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Deutsche Telekom Telekom-Skandale: Die Ermittlungsakten der Staatsanwälte

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Grafik: Verkaufspyramide Deutsche Telekom

Doch die Untersuchungen von PwC nehmen eine ungeahnte Richtung. Sie führen in die Spitze der Telekom-Mobilfunktochter: Zwei T-Mobile-Manager, darunter der damals für den Handel zuständige Bereichsleiter Sascha Hancke, hätten „Kenntnisse“ gehabt, heißt es in dem PwC-Abschlussbericht, dass die dug-Händler neben eigenen Mitarbeitern auch externe Callcenter zur Telefonakquise einsetzten – also gegen den Vertrag verstießen.

Damit droht der Fall dug zu einem Fall Deutsche Telekom zu werden. Als PwC die T-Mobile-Manager zu den Vorfällen befragen will, blockt die Telekom ab. Die beiden Manager stünden „ausdrücklich nicht zu einem Gespräch zur Verfügung“, heißt es in dem im April 2009 veröffentlichten, streng vertraulichen Abschlussbericht, den die WirtschaftsWoche einsehen konnte. Damit muss PwC auch die Frage unbeantwortet lassen, ob die beiden T-Mobile-Manager „Kenntnisse von der automatisierten Massendatenabfrage seiner Vertriebspartner“ hatten. Die Telekom deklariert das Gutachten als Verschlusssache und lässt es in den Aktenschränken verschwinden.

Auf den Datenmissbrauch an der Spitze der Verkaufspyramide angesprochen, bestätigt die Telekom, dass einzelne T-Mobile-Mitarbeiter Kenntnis vom vertragswidrigen Verhalten des Vertriebspartners hatten. Die konzerneigene Revision habe den Auftrag zur Befragung und zur Untersuchung interner Prozesse bekommen – und dabei offensichtlich Missstände festgestellt. „Ein Mitarbeiter wurde abgemahnt, ein anderer hat das Unternehmen zwischenzeitlich verlassen“, heißt es offiziell. Der inzwischen zum koreanischen Handyhersteller LG gewechselte und dort zum Vertriebschef für Deutschland aufgestiegene Ex-T-Mobile-Bereichsleiter Hancke weist die Vorwürfe zurück: „Die Revision konnte bei mir kein Fehlverhalten feststellen“, sagt Hancke. Es sei sogar seine Initiative gewesen, dass einer seiner Mitarbeiter eine Abmahnung bekommen hätte.

Telekom machte es Partnern leicht, mit Kundendaten Schindluder zu treiben

Eningen in Baden-Württemberg, gut eine Autostunde südlich von Stuttgart. Am 21. Juli 2009 fährt die Kripo zur Hausdurchsuchung in der Harretstraße 6 vor, dem Hauptsitz von Sedi Media, einem Hauptvertriebspartner der Telekom. Deutschlandweit schlagen die Ermittler an jenem Tag in fast 30 weiteren Firmen und Privatwohnungen zu und stellen Millionen von elektronischen Kundendaten der Telekom sicher. Seit mehreren Monaten hat die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt. Es geht um die Bildung einer kriminellen Vereinigung; unter anderem mit der Absicht, illegal erlangte Daten zu verkaufen. Angeblich sollen allein Mitarbeiter von Sedi Media vier Millionen Daten aus der zentralen Datenbank der Deutschen Telekom abgezogen haben. Sedi Media will sich zum laufenden Verfahren nicht äußern.

Die der WirtschaftsWoche vorliegenden Ermittlungsakten zeigen indes, wie leicht es die Telekom ihren Partnern in der neu geschaffenen Verkaufspyramide gemacht hat, mit Kundendaten Schindluder zu treiben. Denn damit die Callcenter schnell loslegen können, öffnet die Telekom großzügig ihre Datenbank mit Informationen über Millionen ihrer Kunden.

Zum einen erhalten die Akteure an der Spitze der Pyramide, also Unternehmen wie Sedi Media und dug, im großen Stil Daten über Telekom-Kunden, um diese an Callcenter weiterzureichen, damit deren Agenten etwa auslaufende Verträge verlängern oder den Kunden neue Angebote verkaufen konnten. Dazu übergibt die Telekom dug & Co. Listen in elektronischer Form mit Datensätzen von 10 000 bis 100 000 Kunden, die auch Subunternehmen und Callcenter bekommen (WirtschaftsWoche 43/2009).

Zum anderen schafft die Telekom die technischen Voraussetzungen, dass etwa Callcenter mithilfe des Namens und der Nummer des Kunden weitere Informationen direkt aus der Datenbank der Telekom abrufen konnten. Zu diesem Zweck installiert der IT-Dienstleister a.k.t. Informationssysteme aus Passau einen Zugang zum Kundenmanagement-System der Telekom, der vielen in der Branche bald als „akt-Schnittstelle“ ein Begriff ist.

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