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Deutsche Bahn Zugtickets aufs Handy

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Satellitengesteuerter Ticketkauf bei der Bahn

Durch Nutzung der GPS-Technik wird der Staatsriese zum internationalen Vorreiter beim elektronischen Eisenbahnticket. Im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien, Niederlande oder den USA, wo Reisende sich per Chip an Einlassschranken an- und abmelden, fehlen in Deutschland solche Barrieren. Auch auf den Nahverkehr lässt sich das System übertragen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) machen bereits mit und profitieren von einer zusätzlichen Funktion. Sollte die GPS-Ortung ausfallen, können Reisende den Barcode auf der blauen Touch&Travel-Tafel mit der eingebauten Handykamera fotografieren. Das System erkennt dann den Bahnhof. Die Reisenden können Kurzfahrt- oder Einzeltickets erwerben. Summieren sich die einzelnen Fahrten zu einem Preis, bei dem ein Tagesticket günstiger wäre, berechnet das System automatisch das Tagesticket.

"Der Komfortgewinn für die Kunden ist gewaltig", lobt Carsten Sommer, Nahverkehrsexperte an der Universität Kassel. Hinzu kämen ganz neue Möglichkeiten für die Verkehrsunternehmen: "Durch das elektronische Ticket ist es etwa möglich, Fahrgästen an ihrem Geburtstag Rabatt zu gewähren", sagt Sommer. Zudem seien Funktionen wie die Ausleihe von Fahrrädern und Autos denkbar. "Ich bin mir sicher, dass Zufriedenheit und Fahrgastzahlen dadurch steigen werden", so Sommer.

Alternatives Handyticket

Die neue Technik hat allerdings auch ihre Nachteile. Mithilfe des GPS-Systems erfasst und speichert die Bahn Bewegungsprofile und Mobilfunkdaten der Reisenden und speichert diese sechs Monate – das mag nicht jeder. Sonderangebote und das inkludierte Nahverkehrsticket bei Hin- und Rückfahrtickets sind nicht buchbar. Zudem müssen sich Fahrgäste, die vergessen haben, sich auszuchecken, telefonisch abmelden. Daran werden sie spätestens nach vier Stunden von ihrem Smartphone erinnert. Bahn-Managerin Wirth sieht darin aber keine Hürden: "Im Test hat sich gezeigt, dass die Nutzer eine Routine entwickeln und das Abmelden kaum noch vergessen."

Auch die Frage, ob sich das Bahn-System im Nahverkehr deutschlandweit durchsetzt, ist noch offen. Städte wie Hamburg, Dresden, Bielefeld und Freiburg sowie die Verkehrsverbunde Rhein-Ruhr (VRR) und Rhein-Sieg (VRS), in denen die Städte Düsseldorf und Köln liegen, setzen derzeit erfolgreich auf ein alternatives Handyticket. Die Fahrgäste dort haben im ersten Quartal 2011 bereits 340 000 Tickets über ihr Mobiltelefon gekauft. Allerdings müssen sich die Kunden vor Fahrtantritt für eine Fahrkarte entscheiden, nachträgliche Preiskorrekturen sind nicht möglich.

Noch lassen sich Privat- und Geschäftsreisen nicht voneinander trennen. Die Deutsche Bahn will das in Zukunft ändern. Nahverkehrsexperte Sommer ist überzeugt: "Wenn die Deutsche Bahn Verkehrsverbunde und andere Verkehrsunternehmen von ihrem System überzeugen kann, wird sich das durchsetzen."

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