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Deutsche Telekom Prüfbericht zur Telekom-Spitzelaffäre enthüllt brisante Details

René Obermann, der Chef der Deutschen Telekom, profiliert sich als Aufräumer in der Spitzelaffäre. Tatsächlich wusste die Konzernspitze aber viel früher viel mehr, als sie bisher zugegeben hat. Das legen Dokumente und ein streng vertraulicher Prüfbericht nahe, der erstmals die Rekonstruktion der Ereignisse seit Obermanns Antritt erlaubt.

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Der Vorstandsvorsitzende der Quelle: dpa

Das also ist Phylax, der streng geheime Spitzelbericht der Deutschen Telekom: 516 eng bedruckte Seiten mit weit mehr als 100 internen Dokumenten, schick in Leinen gebunden. Jeder Empfänger wurde durch einen Aufsichtsratsbeschluss dazu verdonnert, sein Exemplar nicht aus der Hand zu geben – weder Seiten noch das gesamte Werk. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass jeder Bericht versteckte Hinweise auf den Eigentümer enthält: unscheinbare Markierungen, verdrehte Zahlen, falsche Interpunktion – wer weiß, was alles noch.

Phylax ist das altgriechische Wort für Schutz, das sich die Kölner Kanzlei Oppenhoff & Partner für ihren Bericht an den Vorstand und den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom einfallen ließ. Doch die Drohungen an die Adresse der 30 Empfänger schreckten den WirtschaftsWoche-Informanten nicht. Er will mithelfen, das gesamte Ausmaß der Spitzelaffäre bekannt zu machen – und dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Denn immer noch werden die Opfer großenteils im Unklaren darüber gelassen, was wirklich geschah, beteuern die Hauptverantwortlichen unablässig, nicht geahnt zu haben, wie viele illegalen Aktivitäten sie mit ihren Anordnungen losgetreten hätten.

Verschworene Truppe bei der Telekom

Unstrittig ist – das zeigt die Auswertung des gesamten Oppenhoff-Berichts – zumindest eines: Im Telekom-Konzern gab es, angeführt von Klaus Trzeschan, dem Leiter der für Sonderermittlungen zuständigen Abteilung KS 3, eine verschworene Truppe, für die der Zweck offensichtlich jedes Mittel heiligte. In einer Art Kadavergehorsam reichte offenbar ein Wink des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel und/oder des damaligen Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke aus, um die Spitzelmaschinerie anzuwerfen.

Verbindungsdaten von mindestens 60 Aufsichtsräten, Betriebsräten und Journalisten wurden ausgewertet, Bewegungsprofile erstellt und Bankkonten eingesehen. Die Wahl der Mittel wurde offensichtlich Trzeschan überlassen, der bei seinen Recherchen den Ermittlungsdienstleister Network Deutschland einschaltete und dafür mindestens 400.000 Euro zahlte.

Noch aufschlussreicher sind die „streng vertraulichen“ Anlagen zum Abschlussbericht mit den vielen unveröffentlichten Dokumenten, die tiefe Einblicke in die interne Aufarbeitung der Spitzelaffäre gewähren.

Hat Telekom-Chef René Obermann nach seinem Wechsel an die Konzernspitze im November 2006 wirklich alles getan, um die Spitzelaffäre lückenlos aufzuklären? Wer erfuhr wann von den skandalösen Vorgängen? Und wurden alle Verantwortlichen in der Sicherheitsabteilung zur Rechenschaft gezogen?

Tagebuch einer Aufarbeitung

Der WirtschaftsWoche ist es gelungen, anhand der Aussagen von Betroffenen und aus Original-Dokumenten die vermeintliche Aufarbeitung der Spitzelaffäre unter Obermann zu rekonstruieren. Herausgekommen ist das Tagebuch einer Aufarbeitung, die durch Opportunismus und Halbherzigkeit auf halbem Weg stehen blieb. Die Hauptakteure: Ex-Aufsichtsratschef Zumwinkel, Ex-Konzernchef Ricke, der neue Vorstandschef Obermann und der später zum Rechtsvorstand beförderte Chefsyndikus Manfred Balz.

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