WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Computerprogramme SAP auf Aufholjagd

Der Softwarekonzern steht vor entscheidenden Monaten: Gelingt die Aufholjagd bei Computerprogrammen aus dem Internet?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Jim-Hagemann Snabe, Vorstandssprecher des Softwareherstellers SAP Quelle: APN

Eigentlich ist Jim Hagemann Snabe ein zurückhaltender Mann. Doch Ende April bei einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen sprudelte der Co-Chef von SAP geradezu vor Euphorie: „Wir werden unser Wachstum gleich auf mehreren Feldern anfachen.“ 

Der Termin für die Prophezeiung lag günstig und ungünstig zugleich: Günstig, weil Snabe und sein Chef-Kompagnon Bill McDermott jetzt, auf der Hausmesse Sapphire Now in Orlando im US-Bundesstaat Florida Mitte Mai, neue Programme vorstellen wollen. Die basieren auf Software, die Kunden via Internet mieten können, statt kaufen zu müssen. Ungelegen kam die Ankündigung jedoch, weil die junge IT-Technologie – in der Branche Cloud Computing genannt – sich prompt von ihrer risikoreichen Seite zeigte.

Gutes Gefühl beim Cloud Computing

Nur wenige Tage vor Snabes Frohlockung fielen mehrere Computer des Online-Händlers Amazon, der Cloud-Rechenkapazitäten an Dritte vermietet, stundenlang aus. Unternehmen wie etwa der Handylokalisierungsdienst Foursquare, die ihre IT über Amazon abwickeln, mussten für viele Stunden passen. Entsprechend hart war für die Verkäufer von SAP die Woche danach, gesteht Sanjay Poonen, weltweit zuständig für Softwarelösungen. „Wir müssen uns noch mehr anstrengen, den Leuten bei Cloud Computing ein gutes Gefühl zu vermitteln.“

Damit steht der deutsche Softwareriese vor entscheidenden Monaten. Mehr als zehn Jahre lang haben die Programmierer aus Walldorf das Geschäft mit Mietsoft-ware aus dem Internet Konkurrenten wie dem Cloud-Pionier Salesforce überlassen. Diesen Rückstand will die Doppelspitze Snabe/McDermott nun aufholen.

Die Aussichten scheinen nicht schlecht. „SAP hat beim Trendthema Cloud in den vergangenen Jahren eine steile Lernkurve durchlaufen und ist dort jetzt gut aufgestellt“, sagt Frank Naujoks, Chefanalyst der Schweizer IT-Beratung I2S. Rüdiger Spies, Analyst für Unternehmenssoftware beim Marktbeobachter IDC, hält auch das Timing der Cloud-Offensive für gelungen: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um das Volumengeschäft hochzufahren.“

SAP kann sich einen Fehlschlag nicht leisten. Zwar ist die klassische Software zur Steuerung von Finanzbuchhaltung, Personalwesen oder Produktionsplanung aus Walldorf immer noch führend und wird von Tausenden Unternehmen rund um den Globus eingesetzt. Doch das Geschäft zeigt Sättigungstendenzen. Die großen Zuwächse winken in der Cloud. Laut IDC-Erhebung soll sich der Umsatz auf diesem Feld allein in Deutschland von 2009 bis Ende dieses Jahres auf fast 600 Millionen Dollar mehr als verdoppeln. Bis 2014 jedoch soll das Geschäft jährlich um 41 Prozent regelrecht explodieren. Der traditionelle Softwaremarkt, in dem SAP bisher beheimatet ist, wächst im gleichen Zeitraum dagegen nur noch um mickrige vier Prozent pro Jahr.

1000 Kunden angepeilt

Den Durchbruch erhofft sich SAP dabei von seiner vergleichsweise jungen Software Business By Design, die seit Juli 2010 auf dem Markt ist. Im Gegensatz zur klassischen Software, die auf den Rechnern der Unternehmen installiert wird, ist Business by Design das erste Computerprogramm von SAP, das die Kunden übers Internet mieten können. SAP-Co-Chef Snabe ist optimistisch, damit erfolgreich zu sein. Ende Januar hatte er erklärt, 250 zahlende Cloud-Kunden unter Vertrag zu haben, Ende April seien es bereits 400 zahlende Unternehmen. „Damit sind wir auf gutem Weg, die bis Jahresende angepeilten 1000 Kunden zu erreichen“, so Snabe.

Auf der Hausmesse in den USA soll zudem der auf der Cebit angekündigte SAP Store vorgestellt werden. In diesem Online-Laden sollen SAP-Partner eigene Erweiterungen und Zusatzmodule für Business By Design entwickeln und diese über den -Internet-Laden Web-Shop vertreiben. Vorbild ist der App Store von Apple mit seinen rund 400 000 Miniprogrammen für iPhone und iPad.

"SAP ist spät dran, aber eben nicht zu spät"

„SAP ist spät dran, aber eben nicht zu spät“, sagt IDC-Analyst Spies. Seiner Einschätzung nach haben die Walldorfer gegenüber Konkurrent Salesforce sogar -einen Vorteil, weil Business By Design ein komplettes Cloud-Unternehmenssoft-warepaket sei. Salesforce dagegen stecke mit seinen Cloud-Lösungen für das Kundenmanagement in dieser „Ecke fest – und kommt da allein vermutlich auch nicht mehr raus“, glaubt I2S-Analyst Naujoks.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%