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Deutsche Bank Zwist im Männerclub

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Anshu Jain hat es an die Quelle: REUTERS

Die künftige Führung der Bank wird auch dadurch erschwert, dass zwar alle prominenten Beteiligten scheinbar als Gewinner aus dem Konflikt hervorgegangen sind. Doch die Darsteller dieses Schauspiels haben zugleich – derzeit heruntergespielte – Blessuren davongetragen:

Josef Ackermann steht als Überraschungssieger da. Für den Machtmenschen muss an der Aufsichtsratsspitze mit Clemens Börsig just der Mann weichen, der Ackermanns Wunschnachfolger als Vorstandschef, Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber, zu lange zappeln ließ. Doch muss Ackermann nun mit einer Doppelspitze im Vorstand kooperieren, die er so nicht gewollt hat: Insider berichten, er habe Jain nicht als Nachfolger gewünscht, um das Gewicht des Gewinne scheffelnden, aber riskanten Investmentbankings nicht noch weiter zu stärken. Und Fitschen sei ihm als Repräsentant des stabileren, jedoch weniger profitablen Deutschlandgeschäfts mit 62 Jahren zu alt, um ein machtvolles Gegengewicht für Jain zu bilden.

Sieger und Verlierer

Clemens Börsig konnte sich bei der Inthronisierung von Ackermanns Erben mit seinen Favoriten durchsetzen, muss aber die Aufsichtsratsspitze gegen ein Pöstchen im Beratergremium der deutschen Bank eintauschen. Er dürfte von 2012 an keine wichtige Rolle mehr spielen.

Anshu Jain hat sein Ziel erreicht, an die Spitze des wichtigsten deutschen Geldinstituts vorzurücken – einer von vielen Indern, die weltweit die Top-Etagen der Unternehmen erobern. Dafür muss er die Kröte schlucken, dass ihm der Aufsichtsrat den Posten aus Sorge um die politische Landschaftspflege in Deutschland nicht allein zugetraut hat.

Jürgen Fitschen erntet als Jains Co-Chef die Früchte einer langjährigen Karriere in der Deutschen Bank. Doch der Aufsichtsrat hat Fitschens Vertrag nur um drei Jahre verlängert. Das erschwert es, eigene Akzente zu setzen und Jain Paroli zu bieten.

Rainer Neske rückte zwar noch nicht ganz an die Spitze, was Ackermann befürwortet haben soll. Der Leiter des weltweiten Privat- und Geschäftskundenbereichs gilt aber bereits als Fitschens Nachfolger – sein Vorstandsvertrag wurde bereits um fünf Jahre verlängert.

Angesichts dieser Gemengelage wird die neue Führung einen schwierigen Start haben. „Die Deutsche Bank steht jetzt vor einer Übergangsphase“, sagt Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. „Es gibt im Haus eine gewisse Tradition der Doppelspitze, doch muss das neue Führungsduo seine eigene Balance finden – gerade auch, um aus dem Schatten von Ackermann zu treten.“

Das wird nicht leicht: Denn obwohl die exakte künftige Aufgabenteilung der beiden Co-Chefs noch nicht feststeht, zeichnet sich jetzt schon ab, dass keine Waffengleichheit herrschen wird. Das von Jain verantwortete Geschäft soll 2011 drei Viertel zum operativen Gewinn der Bank beitragen. Es ist daher zweifelhaft, ob er seinen Kollegen Fitschen bei wichtigen Entscheidungen für voll nehmen wird. „Wer zahlt, schafft an“, das gelte auch in der Deutschen Bank, erzählt ein ehemaliger Mitarbeiter. Doppelspitzen bei Unternehmen hätten in der Praxis häufig Führungsprobleme zur Folge, sagt Dieter Hein vom unabhängigen Analystenhaus Fairesearch in Frankfurt. „Es ist für die Deutsche Bank eine gute, aber keine optimale Lösung.“

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