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Daimler-Chef Zetsche "Die Motivation hat gelitten"

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Mercedes E-Klasse: Quelle: dpa-tmn

Stichwort Qualitätsprobleme: Bei der neuen E-Klasse sind offenbar die Injektoren der Dieselmotoren häufig defekt. Wie viele Autos sind betroffen?

Entscheidend ist, dass wir das Injektoren-Problem eines bestimmten Motorentyps, den wir auch in einigen Modellen der E-Klasse einbauen, schnell erkannt haben und den Kunden umgehend Hilfe zukommen lassen. Wir haben deshalb auch die Produktion der Motoren gedrosselt, um mehr dieser Injektoren für den Kundendienst bereitstellen zu können. Natürlich hatten wir den Motor in der Erprobungsphase den üblichen und sehr strengen Mercedes-Qualitätstests unterzogen, das Problem ist erst danach durch Umstellungen in der Produktion beim Zulieferer aufgetaucht, konnte aber inzwischen gelöst werden. Wir werden in Zukunft noch genauer auf die Qualitätsprozesse auch bei unseren Lieferanten schauen.

Was kostet Sie diese technische Panne?

Das wird davon abhängen, wie viele Injektoren ausgetauscht werden müssen. Die Kosten bleiben in jedem Fall überschaubar.

Wenn die E-Klasse so gut läuft, wie Sie sagen, warum geben Sie den Händlern dann die Möglichkeit, Preisnachlässe von bis zu 6000 Euro zu gewähren?

Mir sind keine Verkaufsprogramme bekannt, die einen solchen Nachlass ermöglichen würden. Wir haben gerade eine Studie über die tatsächlichen Preise im Premiumsegment durchgeführt. Sie hat ergeben, dass wir unsere Verkaufspreise wie geplant im Markt erreichen. Unsere Nachlässe liegen deutlich unter denen der Wettbewerber.

Bei der B-Klasse rosten nach wenigen Jahren die Türen. Ist das normal?

Wir arbeiten hart daran, die wenigen Qualitätsthemen abzustellen, die es immer wieder geben kann. Generell sind wir bei der Zuverlässigkeit und Kundenzufriedenheit heute wieder Spitze in der Branche, das belegen viele unabhängige Studien. So wurden beispielsweise die Werke in Sindelfingen und Bremen als die Werke mit der weltweit besten Qualität ausgezeichnet. Und das gilt auch für den Service: Es gibt kaum einen Werkstättentest, den wir nicht gewinnen. Das hätten wir sicher etwas stärker kommunizieren können. Bei der Werbung haben wir in den letzten drei Jahren vielleicht sogar ein bisschen zu viel gespart.

Erklärt das, weshalb kürzlich der Mercedes-Vertriebschef und der Vertriebschef in Deutschland gehen mussten?

Unser ehemaliger Vertriebschef Klaus Maier hat sich entschieden, seine berufliche Laufbahn in der Autoindustrie zu beenden, so einfach ist das. Das hat mit unserem Ziel, dass wir uns bei der Markenkommunikation noch weiter verbessern wollen, aber gar nichts zu tun. Dabei muss man aber auch sagen, dass man das Image einer Automarke nicht über Nacht verbessert. Dort ist es wie mit Qualitätsproblemen – es dauert oft Jahre, bis die realen Veränderungen auch in der Wahrnehmung der Kunden angekommen sind.

Wo geht das Geschäft hin? Verlieren die Leute in Zeiten des Klimawandels und der Krise die Lust auf große, teure Autos?

Der Markt für günstige Autos wächst, und auch der Markt für Premiumautos wächst. Was entfällt, ist die Mitte. Wir gehen deshalb davon aus, dass Premiumfahrzeuge ihren Anteil am Gesamtautomarkt mindestens halten werden.

Die Frage ist doch, wie die Kunden künftig Premium definieren.

Premium heißt aus meiner Sicht, dass auch große Autos emissionsarm sein müssen und dass Luxus nicht laut und auffällig, sondern eher stilvoll und zurückgenommen ist. Das sind Aspekte, die wir intensiv diskutieren und daraus klare Strategien entwickeln.

Audi, BMW und Porsche scheinen da schon weiter. Die hängen Mercedes bei Image und Markenstärke zunehmend ab.

Wir haben wie schon gesagt nach wie vor die wertvollste und stärkste Automobilmarke der Welt. Aber ich räume ein, dass wir bei der Profilierung der Marke noch Potenzial haben. Wir arbeiten intensiv daran.

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