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Deutsche Bahn ICE und Intercitys sollen hohe Gewinne bringen

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Hoffnung ICE

Doch daraus dicke Gewinne zu schlagen dürfte sich für Grube und Homburg als schwer lösbares Dilemma erweisen. Denn so sehr sie sich auf das letzte ihnen verbliebene Geschäftsfeld mit wenig Wettbewerb stürzen, so anstrengend dürfte es für sie werden, daraus Vorteile zu ziehen. Dazu ist das Monopol im Fernverkehr zu mürbe, laufen die Geschäfte trotz fehlender Konkurrenz zu schlecht. Die Auslastung der Züge dümpelte 2010 bei mageren 45 Prozent. Bis 2015, so Grubes Vorgaben, soll Homburg die Quote auf 48 Prozent steigen. Selbst dann bliebe aber noch immer jeder zweite Sitzplatz frei. Zum Vergleich: Der Konkurrenzzug der französischen Staatsbahn SNCF, der TGV, erreicht eine Auslastung von mehr als 75 Prozent.

Zusätzliche Fahrgäste erhofft sich Homburg vor allem durch mehr internationale Verbindungen. Die Deutsche Bahn will Frankfurt und Brüssel sowie Berlin und Warschau von 2012 an vier statt drei Mal pro Tag verbinden. Mit der Schweizer Bahn SBB will Homburg die Takte zu den Eidgenossen verbessern. Potenzial sieht er auch bei Fahrten durch Österreich über den Brenner nach Italien. 2012 will die Deutsche Bahn zudem in Partnerschaft mit der französischen SNCF von Frankfurt direkt ans Mittelmeer fahren. Zudem soll von 2013 an in Eigenregie London angefahren werden.

Neue Business-Bahncard

Um den Umsatz und die Wirtschaftlichkeit zu steigern, forciert Homburg laut Mittelfristplanung einen Mix aus neuen Anreizen zum Bahnfahren und Rationalisierung. Reisende sollen mehr Fahrkarten über das Internet, am Automaten oder via Smartphone kaufen. Sparpreise soll es künftig auch auf internationalen Strecken geben. Das im September 2005 eingeführte Bonus-System für Vielreisende soll ausgebaut werden, geplant ist ein „Premium-Status für ausgewählte Kunden oberhalb des Bahn.comfort-Status“. Das heißt, wer besonders viel fährt, soll neben dem heute üblichen Zugang zur Lounge an den Bahnhöfen und zu reservierten Sitzen in Fernzügen weitere Vorteile erlangen. Welche, das steht noch nicht fest. Zudem gibt es Überlegungen, eine BahnCard Business einzuführen. Auch hier tüfteln die Fachleute noch an den Details.

Ob dies alles den erhofften Erfolg bringt, hängt davon ab, wie schnell die Bahn ihre von Achsenproblemen gepeinigte ICE-Flotte auf Vordermann bringt. Die ge-planten Maßnahmen vergrößern die ein-setzbare Fahrzeugflotte aber nicht sofort, -sondern teilweise erst in ein paar Jahren. Fünf Beispiele: 

Als Sofortmaßnahme saniert die Bahn für 165 Millionen Euro einige der veralteten Intercitys komplett. Die Züge haben teilweise 40 Betriebsjahre auf dem Buckel. Die kernsanierten Reisewagen sollen heute die Flotte zuverlässiger machen und in Zukunft die Reserve erhöhen. Die Sanierung soll jedoch erst bis Ende 2013 abgeschlossen sein.Seit Februar dieses Jahres arbeiten rund 500 Beschäftigte an der Totalsanierung der 44 ICE-2-Züge, die seit 1995 etwa auf Strecken wie Köln–Berlin im Dienst stehen. Neue Tische, Sitze, Teppiche und Monitore für rund 100 Millionen Euro sollen die veraltete Optik ablösen, etwa das mintgrüne Velours in den Großraumabteilen. Steckdosen gibt es dann an jedem Platz, und die Kaffeemaschinen brühen auch Cappuccino und Espresso. Der erste renovierte ICE kommt Mitte 2011, der letzte soll Mitte 2013 fertig sein.Als Notfallmaßnahme ersetzt die Bahn ihre Intercitys durch Fahrzeuge, die technisch einen Kompromiss zwischen ICEs und flotten Nahverkehrszügen darstellen. Zu diesem Zweck sollen 27 doppelstöckige Reisezüge von 2014 an die angeschlagene Intercity-Flotte verstärken. Die Fahrzeuge basieren auf den Doppelstockwagen im Nahverkehr und kommen von Bombardier. Die Bahn lässt sich die neuen Züge 360 Millionen Euro kosten. Das Innenleben soll dem ICE-Standard ähneln – mit mobiler Verpflegung statt Bordrestaurant. Allerdings schaffen die Züge nur 160 Kilometer pro Stunde.Schnellere Entlastung dürften die 15 ICE-M-Züge bringen, die eigentlich für den Einsatz im Ausland gedacht waren. Sie sollen bis Mitte 2012 auf die Gleise kommen und nun „ erst mal überwiegend im Inland zum Einsatz“ kommen, sagt Homburg.Der große Befreiungsschlag mit Zügen der neuen ICE-Generation ist für einen Zeitraum vorgesehen, der deutlich jenseits der Bahn-internen Mittelfristplanung liegt. Noch immer verhandeln die Unterhändler des Staatsriesen mit Ver-tretern von Siemens über den Preis der Fahrzeuge. Nach ursprünglich 300 Zügen will die Deutsche Bahn inzwischen nur noch 220 Exemplare anschaffen. Aus Verhandlungskreisen verlautet, eine Einigung stehe kurz bevor. Der Preis der Gesamtbestellung liege zwischen vier und fünf Milliarden Euro. Der erste Zug dürfte frühestens 2016 starten.

Offenbar klingt die Umsatz- und Gewinnplanung, die auf solchen Unwägbarkeiten beruht, selbst für Grube und Homburg fast zu schön, um wahr zu werden. Um ihre Eigentümer, die deutschen Steuerzahler, und ihre Vertreter im Aufsichtsrat vorzuwarnen, ließen die beiden deshalb in die Mittelfristplanung ausdrücklich hineinschreiben: Die unterstellte Umsatzentwicklung sei „ambitioniert“, die Annahmen bei Margen und Erlöse „risikobehaftet“.

So fahren zum Beispiel von September an Intercity-Züge des neuen Bahn-Konkurrenten Locomore von Hamburg nach Köln. Daneben will die Bundesregierung den Linienverkehr mit Fernbussen liberalisieren – auch das stärkt die Konkurrenz der ICEs und Intercitys.

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