef der Beratungsgesellschaft Fiducia in Hongkong. Kracht berät seit mehr als einem Vierteljahrhundert deutsche Unternehmen in China. „Aber bei Lohnerhöhungen blocken oft die deutschen Mutterhäuser.“ 

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