WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Chronik Stationen der IKB-Katastrophe

Nach der gerichtlich umstrittenen Pressemitteilung zur Finanzlage der IKB ging es für die Mittelstandsbank Schlag auf Schlag. Die wichtigsten Stationen bis zum Verkauf an den Finanzinvestor Lone Star.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Juli 2007

IKB-Zentrale in Düsseldorf Quelle: Foto: Laif/Oliver Tjaden

Die IKB räumt wegen der US-Hypothekenkrise in einer Pressemitteilung nur Belastungen im einstelligen Millionenbereich ein. Eine Woche später wird klar: Die Bank rechnet mit einer Milliarde Euro Abschreibungsbedarf. Die KfW springt für die IKB-Zweckgesellschaft Rhineland Funding in eine Liquiditätslinie von 8,1 Milliarden Euro ein. IKB-Chef Stefan Ortseifen tritt zurück. KfW-Vorstand Günther Bräunig übernimmt das Ruder bei der IKB.

August 2007

Die KfW und die Verbände der Sparkassen, Genossenschaftsbanken und der privaten Institute schnüren ein Rettungspaket von 3,5 Milliarden Euro. Die IKB muss ihre Zweckgesellschaft Rhineland mit 80 Millionen Euro stützen. Für das Geschäftsjahr 2006/07 (per Ende März) wird die Dividende gestrichen. Die IKB entlässt ihren Finanzchef. Die Staatsanwaltschaft beginnt mit Ermittlungen.

September bis Oktober 2007

Die IKB kündigt aufgrund von Sanierungsmaßnahmen einen Verlust im Geschäftsjahr 2007/08 von bis zu 700 Millionen Euro an. Nach einem Gutachten der Wirtschaftsprüfer von PwC muss die IKB ihren Konzernabschluss von 2006/07 nachträglich ändern. Zwei weitere Vorstände müssen gehen. Die Bank gelobt Besserung, will sich vom risikoreichen Geschäft trennen und sich auf die Mittelstandsfinanzierung konzentrieren. Die KfW prüft den Verkauf ihrer 38 Prozent an der IKB und schaltet dafür Merrill Lynch ein.

November 2007

Der IKB drohen weitere Belastungen von 300 bis 400 Millionen Euro. Die Bankenverbände sind anscheinend nicht bereit, mehr Geld zur Rettung beizutragen. Die KfW erhöht als Großaktionär ihre Risikovorsorge für die IKB-Tochter Rhineland Funding um 2,3 Milliarden auf 4,8 Milliarden Euro. Die EU-Kommission beäugt die Rettungsmaßnahmen der KfW für die IKB kritisch. Der Aktienkurs der IKB bricht erneut ein, die Papiere kosten weniger als acht Euro, nach Kursen von 35 Euro und mehr zum Jahresanfang.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ende November 2007

    Nach einer nächtlichen Krisensitzung einigen sich Privatbanken und KfW auf Druck der Regierung auf ein weiteres Rettungspaket. 350 Millionen Soforthilfe gibt es für die Mittelstandsbank. Das Kontrollgremium prüft die Möglichkeit einer Insolvenz der IKB. Die Veröffentlichung der Halbjahresbilanz wird aufgeschoben.

    November / Dezember 2007

    Der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) kündigt eine weitere Krisensitzung des KfW-Verwaltungsrates an. Er will den der 38-prozentigen KfW-Anteil an der IKB "so zügig wie irgend möglich" verkauft sehen, zu einem möglichst guten Preis. Der Bund will der KfW für die IKB jedenfalls keine Bürgschaft oder andere Garantien gewähren.

    Dezember 2007

    Kaufinteressenten für die IKB sind Mangelware, Interessenten springen ab, weil weitere Risiken in der Bank vermuten. Tatsächlich räumt KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier Mitte Dezember ein, sie bereue inzwischen die milliardenschwere Rettungsaktion für die Bank Ende Juli, weil sie sich zum Fass ohne Boden entwickeln.

    Januar 2008

    Immer neue Gerüchte schicken die IKB-Aktie auf eine Berg- und Talfahrt. An der Börse wird potenzieller neuer Abschreibungsbedarf in Milliardenhöhe und der politische Streit über das Für und Wider einer Rettung mit Steuergeldern heiß diskutiert.

    Februar 2008

    Am Abend des 13. Februar teilen Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) nach einer erneuten Krisensitzung des KfW-Verwaltungsrats mit, dass die IKB weitere 1,5 Milliarden Euro erhalten solle. Davon will der Bund eine Milliarde Euro aufbringen. Die KfW will 800 Millionen Euro aus dem Verkauf ihres IKB-Anteils erzielen.

    Top-Jobs des Tages

    Jetzt die besten Jobs finden und
    per E-Mail benachrichtigt werden.

    Standort erkennen

      März 2008

      In der zweiten Märzhälfte fließt die zweite Tranche aus dem Rettungspaket an die IKB, 450 Millionen Euro nach bereits 600 Millionen Euro im Februar. Nochmals 1,25 Milliarden Euro soll die geplante große Kapitalerhöhung der IKB einbringen. Die KfW soll so auf etwa 90 Prozent der Anteile kommen. Die IKB berichtet derweil, sie erwarte zusätzliche 590 Millionen Euro Bewertungsverluste auf ihre Bestände, was die gesamten Überschüsse mehrerer Jahre aufzehren werde. Acht Tage später, am 28. März 2008, genehmigt die Hauptversammlung der IKB die Kapitalerhöhung.

      Juni 2008

      Das Düsseldorfer Landgericht lehnt am 12. Juni 2008 mehrere Schadenersatzklagen von Anlegern ab, die durch den dramatischen Kurseinbruch der IKB-Aktie zum Teil mehr als 10.000 Euro verloren hatten.

      Juli 2008

      Die KfW Bankengruppe stellt der IKB nochmals Liquidität in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung, weil sich die Kapitalerhöhung anscheinend verzögert. Außerdem reißen die bilanziellen Belastungen nicht ab: Für das erste Geschäftsjahres-Quartal rechnet die IKB mit einem neuerlichen Bewertungsverlust von einer halben Milliarde Euro.

      August 2008

      Die KfW erwirbt von den neuen Aktien aus der IKB-Kapitalerhöhung mehr als 99 Prozent, wie die IKB in einer Pflichtmitteilung meldet. Der Vollzug soll jedoch erst im Oktober erfolgen, weil die EU-Kommission die Transaktion prüft und erst genehmigen muss.

      21. August

      Verkauft: Die KfW teilt mit, dass der US-Finanzinvestor Lone Star ihren kompletten Aktienanteil von 90,8 Prozent übernehmen will. Der laut KfW "angemessen positive Kaufpreis" ist von den avisierten 800 Millionen Euro weit entfernt: Lone Star zahlt 100 Millionen Euro, die Verbindlichkeiten bleiben bei der KfW.

      © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
      Zur Startseite
      -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%