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Daimler Angst um den Stern: Kommt Mercedes unter die Räder?

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Schwacher Kurs (Entwicklung von Aktien von Daimler und BMW)

Intern hat man mehr als 20 gefährliche Brandherde im Konzern identifiziert. Demnach sind die Kosten für Forschung und Entwicklung zu hoch, die Produktion ineffizient; es ist unklar, wofür die Marke Mercedes steht, und die Gewinnmargen sind zu niedrig. Zudem fehlen Modelle im Mittelklasse-Segment, die Stimmung im Unternehmen ist schlecht, und zahlreiche Mercedes-Händler sind von der Insolvenz bedroht. Hier muss Zetsche schnellstens löschen:

Qualität Zu Beginn des Jahrzehnts nahmen die Mängel bei Mercedes stark zu. Inzwischen hat sich das Unternehmen bei der Produktqualität zwar berappelt, wie unabhängige Studien zeigen. Bei den Kunden ist das aber noch nicht angekommen: Bei einer Umfrage des Magazins „auto motor und sport“ attestierten 53 Prozent der Befragten Audi eine hohe Zuverlässigkeit und nur 41 Prozent Mercedes. Zudem verunsichern die Kundschaft neue, frappierende Mängel: So rosten bei der A- und B-Klasse bereits nach wenigen Jahren häufig Türen, Heckklappen und Karosserieteile. „Ein Armutszeugnis“, schimpft der Inhaber einer Mercedes-Vertretung.

Zetsche setzt auf die Kostenbremse

Vor einigen Tagen schreckte eine neuen Pannenserie die Kunden auf. Hocheffiziente Dieseleinspritzdüsen des Zulieferers Delphi stellen schon nach wenigen tausend Kilometern die Arbeit ein. Betroffen sind vor allem viele Taxen. Folge: Die Autos schalten auf Notmodus und können höchstens 70 Stundenkilometer schnell fahren. Rund 3000 Autos sind bisher betroffen, doch über 50.000 Autos sind bereits mit dem neuen Vierzylinder-Dieselmotor der Baureihe OM 651 ausgeliefert.

Weiterer Ärger für die Fahrer der betroffenen Autos der C- und E-Klasse sowie des Geländewagens GLK scheint programmiert. Denn Daimler tauscht, weil Delphi die Qualitätssicherung intensiviert und die Produktion gedrosselt hat, bei betroffenen Fahrzeugen oft nur die defekte Düse aus. In Internet-Foren berichten Mercedes-Fahrer, dass sie zweimal in die Werkstatt mussten, weil erst eine und kurze Zeit später eine weitere Düse ausgefallen sei.

Kosten Der Konzern steht seit Zetsches Amtsantritt permanent auf der Kostenbremse. So berichten Manager, dass ein Direktflug in die USA verweigert werde, wenn der Alternativflug mit mehrstündigem Zwischenstopp einen zweistelligen Euro-Betrag billiger ist. Auf der anderen Seite leistet sich der ingenieurgetriebene Autobauer immer noch technologische Sonderlösungen, die der Marge abträglich sind.

Keine Kooperationen mit anderen Herstellern

Rückschritt durch Technik - Sicherheitsstandards und fortschrittliche technik

Beispiel Mercedes A- und B-Klasse: Seit dem Marktstart 1997 macht der Baby-Benz dem Konzern Sorgen. Die Produktionskosten für die Kompaktmodelle mit dem doppelten Fahrzeugboden sind zu hoch, der Preiswettbewerb im Golf-Segment ist zu hart. Mit der dritten Generation der A-Klasse, die 2012 kommt, soll sich das ändern: durch einen Produktionsstandort in Osteuropa, einfachere Technik – sowie die Kooperation mit einem anderen Hersteller.

Die nächste A-Klasse wird nun im ungarischen Kecskemét gefertigt. Das war’s aber auch schon. Eine gemeinsam genutzte Fahrzeugplattform mit einem anderen Hersteller wird es trotz Gesprächen Zetsches mit BMW, Peugeot und Fiat wohl nicht geben. Selbst bei den kleinen Motoren hat sich Daimler wieder für eine eigene Lösung entschieden. Während BMW die Motoren für den Mini von Peugeot kauft, wird die A- und B-Klasse die teuren Triebwerke der C-Klasse erben.

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