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Deutsche Bahn Dumping-Vorwürfe nach verschobenem Bahn-Börsengang

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Zum Dumpingvorwurf erklärt die Bahn, sie gebe „grundsätzlich keine Angebote ab, die Verluste erwirtschaften“. Die Rückstellungen resultierten aus „ Energiepreissteigerungen und hohen Lohnabschlüssen“.

Sacks „bilanzpolitische Maßnahmen“ (PricewaterhouseCoopers) gelten der wichtigsten Sparte des Staatsriesen: dem Schienenpersonenregionalverkehr, den die Bundesländer mithilfe milliardenschwerer Zuwendungen aus Berlin bei der Bahn und ihren Wettbewerbern bestellen. Das rund 6,8 Milliarden Euro schwere Geschäftsfeld garantiert der Bahn dank alter lukrativer Verkehrsverträge bis heute Spitzengewinne. Die frühere US-Investmentbank Morgan Stanley hatte die Sparte 2004 sogar als Kern eines Börsengangs bezeichnet.

Doch die Bundesländer haben seitdem immer mehr Regional- und S-Bahnen im Wettbewerb ausgeschrieben und die Preise gedrückt. So darf die Bahn die Strecke München–Passau nur weiterbefahren, weil sie laut Branchenkennern nur 0,75 Euro pro Kilometer erhält, weniger als ein Zehntel der bisherigen Einnahmen. Gemessen an Sacks Rückstellungen schätzen Experten den durchschnittlichen Verlust durch solche und ähnliche Aufträge auf 40 bis 50 Cent für jeden einzelnen Kilometer. Die Bahn wollte sich dazu nicht äußern.

Mit seiner Bilanzpolitik steckt Sack in einer Zwickmühle. Denn hätte er die Verluste durch unauskömmliche Neuaufträge bis 2023 nicht 2007 verbucht, wäre der Gewinn dank der lukrativen Altverträge nicht bei 451 Millionen Euro, sondern rund 751 Millionen Euro (vor Zinsen und Steuern) gelandet. Mit einer Super-Marge von rund 11,5 Prozent hätte Sack dann erst recht den Verdacht der EU-Kommission geschürt, die öffentliche Hand subventioniere die Bahn durch Aufträge wie in Brandenburg.

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