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Daimler Angst um den Stern: Kommt Mercedes unter die Räder?

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Abstieg der Marke (Position im ADAC-Ranking)

Die R-Klasse, eine Großraumlimousine, ist ein Flop. Die dicken S-Klasse-Limousinen leiden unter der neuen Bescheidenheit, die sich viele Unternehmensvorstände verordnet haben. So lässt sich RWE-Chef Jürgen Großmann neuerdings in einem Mercedes der E-Klasse zu den Terminen chauffieren – seine S-Klasse hatte er unter Hinweis auf das von ihm initi-ierte Sparprogramm zurückgegeben.

Doch auch das hat der erst im Frühjahr eingeführten E-Klasse nicht wirklich geholfen. „Die E-Klasse läuft bei Weitem nicht so, wie sie laufen sollte“, beklagt der Inhaber einer großen Mercedes-Vertretung in Süddeutschland. Die Folgen spüren auch Mercedes-Zulieferer, für die die E-Klasse eine wichtige Umsatzstütze ist. 20 bis 30 Prozent weniger Teile als ursprünglich geplant beziehe Daimler derzeit von seinen Zulieferern, berichtet der Vorstand eines Herstellers von Innenraum-Komponenten. Mercedes habe die Produktionsziele sehr optimistisch angesetzt und gedrängt, die Fertigungskapazitäten zu erhöhen. Der Zulieferer überlegt nun, von Mercedes einen finanziellen Ausgleich zu verlangen: „Auf den Investitionen bleiben wir sonst sitzen.“

Damit die Händler nicht auf den bereits produzierten Autos sitzen bleiben, hat Mercedes ein Verkaufsförder- und Motivationsprogramm gestartet. Denn der „Überbestand“ (Zetsche) drückt auf die Lebensader der selbstständigen Mercedes-Händler. Sämtliche 93 Mercedes-Benz-Vertretungen schreiben nach Informationen des Fachblatts „Autohaus“ im Pkw-Neuwagengeschäft tiefrote Zahlen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der erste Betrieb schließen müsse.

Verkaufsprogramm soll Händler vor Ruin bewahren

Weniger Wert (Restwert eines Autos nach vier Jahren und 60.000 km Laufleistung)

Das Programm soll im vierten Quartal die Sternschmelze verhindern. So stehen den Verkäufern bei der E-Klasse rund 6000 Euro an „Fördermitteln“ zur Verfügung, die an Kaufinteressenten weitergereicht werden können: 2000 Euro für Ausstellungsfahrzeuge, 2500 Euro Eroberungsprämie bei der Inzahlungnahme von Autos anderer Marken, dazu noch einmal 1500 Euro für die Inzahlungnahme des Altautos.

Auch bei anderen Modellen ist viel Spielraum für Rabatte: Bei der A-Klasse kann der Händler Nachlässe von 1000 Euro geben, wenn man ein Ausstellungsfahrzeug abnimmt, bei der C-Klasse von bis zu 3000 Euro. Beim Coupé CLK, der alten E-Klasse und beim GLK sind Nachlässe von bis zu 5000 Euro drin.

Volkswagen setzt Daimler unter Druck

Angreifer Weiteres Ungemach könnte Zetsche aus Zuffenhausen drohen. Wenn Porsche in den VW-Konzern integriert ist, kann die Sportwagenschmiede voll auf VW- und Audi-Technik zugreifen und damit die Preise drücken. Auch wenn Daimler mit anderen Herstellern zusammenarbeiten sollte – die Kostenvorteile, die Porsche durch den zweitgrößten Autobauer der Welt hat, könnte Daimler nie realisieren. So wird Porsche mit seiner viertürigen Limousine Panamera, dem klassischen Elfer sowie dem Geländewagen Cayenne immer mehr zum Ärgernis für Mercedes. Die mutigen Ankündigungen aus Wolfsburg dürften die Nervosität bei Daimler weiter steigern: VW-Chef Martin Winterkorn denkt an bis zu drei neue Modellreihen bei Porsche und eine Verdopplung des Absatzes.

Ganz neu ist der Wettlauf zwischen den beiden Marken nicht. In prophetischer Voraussicht spielte die amerikanische Blues-Sängerin Janis Joplin schon 1970 die Marken gegeneinander aus. „Oh Lord won’t you buy me a Mercedes-Benz“, flehte sie in einem ihrer größten Hits gen Himmel. Nicht, dass sich die Hippie-Jüngerin tatsächlich einen Mercedes gewünscht hätte. Sie verulkte mit dem Lied die vermeintlichen Spießbürger, die von einem Mercedes träumten. Joplin kaufte sich stattdessen ein knallbunt bemaltes Porsche 356 SC Cabriolet. Warum, verriet sie in der zweiten Strophe ihre Hits: „My friends all drive Porsches...“

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