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Danone-Chef Lars Wagener Schlaue Joghurts

Danone-Deutschland-Chef Lars Wagener über das neue Essen, das schlank, klug und schön machen soll, den Kampf gegen Kritiker und Plagiate im Kühlregal.

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Lars Wagener, Deutschland-Chef von Danone

WirtschaftsWoche: Herr Wagener haben Sie heute Morgen beim Frühstück schon Ihre Abwehr gestärkt und Ihre Verdauung gefördert?

Wagener: Ich war in einem Hotel, das zum Frühstück unseren Joghurtdrink Actimel angeboten hat. Das ist nicht mehr selbstverständlich, obwohl Actimel bei Gästen sehr beliebt ist. In Krisenzeiten nimmt auch in guten Hotels das Budget fürs Frühstück ab. Trinken zu viele Leute den Joghurt, wird das dem Hotelier zu kostspielig.

Ist Actimel einfach zu teuer?

Das glaube ich nicht. Aber es ist eine Herausforderung, zu erklären, dass Forschung und gute Rohstoffe Geld kosten.

...und natürlich die teuren Studien, die beweisen sollen, dass der süße Drink gesundheitlich positive Wirkungen hat?

Wieso sollen? Sie tun es. 30 Studien, die hohen wissenschaftlich üblichen Standards folgen, belegen das. Man kann nicht eine so große Marke wie Actimel, die in Deutschland in einer Liga spielt mit Coca-Cola, auf Versprechen gründen, die nicht abgesichert sind.

Kritiker wie Stiftung Warentest und die Verbraucherverbände sehen das ganz anders.

Die Studien kann man nachlesen. Bevor sie veröffentlicht werden, werden sie von unabhängigen Wissenschaftlern begutachtet. Mich stört, dass manche Organisationen ihre Kritik für reine PR-Kampagnen nutzen.

Sie meinen den Ex-Greenpeace-Chef Thilo Bode mit seiner Organisation foodwatch?

Man reibt sich an Großen, um selbst etwas größer zu werden. Andere gehen differenzierter vor und beschäftigen sich mit der Materie. Doch den wissenschaftlichen Beweis, dass normale Joghurts die gleiche Wirkung haben wie Actimel, blieben bisher alle schuldig.

Foodwatch verlieh Actimel sogar den „Goldenen Windbeutel“. Schmerzt Sie das?

Man kann sich natürlich nicht alles gefallen lassen. Aber gegen Kampagnen, die nicht mit Fakten geführt werden, können Sie wenig tun. Deswegen sind wir da eher zurückhaltend.

Ein Kritikpunkt an Produkten wie Actimel, Fruchtzwergen und Activia ist immer wieder, dass zu viel Zucker darin steckt.

Egal, welchen Zusatznutzen sie anpreisen: Wenn das Lebensmittel nicht schmeckt, ist alles andere unwichtig. Und im Vergleich zu anderen Produkten ist unser Nährwertprofil besser.

Warum wehren Sie sich dann gegen die Ampel, mit der der Zucker-, Fett- und Salzgehalt der Lebensmittel auf einen Blick erkennbar ist? Der Tiefkühlhersteller Frosta hat sie eingeführt.

Wir glauben nicht an den Erfolg der Ampel. Eine solche Kennzeichnung von Produkten ist wissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Anders der Nährwertkompass, mit dem wir bereits seit 2007 auf unseren Produkten arbeiten. Hier sieht der Verbraucher genau, wie viele Kalorien und wie viele Nährstoffe ein Produkt enthält.

Die neue EU-Health-Claims-Verordnung will ab 2010 den Verbraucher besser über die Zusammensetzung von Lebensmitteln informieren und fordert für alle gesundheitsbezogenen Werbeaussagen wissenschaftliche Nachweise. Haben Sie damit weniger Schwierigkeiten?

Die Verordnung trennt auf dem Markt die Spreu vom Weizen, also die, die einfach behaupten „unser Produkt ist gesund“, und jene, die das auch beweisen können. Unser Problem ist: Wenn wir heute einen neuen Joghurt auf den Markt bringen, gibt es in drei Monaten schon das Plagiat.

Ein Beispiel?

Ein Wettbewerber wartete beispielsweise nur auf die Einführung unseres Essensis-Joghurts in Deutschland, der spezielle Nährstoffe für die Haut enthält, um sein ähnliches Joghurt einzuführen – ohne eine einzige Studie, die dessen Wirkung belegt. Das zeigt die größte Gefahr der funktionellen Lebensmittel: die Banalisierung.

Was heißt das?

Der Zusatznutzen bei dem probiotischen Joghurt Actimel wird banalisiert, weil plötzlich alles probiotisch und deshalb gesund ist – sogar Gummibärchen, ohne dass irgendwer einen Beweis dafür vorgelegt hätte.

Kritiker sagen, die Health-Claims-Verordnung nütze vor allem großen Konzernen wie Danone, Nestlé und Yacult, die das Geld für teure Untersuchungen haben. Hält Ihnen das lästige Konkurrenz vom Leib?

Nein. Es gibt ja Lieferanten von Joghurt-Stämmen, die selbst Nachweise für einen Zusatznutzen beschaffen. Und die immense Zahl von 4185 Anmeldungen für die Gesundheits-Versprechen bei der EU zeigen, dass die Befürchtung unbegründet ist.

Führt das dazu, dass wir morgen Joghurt und andere Produkte wie Medikamente essen, die uns vor Allergien schützen oder dünner, schlauer und schöner machen?

Unsere Produkte sind keine Arzneimittel, sondern Lebensmittel. Aber wir arbeiten natürlich in den verschiedensten Bereichen an neuen Produkten. Die Schwierigkeit dabei ist, guten Geschmack mit dem entsprechenden Gesundheitsnutzen, beispielsweise einer Gewichtskontrolle, zu verbinden.

Vor zwölf Jahren prophezeite der damalige Nestlé-Chef Brabeck, dass heute in praktisch jedem Produkt Gentechnik stecken werde. Heute ist das zumindest in Deutschland noch nicht der Fall. Bleibt das für Danone eine Option?

Der Kunde will es offenbar nicht, also machen wir es auch nicht. 

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