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Deutschland-Chef Alexander Dibelius "Über Goldman Sachs kursieren eine Menge Mythen"

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Wird eine Krise wie diese noch einmal wiederkehren?

Sie ist ja noch nicht endgültig vorbei, aber ich hoffe, dass wir die schlimmsten Auswirkungen hinter uns haben. Es wird immer wieder neue Blasen in Verbindung mit zyklischen Schwankungen geben. Es war im Übrigen, am Anfang dieser Krise, auch einer der größten Irrtümer, zu glauben, dass wegen der globalen Vernetzung zyklische Schwankungen weitgehend ausgeglichen würden und wir uns dem Idealbild von völlig effizienten Märkten annähern. In effizienten Märkten könnte es naturgemäß nicht mehr zu spekulativen Blasen der Vergangenheit kommen.Diese Annahme stimmte, wie wir heute wissen, überhaupt nicht.

Hat die Finanzbranche daraus etwas gelernt?

Das glaube ich schon. Allerdings ist das bei den meisten Menschen nicht angekommen. Denn es gibt ein Element, das in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, es habe sich nichts geändert.

Sie meinen die Boni für die Banker?

Genau. Dabei hängt die Sicherheit des Systems nicht davon ab, wie viel ein Manager verdient. Die Struktur der Incentivierung ist wichtig.

Die Höhe der Boni löst aber allem Anschein nach immer wieder Größenwahn und Exzesse aus. Wir könnten ja mal – nur zum Spaß – recherchieren, welche Vertreter welchen Berufsstandes in Londoner Bars Absurditäten wie einen Cocktail mit Goldstaub bestellen. Was glauben Sie?

Ich kenne die Storys auch. Ich bin mir aber sicher, dass die Mitarbeiter meiner Teams sich so nicht verhalten.

Wo liegt dann aus Ihrer Sicht das Problem?

Es mag vielerorts falsche Anreizsysteme gegeben haben, die Leute zu leichtfertigem Handeln verleitet haben. Wo dies der Fall war, sollten diese Anreizsysteme geändert werden, damit nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Handeln belohnt wird. Unsere Mitarbeiter bekommen den variablen Anteil der Vergütung zu einem großen Anteil in Aktien, die mehrere Jahre gehalten werden müssen. Daher sind die Mitarbeiter automatisch am langfristigen Unternehmenserfolg interessiert.

Wird die Branche nicht trotzdem auf der nächsten Party wieder tanzen, bis der Boden zusammenbricht.

Ich kann nicht für die Branche sprechen. Menschen tun sich schwer damit, in Diskontinuitäten zu denken. Wenn es in eine Richtung läuft, dann glauben sie, es geht immer so weiter. Ich glaube aber auch, dass es nicht unmöglich ist, sich immer wieder selbst zu hinterfragen und – um bei Ihrem Bild zu bleiben – bewusst zu entscheiden, den nächsten Tanz auch mal auszulassen.

In Deutschland scheinen sowieso nicht mehr so viele Goldmänner den Tanz zu wagen. In der Branche heißt es, sie hätten in Frankfurt kräftig Stellen abgebaut. Sind Sie in Deutschland auf dem Rückzug?

Ganz im Gegenteil. Wir stellen gezielt in Frankfurt ein. Beispielsweise im Private Wealth Management oder in der Wertpapierabteilung haben wir erst kürzlich einige Neueinstellungen vorgenommen. Aber ja, auch wir mussten im Zusammenhang mit der momentan reduzierten wirtschaftlichen Aktivität weltweit, auch in Frankfurt, einige Stellen abbauen.

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