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Deutsche Bank Angst vor dem Schattenchef Ackermann

Mit 10 Milliarden Euro Jahresgewinn will Josef Ackermann als weltbester Banker in die Geschichte eingehen, bevor er an die Spitze des Kontrollgremiums wechselt. Aber hat er auch das Zeug zum weltbesten Aufsichtsrat – oder wird er nur aus dem Hintergrund Chef spielen?

Deutsche-Bank-Chef Josef Quelle: REUTERS

Kurz vor Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2011 hat die Deutsche Bank endlich Klarheit in der Führungsfrage geschaffen: Aufsichtsratschef Clemens Börsig macht Platz für Josef Ackermann, der von der Vorstandsspitze direkt auf die Position des obersten Kontrolleurs wechseln soll. Als Ackermanns Erben stehen jetzt der Investmentbanker Anshu Jain und Deutschlandchef Jürgen Fitschen fest.

Die Geschäftszahlen für das 2. Quartal 2011 zeigen, wie volatil die Ergebnisbeiträge der Investmentbanker unter Leitung von Jain ausfallen. Dessen Geschäfte mit Devisen, Rohstoffen und Aktien erzielten von April bis Juni wesentlich niedrigere Umsätze, da sich Anleger aufgrund der zugespitzten Schuldenkrise deutlich zurückhielten.

Postbank erfüllt die Erwartungen

Die Bank konnte dies mit steigenden Erträgen aus dem Privatkundengeschäft ausgleichen. Der Kauf der Postbank Ende 2010 erweist sich damit als kluger Schachzug, denn die Deutsche-Bank-Tochter erfüllt die Erwartungen, mit ihrem dichten Filialnetz und dem stabilen Kundenstamm ein Gegengewicht zu den schwankenden Ergebnissen riskanterer Sparten aufzubauen. "Die Maßnahmen, die wir zur Neuausrichtung und besseren Ausbalancierung unseres Geschäfts ergriffen haben, zahlen sich aus", sagte Ackermann.

Finanzierung der Krisenländer drastisch reduziert

Die Investitionen seiner Bank in Staatsanleihen hat der Vorstandsvorsitzende, der in diesen Tagen große Auftritte als Politikberater bei der Euro-Rettung feierte, drastisch zurückgefahren. Die Finanzierung der Krisenländer Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien wurde laut Nachrichtenagentur dpa um 70 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro reduziert.

Mit 1,2 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern blieb Deutschlands größte Bank trotz einem Plus von 67 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr unter den Erwartungen der Analysten. Doch im gesamten ersten Halbjahr hat das Institut 5,5 Milliarden Euro verdient, so dass Ackermann sein ehrgeiziges Gewinnziel von 10 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2011 fest im Blick behalten kann.

Mit dem höchsten Gewinn der Firmengeschichte im Rücken will der Deutsche-Bank-Chef nach der Hauptversammlung im Mai 2012 an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln. Doch passt er mit seinem charismatischen und machtbewussten Charakter in die Stellenbeschreibung eines umsichtigen und unvoreingenommenen Kontrolleurs? Die Angst vor einem allmächtigen Aufsichtsrat, der seine Agenda aus Cheftagen weiter verfolgt, ist nicht ganz unberechtigt.

Dominanter Ackermann muss der Doppelspitze Vorrang gewähren

Der Ruf der Deutschen Bank könnte darunter leiden, wenn Ackermann versucht, vom Aufsichtsratssessel aus den Schattenchef zu spielen. Als oberster Kontrolleur darf der Schweizer Erfolgsbanker keinesfalls seine alten Pläne zur Priorität erheben. Er muss stattdessen den Nachfolgern Jain und Fitschen freie Hand lassen und darf dabei keinen von ihnen bevorzugen.

Seine Popularität und Vernetzung im internationalen Business und der Politik kann er zudem nicht mehr wie zuvor auf großer öffentlicher Bühne ausleben. Der dominante Ackermann muss mühsam lernen, hinter der neuen Doppelspitze in den Hintergrund zu treten. Intellektuell ist das Ausnahmetalent zweifellos in der Lage, seine neue Rolle auszufüllen. Den schwierigen aber notwendigen Wandel des persönlichen Führungsstils muss Ackermann aber erst noch hinkriegen.

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