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Consulting Neue Regeln für die Unternehmensführung

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Ähnlich kompliziert – weil auf den ersten Blick widersprüchlich – sind die neuen Anforderungen an das Einkaufsmanagement. Am Beispiel Siemens wird das deutlich: Konzern-Chef Peter Löscher sieht im Einkaufsvolumen das größte Potenzial, um Kosten zu sparen. Weil vor allem im Industriegeschäft und in der Medizintechnik die Aufträge wegbrechen, will er die Zahl seiner Lieferanten – derzeit sind das weltweit rund 370.000 – um 20 Prozent reduzieren.

„Grundsätzlich sicher richtig“, findet Sven Marlinghaus, Partner und Managing Director der auf Einkaufsberatung spezialisierten BrainNet Supply Management Group. „Aber strategisches Einkaufsmanagement darf sich im Moment nicht auf Kostensenkung beschränken, die Absicherung der eigenen Lieferfähigkeit ist genauso wichtig.“ Wer seine Lieferanten in die Insolvenz treibt und keine Alternativen aufgebaut hat, hängt schnell am Fliegenfänger.

Eine weitere Großbaustelle in vielen Unternehmen sind die Finanzen: Die Refinanzierung, also die Verlängerung oder Neuauflage von Krediten, „ist im Moment das Hauptproblem, selbst für stocksolide finanzierte Unternehmen“, sagt Berater Seidensticker. Ohne Wissen über die Bewertung etwa von Beteiligungen läuft nichts. „Mit der Erfolgsrechnung kennen sich die meisten Finanzchefs bestens aus, aber die Bilanz hat viele bisher kaum interessiert“, kritisiert Pascal Forster, Managing Director der Personalberatung Russell Reynolds. Wie viel Kapital woher und zu welchen Konditionen vorhanden sei, wann es komme oder abfließe, „das sind die zentralen Fragen“.

Boomzeiten für Consulter

Wer zu den wenigen gehört, die im Moment über eine gut gefüllte Kriegskasse verfügen, hat andere Sorgen: Noch nie waren Unternehmen so billig zu haben wie heute – aber werden sie womöglich noch billiger? Noch sind strategische Zukäufe eher die Ausnahme, aber das könnte sich schnell ändern – etwa, um sich mit der Übernahme eines Konkurrenten Zugriff auf neue Technologien oder Marktsegmente zu verschaffen. „Im Moment ändern sich die Strukturen ganzer Branchen und vieles wird aus der Insolvenzmasse heraus günstig zu bekommen sein“, sagt Berater Seidensticker.

Doch damit ist es nicht getan: In der Vergangenheit sind die meisten Übernahmen gescheitert, weil die Integration nicht klappte. Solche Fehlentscheidungen werden sich die Unternehmenslenker künftig nicht mehr erlauben können, zumal die Managerhaftung verschärft wurde. „Wir brauchen eine genauere Abschätzung der Risikofaktoren“, fordert Johannes Gerds, Merger-Experte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, „notfalls muss man den Mut haben, auch ein weit fortgeschrittenes Projekt wieder abzublasen.“

Klar, dass jetzt Berater das große Geschäft wittern – Krisenzeiten sind Boomzeiten für Consulter. „Man sollte sich die Berater sehr genau anschauen und vorher genau definieren, wobei man Hilfe braucht, welche Ziele und Ergebnisse man erreichen möchte und für welche Rolle man den Berater einsetzen will“, rät Eva Manger-Wiemann von der Metaberatung Cardea. „Und vor allem sollte man prüfen, was die Berater vor der Krise empfohlen haben.“ 

In der nächsten Folge dieser Serie geht es um das Thema Finanzmanagement.

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