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Deutsche Werbung Walter Lürzer als neues Mitglied der "Hall of Fame" ausgezeichnet

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Walter Lürzer (li.) mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche

Dass alle über ihn sprechen – das schafft auch Lürzer oft. Sein Hang zur Perfektion lässt ihn oft in der Nacht vor Abgabefrist alles umwerfen. Er holt Kollegen aus Bett oder Disco, bastelt bis morgens um fünf an einer besseren Lösung. Denn „ohne Disziplin“, sagt er, „ist alles nichts“.

Das wissen auch seine Studenten an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, denen Lürzer bei jeder Verspätung zwei Euro für die Klassenkasse abknöpft. Weil er mit seinen Eleven außerdem regelmäßig Kampagnen für echte Kunden entwickelt – zuletzt etwa für die Österreichische Bahn – bleibt Geld für eine Weihnachtsparty, zu der die Studenten ihrem Lehrmeister meist etwas schenken. Lürzers Bedingung: „Kosten darf es nichts – kreativ muss es sein.“ Vor einigen Jahren gab’s eine Dart-Scheibe fürs Büro – mit den Köpfen der Studenten als Ziele. „Mit dieser kleinen Übung“, sagt Lürzer, „beginne ich nun jeden Arbeitstag.“

Dass dem Wahl-Wiener der Schmäh im Nacken sitzt, hat auch Michael Conrad oft erlebt. „Wir hatten viel Spaß“, sagt der langjährige Kompagnon Lürzers, der bereits zu den Mitgliedern der Hall of Fame zählt – so wie viele andere Weggefährten. Mit Paul Gredinger etwa hat Lürzer „immer wieder verhandelt, ob wir zusammenarbeiten, aber ohne Ergebnis“. Als Jean Remy von Matt, seit Jahren Abonnent von „Lürzers Archiv“, zu Beginn seiner Karriere für Lürzer arbeiten wollte, empfahl er, erst mal bei der Konkurrenz zu lernen. „Ein Fehler“, sagt Lürzer heute – von Matt kam nie zurück. Vilim Vasata, damals BBDO-Kreativchef, wollte Lürzer zur Agentur lotsen. Als er Lürzer sein Gehalt nennt, ist das Gespräch mit einer rhetorischen Frage Lürzers beendet: „Arbeitet ihr hier nur halbtags?“

Kürzertreten will der 66-Jährige nun in der Tat. Im Sommer wird er die Jubiläumsausgabe zum 25. Geburtstag von „Lürzers Archiv“ beim Werbefestival in Cannes vorstellen. „Aber eigentlich habe ich mit Werbung nicht mehr viel am Hut“, sagt Lürzer. „Was mich heute wirklich interessiert, ist die Börse – für mich das aufregendste Gesellschaftsspiel unserer Zeit.“

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