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Deutsche Bank Zwist im Männerclub

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Eine kleine Gesetzeslücke Quelle: dpa

Wenn ein Vorstand nun nahtlos zum Chefkontrolleur seines Unternehmens wird, birgt das die Gefahr, dass der neue Vorstand heiße Eisen nicht anpackt und sich mit Strategiewechseln schwertut. Der Neuling wird sich nicht mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden anlegen wollen, weil der über seine Vertragsverlängerung entscheidet. Tödtmann fordert deshalb: „Die Politiker müssen für Publikumsgesellschaften die Ausnahmeregelung streichen und so das Schlupfloch schließen, mit dem sich die Deutsche Bank über die Corporate Governance hinwegsetzt.“

Tatsächlich zeigt sich jetzt, dass der Gesetzgeber bei seinem Versuch, eine klare Trennlinie zwischen Unternehmensleitung und Kontrolle zu ziehen, einem faulen Kompromiss aufgesessen ist. Nur damit Familienunternehmer mit börsennotierten Gesellschaften nahtlos vom Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln können, schuf er eine Ausnahme von der Regel: Die Karenzzeit gilt nicht, wenn die Wahl des Aufsichtsrats auf der Hauptversammlung auf Vorschlag von Aktionären erfolgt, die mehr als 25 Prozent der Stimmrechte halten. Das nutzt Ackermann.

Kodex 16 mal ignoriert

„Dass die Deutsche Bank diese Ausnahme nun einfach zur Regel erklärt, bedeutet nichts anderes, als dass Ackermann das Gesetz verbiegt und missbraucht“, sagt Aufsichtsratsfachmann Theisen. „Es scheint ihm völlig egal zu sein, dass dabei massiv der Glaube an die Unabhängigkeit der Bankenkontrolle beschädigt wird.“

Dass es ohne gesetzliche Vorschrift nicht geht, zeigt die Statistik: Schon seit 2002 empfiehlt der freiwillige Corporate Governance Kodex börsennotierten Unternehmen die Karenzzeit für Vorstandschefs. Aber 16 Vorstandschefs der 30 -größten börsennotierten Konzerne in Deutschland ignorierten beherzt die Kodex-Empfehlung und wechselten direkt ins Kontrollorgan.

Wolfgang Bosbach (CDU), Leiter des Innenausschusses des Bundestags, bedauert, dass „die Intention des Gesetzgebers bewusst umgangen wird“, fände es aber „gut, wenn die Publikumsgesellschaften aus eigener Überzeugung zu einer einheitlichen Linie kämen, die den Absichten des Gesetzgebers entspricht“. Laut Anwalt Tödtmann sei es aber zu spät, den Ball an die Unternehmen zurückzuspielen: „Man darf nicht die Frösche fragen, wenn man den Sumpf trockenlegen will.“

Vorbild Puma?

Branchenkenner fragen sich bereits, wann die Deutsche Bank zur Europäischen Aktiengesellschaft (Societas Europaea) umfirmiert. „Das wäre konsequent und ehrlich“, sagt Tödtmann. „Mit der Europäischen Aktiengesellschaft gibt es auch in Deutschland die Möglichkeit, mit einem Verwaltungsratspräsidenten Leitung und Kontrolle in Personalunion zu verbinden.“

Den direkten Sprung vom Vorstandsvorsitzenden zum Chef-Kontrolleur vollzog gerade erst Jochen Zeitz, Kopf des MDax-Wertes Puma. Seit Kurzem firmiert der Sportartikelkonzern als SE. Eine Diskussion über eine Abkühlungsphase gab es nicht: Der französische Luxusgüterkonzern PPR (Gucci, Bottega Veneta) ist mit knapp 72 Prozent Mehrheitsaktionär bei Puma und hat großes Interesse daran, Zeitz an sich zu binden. Der führt von Paris aus eine neue PPR-Sport-Lifestyle-Sparte, die er rund um Puma aufbaut. Zugleich wird Zeitz dem neuen Chef-Puma Franz Koch, an dessen Aufstieg er maßgeblich beteiligt war, mit Argusaugen auf die Krallen schauen.

Von Loslassen kann bei Puma also keine Rede sein. Ackermann dagegen probt es zumindest schon mal verbal. Als der Vorstandschef nach der Präsentation der Quartalszahlen vergangene Woche vor seine versammelten Führungskräfte trat, erntete er positives Echo für seine Bereitschaft, in den Aufsichtsrat zu wechseln. Dann ging die Runde zu anderen Themen über. Welche Akquisitionen geplant seien, wollten die Manager etwa wissen. Ackermanns Antwort: „Darüber reden Sie am besten mit meinen Nachfolgern.“  

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