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Deutschland-Chef Alexander Dibelius "Über Goldman Sachs kursieren eine Menge Mythen"

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Zum Beispiel?

Ich will jetzt die Mitverantwortung des Finanzsektors an der Krise nicht kleinreden.

Aber?

Es ist mittlerweile auch eine akzeptierte Tatsache, dass es vor allem in den USA eine gewollte Politik des billigen Geldes, übrigens seit der Clinton Ära, gegeben hat, die viele Finanzgeschäfte erst ermöglichte. Gleichzeitig war oder ist der Konsumentenschutz verbesserungsbedürftig. Wie sonst wäre es möglich gewesen, dass dem sprichwörtlichen Taxifahrer Hypothekenkredite für teure Immobilien gegeben wurden, die er niemals aus seinem Einkommen bedienen konnte. Jedes Element isoliert betrachtet hätte diese Krise wohl auch nicht ausgelöst. Aber alles zusammen und dann in teilweise exzessivem Umfang schon.

Trotzdem steht Goldman Sachs anscheinend schon wieder prächtig da. Das macht einige Konkurrenten und manchen Marktbeobachter stutzig.

Ich weiß, dass über Goldman Sachs eine Menge Mythen kursieren. Aber wir kochen auch nur mit Wasser. Ich bin nicht der Meinung, dass wir schlauer sind als alle anderen. Wenn Sie uns jetzt in einem Quartal mit Milliardengewinn sehen und Wettbewerber nicht, dann heißt das erst mal noch gar nichts.

Verraten Sie uns trotzdem, wie Sie das machen?

Striktes Risikomanagement ist absolut notwendig. Bei uns gilt das eherne Prinzip, dass Vermögensgegenstände, sogenannte Assets, immer nur mit dem Wert in den Büchern stehen, zu dem sie jederzeit am Markt wieder verkauft werden können. Wir schreiben sofort ab, wenn sich die Marktbewertung ändert. Das ist ja etwas, was bis heute oft nicht verstanden wird, warum etwas, das von den Ratingagenturen mit der Bestnote Triple A bewertet wird, in unserer Denke einen Wert null haben kann.Wenn es nämlich am Markt keinen Käufer gibt, dann ist es nach dieser Logik auch nichts wert. Banken gehen in der Regel nicht pleite, weil sie überschuldet sind; sondern, weil sie nicht mehr liquide sind.

In den Tagen nach der Lehman-Pleite war auch Goldman Sachs dem Tod sehr nahe.

Wenn Sie Goldman Sachs alleine betrachten...

...was Sie in einer global vernetzten Bankenwelt ja wohl kaum können...

...dann hatten wir unsere eigenen Risikopositionen vernünftig abgesichert.

Geholfen hat Ihnen das doch nur bedingt.

Wir sind Bestandteil des Finanzsystems. Was machen Sie denn, wenn reihenweise Ihre Geschäftspartner zusammenbrechen? Und was machen Sie, wenn das gesamte System die Risiken nicht gesehen hat, weil jeder dieselben Risikopositionen hatte? Da können Sie gar nichts machen. Wir sind deshalb auch überhaupt nicht gegen Regulierung, die das System sicherer macht.

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