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Deutsche Telekom Obermann spart kräftig dank Fusion von Festnetz und Mobilfunk

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Obermann steht vor einer Herkules-Aufgabe, die er sich bei seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren noch nicht zugetraut hat. Denn bei der jetzt beschlossenen Fusion von T-Home und T-Mobile prallen zwei Sparten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite der immer noch sehr behäbige und schwer steuerbare Festnetz-Tanker T-Home mit 75 000 meist älteren Angestellten und Beamten, die sich auf über 2000 Betriebsstätten und Niederlassungen verteilen.

Auf der anderen Seite die mit rund 5400 Mitarbeitern sehr junge und agile Mobilfunksparte T-Mobile, die immer noch von der Startup-Mentalität der Gründerjahre geprägt und mit gerade mal 13 Regionalniederlassungen in den Großstädten sehr schlank aufgestellt ist. „Nur wenn es gelingt, den Geist von T-Mobile auf das Festnetzgeschäft zu übertragen, wird die Fusion ein Erfolg“, sagt ein Telekom-Manager.

Vollautomatisches Internet macht Mitarbeiter überflüssig

Beim Umbau wird kein Bereich ausgeklammert:

Beispiel Deutschland-Zentrale: Aus den drei großen Zentralen in Bonn-Bad-Godesberg (T-Home), Bonn-Beuel (T-Mobile) und Darmstadt (Technik, IT und Produktentwicklung) mit insgesamt 17 000 Managern könnte eine deutlich abgespeckte Deutschland-Zentrale für das gesamte Privatkundengeschäft entstehen, die auf Doppelfunktionen verzichtet und mit rund der Hälfte der Führungskräfte auskommt. Bonn bleibt, so Insider, Hauptstandort.

Beispiel Netzbetrieb: Bis 2014 will der Ex-Monopolist nicht nur weite Teile Deutschlands mit Glasfasernetzen durchziehen. Gleichzeitig soll die alte Telefonvermittlung durch nahezu vollautomatische Internet-Techniken ersetzt werden. Rund 7000 der bundesweit 7900 Schaltstellen, im Fachjargon Hauptverteiler genannt, werden dann abgeschaltet. Fast zwei Drittel der 2000 oft nur mit ein oder zwei Mitarbeitern besetzten Stützpunkte ist dadurch überflüssig.

Beispiel Geschäftskundenvertrieb: Allein der für den Mittelstand zuständige Bereich Business Services, der am 1. Januar mit 6300 Mitarbeitern von der IT-Sparte T-Systems zur Festnetzsparte T-Home verschoben wurde, ist auf über 30 Standorte in Deutschland verteilt. Interne Planungen sehen vor, diese Zahl zu halbieren und sich auf die wichtigsten Ballungszentren zu konzentrieren.

Obermann folgt damit einem Muster, das sich bereits bei der vor zwei Jahren ausgelagerten Servicegesellschaft bewährt hat. Gegen den Widerstand der Gewerkschaft Verdi setzte er durch, dass zwei Drittel der 75 überall im Land verstreuten Callcenter geschlossen und 8000 Arbeitsplätze an andere Standorte verlagert werden. An nur noch 33 hochmodernen Call-center-Standorten sind künftig alle 15 000 Service-Mitarbeiter konzentriert und können dadurch effizienter und schneller Anfragen und Beschwerden der Kunden bearbeiten.

Einen Schritt weiter ist bereits der größte Telekom-Konkurrent Vodafone. Nach der Komplettübernahme der Festnetz-Tochter Arcor will Vodafones Deutschland-Chef Friedrich Joussen das gesamte hiesige Geschäft mit 15 000 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von zehn Milliarden Euro über acht Regionalniederlassungen und eine Handvoll Außenstellen steuern. In Düsseldorf, Berlin, Eschborn, Stuttgart und München rücken die bisher getrennt betriebenen Bereiche Privatkunden, Geschäftskunden und Technik schon in einem Gebäude zusammen und berichten an nur noch einen Vorgesetzten.

Das hat Telekom-Chef Obermann bisher nur auf der CeBIT geschafft.

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