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De-Mail-System Kampf um die elektronische Post

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Die Pioniere (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Dass es so kommt, könnte schneller passieren, als es der Post lieb ist. Denn die Hürden für die Anwendung von De-Mail sind niedrig, die erforderlichen Formalitäten seit Jahren eingeführt. Jeder Nutzer muss einmalig seine Identität nachweisen, etwa bei Banken, Pfarrämtern oder Post-Filialen, so wie dies heute schon beim Post-Identverfahren per Personalausweis üblich ist. Der Nachweis geht sodann an den Internet-Anbieter. Ist die De-Mail-Adresse eingerichtet, kann der Nutzer diese entweder wie seine bisherige E-Mail-Adresse gebrauchen. Oder er klickt die neue höhere Sicherheitsstufe an. Hier muss er dann sein Passwort, seinen Namen sowie möglicherweise eine Tan-Nummer eingeben, die er von seinem Anbieter zum Beispiel auf das Handy gesandt bekommt.

Alle rechtlich wichtigen Aspekte, die bisher nur beim Brief anerkannt waren, von der Unterschrift bis zur Zustellung, sollen durch das neue Gesetz künftig auch für das De-Mail-System gelten. Selbst elektronische Einschreiben sind möglich: Eine De-Mail etwa gilt als persönlich zugestellt und zur Kenntnis genommen, wenn der Empfänger, der ebenfalls eine De-Mail besitzt, sich sicher einloggt und die E-Mail öffnet. Ein Statusbericht dokumentiert dies dem Absender.

Post arbeitet an Portallösung

Die Aussichten, dass die Post sich mit ihrem eigenen De-Mail-System einen spürbaren Vorsprung gegenüber Wettbewerbern wie der Deutschen Telekom oder United Internet verschafft, stehen nicht schlecht. Denn was der Briefriese plant, scheint über das Angebot hinauszugehen, das in dem Friedrichshafener Projekt getestet wird. Nach Informationen der WirtschaftsWoche arbeitet die Post an einer Portallösung, auf der Nutzer ihre gesamte rechtsverbindliche Kommunikation, die bisher über den Brief lief, abwickeln können. Im Idealfall brauchen die Nutzer überhaupt keine Briefe mehr zu verschicken und können wichtige Dokumente sicher archivieren. Hinzu kommen weitere bisher noch unbekannte Extra-Funktionen.

Wie das De-Mail-Portal der Post funktionieren könnte, lässt sich anschaulich am Beispiel der Rechnungen illustrieren, die Ärzte ihren Privatpatienten ausstellen. Heute verdient die Post daran durch das Porto für drei Briefe: Der Arzt schickt die Rechnung an den Patienten, der reicht diese per Brief an die Krankenversicherung weiter, diese bestätigt per Brief den Erhalt der Rechnung und die Übernahme der Kosten. Parallel dazu muss der Patient noch das Geld an den Arzt überweisen.

Elektronischer Versand wird zunehmen

Was Deutschland verschickt (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Künftig soll das alles viel einfacher gehen. Die Rechnung des Arztes landet digital im De-Mail-Posteingang des Patienten. Dieser löst mit dem ersten Klick die Weiterleitung an die Versicherung aus, mit dem zweiten Klick überweist er das Geld sogar gleich an den Arzt. Die Versicherung bestätigt ebenfalls elektronisch die Übernahme der Behandlungskosten. Post-intern läuft das Angebot als „Online-Brief“.

Für die Unternehmen bedeutet die Einführung solcher Prozeduren eine enorme Entlastung. 70 Prozent der Firmen verschicken ihre Rechnungen heute immer noch vor allem per Brief — das Porto für einen Standardbrief beträgt 55 Cent, abzüglich möglicher Mengenrabatte von bis zu 14 Cent. Hinzu kommen Kosten fürs Drucken, Falten und Kuvertieren, das gegebenenfalls externe Dienstleister übernehmen. Bei sonstigen Geschäftsvorgängen wie Verträgen und Angeboten liegt der Anteil der Unternehmen, die sich des Briefes bedienen, sogar bei 80 Prozent. Nur Werbung geht inzwischen zur Hälfte als E-Mail und zur Hälfte als Brief ein. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Bundesnetzagentur. 60 Prozent der Unternehmen sind davon überzeugt, dass der elektronische Versand von Briefsendungen bis 2010 zunehmen wird.

Wettbewerbsvorteil für Deutsche Post

Schaffen Appel und Gerdes den Start ihres eigenen De-Mail-Internet-Portals wie geplant Anfang 2010, haben sie große Chancen, sich einen wichtigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Die Deutsche Post „wird ein wesentlicher Marktteilnehmer bei der De-Mail sein“, prophezeit Berater Trezek. Schon heute bietet der Konzern Großversendern wie Versicherungen oder Telefongesellschaften gemischte Formen des Briefes, die sogenannte Hybrid Mail: Das Unternehmen schickt der Post nur noch die Daten für die Briefe, die Post überträgt die Daten an ihre Sortierzentren, wo sie als Briefe ausgedruckt und kuvertiert werden, damit die Zusteller sie in der jeweiligen Region austragen können.

Ein wichtiger Helfer in diesem zukunftsträchtigen Geschäftsfeld könnte die britische Tochtergesellschaft Williams Lea sein, die die Post 2006 erwarb. Das Unternehmen verbindet die Papier- mit der Online-Welt, indem es zum Beispiel Briefe einscannt und digital an Unternehmen verschickt. Anfang Mai gewann Williams Lea einen Großauftrag der Bundesagentur für Arbeit: Das Unternehmen digitalisiert die Tagespost und die Bestandsakten der Arbeitsagenturen – täglich 700.000 Blatt Papier.

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