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Christoph Franz Die Premiere des neuen Lufthansa-Chefs

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Dann betritt er das Podium und wieder posiert er geduldig für die Fotographen. Es folgt die Begrüßung, obwohl jeder weiß, dass jeder weiß wer da oben sitzt.

Sein Pressesprecher gibt ihm das Wort und Franz beginnt. „Ja meine Damen und Herren, herzlich willkommen zu unserer Bilanzpresskonferenz. Für mich ist es ja die erste und für meinen Kollegen Stephan Gemkow ist …“ Dann unterbricht ihn sein Sprecher. „Bitte“, sagt Franz höflich erstaunt. „Ach so“

Franz fand zwar die richtigen Worte, aber nicht am richtigen Ort. Er begann seine Rede auf dem Sitzplatz und nicht wie geplant am Stehpult. Also steht er lächelnd auf, nimmt sein Manuskript  und geht zum Podium, und macht weiter. Es folgt das Standardprogramm. Der Dank an seinen Vorgänger Mayrhuber, die guten Zahlen, der Hinweis auf die Katastrophe in Japan, dann die erfolgreiche Krisenstrategie, die Dividende und dann rund eine halbe Stunde für zehn eng beschriebene DIN-A-4-Seiten Manuskript mit Analysen, tiefe Begründungen – und alles ohne das auch bei bescheideneren Chefs übliche „Ich“ . 

Alles gut und reizvoll – und für die Anwesenden etwas ermüdend. „Das dauert aber bei Euch“ poppt ein Email auf dem Laptop einer Agenturjournalistin auf.

Tabu in Stücke gerissen

Dann kommt Finanzvorstand Gemkow mit einem für einen Zahlenchef extrem lockeren Auftritt mit Verweisen auf das chinesische Horoskop. Laut dem war 2010 das Jahr des Tigers, mit einem Fokus auf Mut zum Risiko, Misstrauen gegenüber dem Anschein. „Nur heute haben wir das Jahr des Hasen mit Harmonie und Genuss, das passt leider nicht  – so gerne ich auch wollte", sagt Gemkow.

Und dann kommen noch mehr Details, dass das vergangene Jahr noch besser war, als es aussah. 25 Zahlen in der ersten Minute. Nach 33 weiteren Minuten die Fragerunde – und die erste Überraschung. Franz antwortet nicht nur ausführlich. Er weicht auch keiner Frage aus vor allem nicht denjenigen, bei denen sein Vorgänger Mayrhuber etwa ungehalten wurde, wie der Rolle des konzerneigenen Billigfliegers Germanwings. Besonders groß war der Unterschied bei der Frage, warum der Europaverkehr kein Geld verdiene. Hier  konterte Mayhuber, dass er hier sehr wohl Geld verdiene. Und heute riss Franz ohne auch nur die Stimme zu verändern dieses Tabu mit einem Satz in Stücke. „Da verdient keiner Geld und die Erträge sind auch im Aufschwung eher schlechter geworden“, lautete seine knappen Worte. „Dem müssen wir uns stellen.“

So endete die Veranstaltung nach rekordverdächtigen zweieinviertel Stunden. Mit viel Informationen und nicht unbedingt mehr Klarheit. „Ich weiß zwar nicht wer Franz ist“, sagt ein Journalist. „Aber ich weiß was er ist: offen.“

Und das ist immerhin ein Anfang eines klaren Bildes.

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