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Computerhersteller Dell trimmt sich auf Lifestyle

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Die Rückkehr des Firmengründers

Dells Aufholjagd

Dell und Lifestyle, so das Ziel des Gründers, sollen nicht länger im Widerspruch zueinander stehen. Dafür kehrte Michael Dell vor anderthalb Jahren aus dem selbst gewählten Vorruhestand zurück, löste Rollins ab und holte hochkarätige Leute – von Motorola heuerte er Handy-Zar Ron Garriques als Chef der Privatkundensparte an. Mark Jarvis, Ex-Marketing-Guru des Softwarekonzerns Oracle, soll Dell ein neues Image verpassen, Michael Cannon, ehemaliger Vorstandschef des Auftragsfertigers Solectron die Produktion neu organisieren und Schuckenbrock eben das Dienstleistungsgeschäft umbauen.

Michael Dell sitzt im Besprechungsraum seines Hauptquartiers im 30 Kilometer von Austin entfernt gelegenen Round Rock. Er ist gerade mal 43 Jahre alt; mit schwarzem Haar und angegrauten Schläfen wirkt der bullige Mann energiegeladen. Was ist mit seinem berühmten Dell-System geschehen? „Unser Modell hatte sich in seiner ursprünglichen Form überholt“, sagt er. Man habe es bis zum Letzten ausgereizt. Nun müsse es eben angepasst werden.

Im Zentrum von „Dell reloaded“ steht der Versuch, der Marke so etwas zu verleihen wie Sex-Appeal: Leute wie Ken Musgrave und der ehemalige Nike-Designer Ed Boyd, der an der Kooperation zwischen dem weltgrößten Sportartikelkonzern und Apple beteiligt war, sollen dem Computerriesen eine neue Lust auf Design einhauchen. Den beiden stehen gut 100 Spezialisten im texanischen Austin, in Singapur, Taiwan, China und der Trendmetropole London zur Seite, die Dell Kreativagenturen, Designhäusern und anderen Unternehmen abwarb. Im Jahr 2000 kümmerten sich gerade mal sechs Designer um die Dell-Kisten.

Jüngstes Produkt sind die bunten Mini-PCs der Serie Studio Hybrid. Sie sind 80 Prozent kleiner als ein herkömmlicher Desktop-Rechner. Dell verspricht zudem einen im Schnitt 70 Prozent geringeren Stromverbrauch. Wahlweise lässt sich der Rechner mit sieben unterschiedlichen Hüllen dem persönlichen Geschmack anpassen, darunter eine aus Bambus-Holz.

Demnächst will Dell gar einen eigenen MP3-Player gegen Apples iPod ins Rennen schicken – eine Herausforderung, an der schon Microsoft mit seinem Zune Player scheiterte. Dell wagt trotzdem einen Anlauf und vertraut auf die Silicon-Valley-Firma Zing, die er vergangenes Jahr gekauft hat und dessen Gründer Tim Bucher einst für Apple die Produktion der iPods organisierte. Zing hat eine Plattform entwickelt, mit der Musik und Videos nicht wie beim iPod aufs Gerät geladen werden müssen, sondern drahtlos abgerufen werden können.

Während Dell viel Geld in Design und neue Geräte steckt, spart der Konzern an anderen Stellen radikal: Bis 2011 sollen die Ausgaben um drei Milliarden Dollar gesenkt werden. Dell strich über 7000 Stellen und machte die einzige US-Fabrik dicht. Weiterer Abbau soll folgen, vor allem in Hochlohnländern wie in Westeuropa.

Das Büro von Nachfolger-Vorgänger Rollins – heute Berater des Finanzinvestors TPG Capital – ist nun Dells persönlicher Konferenzraum. Alle zwei Wochen leitet er die Kommission, die nach Einsparpotenzialen fahndet. Sein Lieblingsbeispiel sind Funktionen an Dell-Maschinen, die zwar schön sind, aber die niemand so recht honoriert. So wie der Knopf an der Unterseite von Notebooks, mit dem man den Lade-zustand der Akkus über Dioden prüfen kann. Das geht auch, indem man das Notebook aufklappt und sich den Batteriestand über den Monitor anschaut, was für die Käufer kein Problem sein sollte. Zack, schon wieder Geld gespart. Das Dell Inspirion 1525, ein Einsteiger-Notebook, wurde so beim Verkaufspreis 70 Dollar billiger – ein riesiger Betrag in der mit dünnen Margen operierenden Computerbranche.

Dells Strategie scheint aufzugehen: Trotz der lahmenden US-Wirtschaft legt bei Dell der Absatz in allen Produktkategorien – PC, Laptop und Server – zu. Der Umsatz steigt ebenso wie der Gewinn. Im ersten Quartal machte Dell erstmals die Hälfte seine Umsatzes im Ausland. Die Aktie hat sich erholt. Kürzlich kaufte Dell selbst für 100 Millionen Dollar Aktien nach.

Ist Dells Krise damit schon überwunden? „Wir sehen einen Turn-around, der auf mehrere Jahre angelegt ist“, sagt Rich Gardener. Der Citibank-Analyst sieht einiges Potenzial, besonders im Privatkundengeschäft. Dafür spricht, dass der Notebook-Markt rasant wächst. Eine Milliarde Notebooks werden den Schätzungen zufolge in den nächsten fünf Jahren weltweit verkauft.

Aber ist es wirklich so einfach? Michael Dell kommt zurück, dreht an seinem Geschäftsmodell, peppt es mit ein paar hippen Produkten auf, predigt Lust, und die Unternehmenszukunft ist gesichert? Hatte man nicht jahrelang das Privatkundengeschäft allenfalls als netten Nebenverdienst gesehen, aber nie richtig ernst genommen?

„Heute ist es anders, weil Michael Dell voll dahintersteht“, sagt Dell-Manager Garriques. Er ist davon überzeugt, dass die Computerindustrie vor einer ähnlichen Herausforderung steht wie die Handybranche. Je günstiger und populärer Mobiltelefone wurden, umso mehr wurden sie zum Modegegenstand, ausgewählt nach Trends und persönlichem Geschmack: „Das Geschäft mit den Privatkunden wird in den nächsten zehn Jahren dreimal schneller wachsen als das mit Unternehmen.“ Vielleicht also hat der einstige Studienabbrecher Michael Dell seine Auszeit gerade noch rechtzeitig abgebrochen.

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