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Deutsche Bank Ackermanns unerledigte Baustellen

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Der Aufsichtsratsvorsitzende Quelle: dapd

Privatkundengeschäft. Um die Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft zu reduzieren, hat Ackermann in den vergangenen Jahren die „stabilen Bereiche“ der Bank gestärkt. Sie sollen mittelfristig etwa die Hälfte der Erträge beisteuern. Seit 2006 hat die Bank dafür mehr als acht Milliarden Euro in Zukäufe wie Norisbank, Berliner Bank, Sal. Oppenheim, Teile von ABN Amro und vor allem die Postbank investiert.

Die Integration schreitet voran: Für die mit Sal. Oppenheim übernommene BHF-Bank ist mit einem möglichen Verkauf an den Finanzinvestor RHJ eine Lösung in Sicht. Mit den Gewerkschaften verhandelt die Bank die Bedingungen der Postbank-Integration. Ergebnisse sollen, wie es in Kreisen der Bank heißt, im August feststehen. Mittelfristig geht es bei allen Akquisitionen vor allem darum, die sehr unterschiedlichen Unternehmenskulturen unter einem Dach zu vereinen. Ob sich die Käufe gelohnt haben, ob es nur darum ging, Zugriff auf die Kundeneinlagen zu bekommen, oder ob sich auf dem schwierigen deutschen Privatkundenmarkt auch überzeugende Ergebnisse erzielen lassen – das werden erst die Jahre nach Ackermann zeigen.

Neuer Risikopuffer

Asien. Dass Deutschland kein großer Wachstumsmarkt für Finanzdienstleistungen ist, hat auch Ackermann erkannt. Deshalb haben er und andere Top-Manager der Bank Asien zur künftigen Zielregion erklärt. Bisher ist die Deutsche Bank hier anders als Wettbewerber wie Standard Chartered und HSBC nur schwach vertreten. Die neue Spitze muss eine Strategie finden, um das Wachstum voranzutreiben. Zumindest kennen die beiden favorisierten Kandidaten den Markt bestens – Jain von Geburt an, Fitschen als ehemaliger Asien-Chef.

Eigenkapital. Vor allem angelsächsische Analysten kritisieren seit Jahren die aus ihrer Sicht zu magere Kapitalausstattung. In den vergangenen Jahren hat das Institut seine Basis zwar gestärkt, dennoch zählt es immer noch zu den schwächsten unter den weltweiten Großbanken: Die Kapitalquote der Deutschen Bank lag zuletzt bei gut neun Prozent, viele Wettbewerber kommen auf zweistellige Werte.

Da die Deutsche Bank von Aufsehern zu den weltweit wichtigsten Instituten gezählt wird, benötigt sie künftig besonders viel Kapital als Risikopuffer. In Finanzkreisen heißt es deshalb immer wieder, dass die Deutsche Bank in absehbarer Zeit erneut eine Kapitalerhöhung brauche. Ackermann und sein Finanzvorstand Stefan Krause haben das ausgeschlossen.

Altlasten. Einige Frankfurter Banker vermuten, dass Ackermann sich auch deshalb so in der Nachfolgedebatte engagiert, weil er verdeckte Probleme kaschieren und sein ruhmreiches Andenken bewahren will. In der Bilanz der Deutschen Bank fanden sich zuletzt noch von Analysten als Altlasten klassifizierte Vermögenswerte wie zum Beispiel strukturierte Kreditpapiere in Höhe von 90 Milliarden Euro. Bei einem Gespräch mit Analysten erklärte Ackermann im Mai, dass selbst ein der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 vergleichbares Ereignis bei diesen Papieren nur einen Verlust von maximal einer Milliarde Euro bedeuten würde. Das hat einige Skeptiker beruhigt.

Der nun vor allem von Börsig favorisierte Personalkompromiss ist eine Notlösung und das Eingeständnis, dass kein Vorstand alleine Ackermann ersetzen kann. Die jetzt gehandelte Konstellation hätte man schon 2009 haben können. Damals wäre Fitschen noch nicht so offensichtlich ein Chef auf Zeit gewesen wie heute. So wird er sich vom ersten Tag an fragen lassen müssen, was nach ihm kommt. Die Nachfolgedebatte wird weitergehen.

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