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Datenklau bei der Telekom Obermann will Vertrauen der Kunden zurückgewinnen

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7. Oktober: Ihre Aufsichtsräte habe die Telekom bis vor wenigen Tagen nicht über den Datendiebstahl informiert, heißt es in einem Zeitungsbericht. „Uns wird vieles erst mitgeteilt, wenn Medien berichten“, sagt T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar wirft der Telekom unterdessen schwere Versäumnisse beim Datenschutz vor. Seit den ersten Vorfällen bei dem Konzern im Frühjahr hätten seine Mitarbeiter die Prüfungen im Unternehmen intensiviert, sagt Schaar. Offenbar gebe es dort ein sehr komplexes System von unterschiedlichsten Stellen, die personenbezogene Daten verarbeiteten. Ein Zwischenergebnis der Prüfung sei, „dass der Telekom der Überblick fehlt“.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble macht Telekom-Chef René Obermann im Umgang mit dem Datenskandal keinen Vorwurf. Die Telekom habe nach dem Diebstahl der 17 Millionen Datensätze im Jahr 2006 „frühzeitig die Behörden informiert und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet“, sagt der CDU-Politiker dem „Münchner Merkur“. „Im Frühjahr dieses Jahres, als es bei der Telekom ein anderes Vorkommnis gab, hat mir der Vorstandsvorsitzende René Obermann auch darüber berichtet. Deshalb will ich ihm keinen Vorwurf machen“, erklärt Schäuble. Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet dagegen, das Bundesinnenministerium und der Aufsichtsrat des Konzerns seien erst vor wenigen Tagen über den Datenklau informiert worden.

9. Oktober. Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner hat die Löschung von rund 17 Millionen Kundendaten der Deutschen Telekom angekündigt, die sich im Besitz eines Mainzer Erotikunternehmers befinden. Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass der 27-jährige Tobias Huch tatsächlich seit 2006 im Besitz der Daten sei. Weshalb die Daten über zweieinhalb Jahre im Besitz des Unternehmers bleiben konnten, obwohl die Telekom informiert gewesen sei, sei nicht nachzuvollziehen.

10. Oktober: Die Deutsche Telekom zieht die Konsequenz aus den Datenskandalen der vergangenen Monate und ringt mit einem Datenschutzprogramm um das Vertrauen der Kunden. Das Unternehmen plane ein neues Vorstandsressort für Datenschutz, kündigte Vorstandschef René Obermann an.

11. Oktober: Die Daten von 30 Millionen Handy-Kunden samt Bankverbindungen konnten bis vor wenigen Tagen mit relativ geringem Aufwand eingesehen und sogar verändert werden. Erforderlich waren nach einem „Spiegel“-Bericht nur wenige Angaben zum Kunden und ein einfaches Passwort. Darüber hätten unzählige Mitarbeiter in T-Punkt-Läden verfügt, es sei auch bei Hackern bekannt gewesen, schrieb das Magazin. Die Telekom AG teilte am Samstag mit, die Sicherheitslücke sei inzwischen geschlossen. Die Mitarbeiter in den Telekom-Filialen kommen an die Daten nur noch mit Hilfe eines einmaligen Passworts, das den Kunden auf Anfrage zugeschickt wird. In einem Brief an die Mitarbeiter verfügt die Konzernführung zudem, dass alle Beschäftigten neue Zugangspassworte erhalten.

In Berlin demonstrieren tausende Bürger gegen die zunehmende Speicherung elektronischer Daten durch den Staat. Die Polizei zählte 15.000 Teilnehmer, die Veranstalter sprechen von 100.000.

13. Oktober: T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm fordert nach der neuerlichen Datenpanne bei der Tochter der Deutschen Telekom umfassende Aufklärung. Insbesondere müsse die Rolle von Festnetzchef Timotheus Höttges untersucht werden. „Man muss jetzt konkret in den Zuständigkeits- und Verantwortungsbereich von Höttges schauen“, sagt Wilhelm am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. „Wenn eine Verantwortlichkeit besteht, dann muss auch ein Vorstand in Frage gestellt werden.“ Höttges ist nicht nur Chef der Festnetzsparte T-Home, sondern verantwortet auch den gesamten Vertrieb und den Service von T-Mobile und T-Home in Deutschland. Seit Jahresanfang ist er zudem für den Datenschutz und die Konzernsicherheit zuständig. Was sagte René Obermann noch gleich? „Wir können uns bei unseren Kunden nur entschuldigen.“

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