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Der Paulaner-Tyrann Wie Bier-Erbe Schörghuber sein Imperium ins Chaos manövriert

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Logo der Paulaner Brauerei Quelle: AP

Die 3000 Hotelmitarbeiter nennt Starwood jetzt – so ein Schmarrn – „Hoteliers“. Auch Schörghubers gut gemeinte Idee, seine Oldtimer in den Foyers zur Schau zu stellen, passt kaum ins Konzept. Die Edelkarossen treiben die Konferenzabteilungen der Häuser immer wieder zur Verzweiflung: „Die bringen keine zusätzliche Übernachtung und stehen bei Veranstaltungen im Weg, dürfen aber nur von Schörghuber selbst oder seinem Mechaniker bewegt werden“, sagt ein Mitarbeiter aus dem Veranstaltungsbereich eines Hotels.

Starwood wird sich die Aushöhlung der Verträge aber womöglich nicht bieten lassen – für etliche neue Joint-Venture-Projekte zögern die Amerikaner die Freigabe der Marken heraus. Dadurch soll ein eigentlich unterschriftsreifer Managementvertrag für ein Haus auf Usedom bereits an Steigenberger verloren gegangen sein. Ein noch nicht unterschriebener Vertrag für ein neues Hotel in Bonn und der schon abgeschlossene für das spektakuläre Projekt in der Elbphilharmonie in Hamburg könnten gefährdet sein, wenn Starwood die Lizenzverträge für die Marken nicht unterschreibt. Beide Seiten überprüften „regelmäßig die Grundlagen unserer Partnerschaft und passen sie bei Bedarf an“, weicht Starwood-Europa-Chef Roeland Vos aus. In Sachen Elbphilharmonie gibt er sich wortkarg: „Wir arbeiten derzeit an den Vertragsbedingungen.“

Konzernproblem Bier. Während der belgische Brauriese Inbev seinen amerikanischen Konkurrenten Anheuser-Busch kaufen und damit zur weltweiten Nummer eins aufsteigen will, hat die Biersparte der Schörghuber-Gruppe ganz andere Probleme. Umsatzrückgänge, schwache Renditen, verlustreiche Beteiligungen, zwei gefeuerte Holding-Chefs, Überkapazitäten und Zank wegen der strategischen Ausrichtung der Gruppe belasten die Brau Holding International (BHI), an der Schörghuber 50,1 Prozent hält; der Rest gehört dem niederländischen Bierkonzern Heineken.

Sicher: Für einige Probleme können die Münchner nichts. Seit 15 Jahren sinkt der Bierdurst der Deutschen. Und nach Ansicht von Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer wird der Absatz in diesem Jahr so stark schrumpfen wie nie in der Nachkriegszeit – um vier Prozent, nicht zuletzt wegen des Rauchverbots in der Gastronomie.

Starker Tobak für die Brau Holding, einem Zusammenschluss süddeutscher Biermarken zum drittgrößten deutschen Brauimperium hinter Radeberger und Inbev (Beck’s). Schörghubers Braugeschäft ist mit einem Umsatz von knapp 700 Millionen Euro seine zweitgrößte Konzerndivision. Zu ihr gehören die Minderheitsbeteiligung an der saarländischen Karlsberg Brauerei sowie die Gruppen Kulmbacher, Fürstenberg und Paulaner. Ein buntes Allerlei von Marken und Untermarken, vom Biermischgetränk Mixery bis zum Traditionsgebräu Hopf, von Hacker-Pschorr und Auer Bräu bis Schmucker, Fürstenberg und Sternquell. Schörghubers einstiger Aufpasser Salewski hatte es als Chef von Schörghubers Biersparte zusammengekauft. Nun geht es dort hoch her; in Teilen der Gruppe ist ein regelrechter Vernichtungskrieg im Gang.

Beispiel Kulmbacher: Ende Mai verwehrte das Management von Schörghubers Brau Holding allen Vorständen der Kulmbacher-Brauerei öffentlich die Entlastung und feuerte zwei von ihnen wenige Tage später. Eine solche Demontage vor aller Augen auf der Hauptversammlung kommt kaum je vor. Die Konzernleitung warf den Kulmbachern unter anderem fehlende Strategien und hohe Sonderabschreibungen vor. Selbst wenn die Vorwürfe stimmen – an anderer Stelle ist die wirtschaftliche Lage in Schörghubers Brauereiimperium eigentlich viel dramatischer: bei der Minderheitsbeteiligung Karlsberg im Saarland.

Irrwitzige 120 Millionen Euro hatten die Joint-Venture-Partner Schörghuber und Heineken 2003 für ein 45-Prozent-Paket an der Brauerei bezahlt. Eine Beteiligung mit zweifelhaftem, ja fast schon zerstörerischem Wert, die sich nach Darstellung der Münchner allerdings erst hinterher als Sanierungsfall entpuppte. Das Abschreibungsvolumen dürfte mittlerweile bei 100 Millionen Euro liegen.

Nicht nur buchhalterisch ist Karlsberg ein Fiasko. Auch operativ steht die Brauerei mit dem Rücken zur Wand. „Dick zweistellig“ werde der Verlust 2008 aufgrund von Absatzproblemen und hoher Kosten ausfallen, heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens.

Damit nicht genug: Laut Vertrag muss die Brau Holding spätestens 2010 weitere 15 Prozent an Karlsberg übernehmen – für 48 Millionen Euro. Diese Summe will Hoh auf keinen Fall für die Brauerei in Homburg berappen, für die einem Manager aus dem Schörghuber-Umfeld nur das Attribut „grottig“ einfällt.

Karlsberg-Chef Richard Weber hält dagegen. „Seit Beginn der Beteiligung haben wir im Durchschnitt sechs Millionen Euro Gewinn abgeliefert. Es ist mir daher unverständlich, warum die fest vereinbarte Vertragssumme nicht bezahlt werden soll.“ Aber Hoh sucht Wege, um sich der Verpflichtung zu entziehen.

Seinen Juristen-Tross um Chefsyndikus Rainer Götz hat der Schörghuber-Vize schon von der Leine gelassen und überzieht die Saarländer mit Klagen. Sieben Schiedsgerichts- und ordentliche Gerichtsverfahren habe Weber mittlerweile an der Backe, heißt es im BHI-Umfeld. Es dürften noch mehr werden. Dabei geht es um Bilanzierungsfehler und die Abberufung Webers als Karlsberg-Chef. „Wir haben den Jahresabschluss 2006 einer Sonderprüfung unterzogen. Wie die Ergebnisse zu interpretieren sind, ist zwischen den Gesellschaftern strittig“, sagt Hoh.

Während sie ihren Viel-Fronten-Krieg führt, kämpfen die Manager der BHI gleichzeitig mit den Folgen des Gemetzels in der eigenen Führungsspitze. 2006 ging Salewski, im Herbst 2007 musste sein Nachfolger Hoepfner über Nacht seinen Posten räumen. Bis heute, heißt es aus seinem Umfeld, befassen sich Anwälte mit den Abfindungsmodalitäten.

Die Chancen des 2001 euphorisch gestarteten Joint Ventures mit Heineken schwinden auf diese Weise. Die selbst ernannten Angreifer auf dem deutschen Biermarkt sind vor allem mit sich selbst beschäftigt. „Auch nach Jahren fehlt bei der Brau Holding eine klare Strategie in der Biersparte. Mit jedem Managerwechsel und mit jedem Streit in der Gruppe kommt alles wieder ins Stocken“, kritisiert ein Brauereimanager. Richtig rund läuft es nur bei der Marke Paulaner, die nach wie vor der Wachstumstreiber der Gruppe ist. Schon brauen sich in süddeutschen Sudhäusern Gerüchte um einen Ausstieg Schörghubers aus dem Biergeschäft zusammen – die freilich von der Konzernzentrale dementiert werden.

Stefan Schörghuber kämpft. Und zwar in den eigenen Reihen. Richtig abschalten vom täglichen Streit kann er, wenn er sich mit seinen Oldtimern befasst. Inzwischen ist die Flotte so riesig, dass ein Teil davon ständig in den Foyers und Veranstaltungsbereichen der Schörghuber-Hotels abgestellt wird. Vor der Kantine der Konzernzentrale steht dekorativ ein fast 50 Jahre alter Lloyd Arabella.

Doch vielleicht ist nicht einmal das die Welt, in der sich der Sohn des großen Josef Schörghuber wirklich wohl fühlt. In Wackersberg bei Bad Tölz gehört der Familie ein Bauern- und Pferdehof. Stefan Schörghubers Frau Alexandra soll mal gesagt haben: „Glücklich ist Stefan nur, wenn er da auf dem Traktor sitzt.“

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