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Deutsche Post Zumwinkels Kronprinz

Sanierung schwacher Bereiche, Verkauf der Postbank, eine neue Unternehmensstrategie – was wird aus der Deutschen Post?

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Frank Appel, im Vorstand der Quelle: dpa

Als Beamte die Zentrale der Deutschen Post in Bonn und das Privathaus des Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel nach Beweisen für eine mögliche Steuerhinterziehung durchsuchten, tat die Aktie des Konzerns etwas überraschendes. Ihr Kurs stieg. Das Plus lag in der Spitze bei rund fünf Prozent. Als am späten Nachmittag der Post-Chef auf Kaution freigelassen wurde, schmolz der Gewinn.

So makaber es klingt: Der Kursverlauf spiegelt die Hoffnung auf Veränderungen bei dem Gelben Riesen wider. Denn egal, ob Post-Vorstand Frank Appel seinen Mentor Zumwinkel bereits jetzt oder erst wie geplant im November ablöst – die Aktionäre gehen davon aus, dass er handelt, je früher, desto besser. „Es bleibt vordringlich, Veränderungen und den Unternehmenswert voranzutreiben“, lautet das Fazit einer Studie der Investmentbank Morgan Stanley.

Appels Agenda besteht aus Sanieren, Verkaufen und dem Entwickeln einer neuen Unternehmensstrategie. Am dringendsten ist eine Lösung der Probleme im defizitären US-Geschäft der Expresstochter DHL. Zumwinkels Versuch, ein weltweites Netz für Eilsendungen zu spinnen, bescherte ihm in den USA Verluste und Abschreibungen von gut drei Milliarden Euro. Nun prüft die Post, ob es günstiger wäre, das Beförderungsnetz in Übersee teilweise zu schließen oder mit einem Rivalen zu kooperieren. In beiden Fällen werden gut eine Milliarde Euro Sanierungskosten fällig.

Umgebaut werden müssen auch anderen Sparten. So verdient die Logistik im Vergleich zu Konkurrenten wie Kühne & Nagel noch zu wenig Geld. Hier gilt es, den Transport der Container besser mit den Beförderungsaktivitäten im Express- und im Briefgeschäft zu verzahnen.

Eine Stütze für den Kurs der Aktie gelb ist der geplante Verkauf der Postbank, die der Post nach dem Börsengang des Kreditinstituts noch zu gut der Hälfte gehört. Allerdings liegt der Börsenwert noch zu niedrig. Schuld ist die Skepsis der Anleger im Zuge der Finanzkrise, obwohl die Postbank bislang nicht betroffen ist. Zudem kommt ein Verkaufserlös der Post derzeit ungelegen, denn das Unternehmen steht vor einer Tarifrunde. „Und ein dickes Finanzpolster erschwert harte Verhandlungen“, heißt es in der Morgan-Stanley-Studie.

Appels schwierigste Aufgabe wird die Suche nach einer neuen Ausrichtung des Post-Konzerns. Nachdem Zumwinkel mit milliardenschweren Zukäufe aus der einstigen Behörde den umsatzstärksten Logistiker der Welt gemacht hat, muss sein Nachfolger nun neue Felder erschließen. Denn im profitabelsten Teil, dem Briefdienst in Deutschland, wächst nach dem Fall des gesetzlichen Monopols die Konkurrenz.

Eine neues Wachstumsfeld hat Appel allem Anschein nach noch nicht im Blick. Deshalb steckt er seine Kraft derzeit in bestehende Felder. Wichtigstes Mittel ist eine Offensive für mehr Service namens First Choice, bei der Appel das Gros der knapp 470.000 Mitarbeiter auf mehr Kundennähe trimmen will. Seine Feuerprobe wird er aber erst bestehen müssen, wenn er den Konzernumbau anpackt. Dann wird er nicht umhin kommen, sich mit seinen Vorstandskollegen anzulegen.

„Dabei wird er sich arg strecken müssen“, mutmaßt ein Aufsichtsrat. „Im Gegensatz zu Zumwinkel muss er sich ohne Hausmacht mit starken und deutlich erfahreneren Kollegen herumschlagen, die auch nicht ungern Chef geworden wären.“

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