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Deutschland-Chef Alexander Dibelius "Über Goldman Sachs kursieren eine Menge Mythen"

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Außerdem müssen Sie sich verstärkt dem Vorwurf aussetzen, Ihre Kunden wüssten oft nicht genau, auf wessen Seite Goldman Sachs bei einem Geschäft steht. Missbrauchen Sie Ihre Marktmacht, die sich daraus erklärt, dass Sie in der deutschen Wirtschaft so gut vernetzt sind?

Jeder, der behauptet, eine signifikante Marktstellung für eine bestimmte Dienstleistung in einer bestimmten Region oder Industrie berge kein Konfliktpotenzial, argumentiert nicht redlich. Es gibt dieses Konfliktpotenzial, und man muss damit verantwortungsvoll umgehen. Und das tun wir. Wir treten nicht im gleichen Geschäft auf zwei Seiten auf, und wir lehnen dementsprechend auch Mandate ab, wenn wir einen möglichen Interessenkonflikt sehen.

Wie ist das dann im Fall Arcandor? Einerseits ist Goldman Sachs Miteigentümer der Immobilien des Warenhauskonzerns, andererseits sind Sie mit Metro-Chef Eckhard Cordes eng befreundet, der erwägt, einige dieser Kaufhäuser zu übernehmen.

Wir können grundsätzlich zu konkreten Mandatssituationen keine Stellung nehmen. Hier als Ausnahme haben wir das mit beiden Parteien geklärt. Daher kann ich Ihnen sagen, dass wir kein Beratungsmandat bei Arcandor für den Verkauf der Warenhauskette Karstadt haben. Wir haben kein Mandat von Metro zum Kauf von Karstadt. Wir sind gegenüber Karstadt und Arcandor durch unsere Immobilienbeteiligung Mietgläubiger. Deswegen beraten wir Karstadt auch nicht.

Aber Sie berieten doch Karstadt, als Sie die Immobilien der Warenhauskette vor drei Jahren gekauft haben.

Ja, wir hatten damals ein Beratungsmandat bei Karstadt, das sich auf eine Fremdkapitalfinanzierung bezog, die wir arrangiert haben. Und wir haben damals angeboten, ohne von Arcandor ein Beratungsmandat für den Verkauf zu haben, dass wir die Immobilien herauskaufen könnten, um die prekäre Finanzsituation zu verbessern. Anschließend hat ein Wettbewerber eine Auktion organisiert. Hätte Arcandor damals gesagt: „Ihr dürft nicht mitbieten“, dann hätten wir es nicht gemacht.

Wenn Metro bei Arcandor zuschlägt, wird es trotzdem heißen: Das hat Cordes mit Dibelius eingefädelt.

Ich kenne diese Aussage, und sie wird immer wiederholt, unabhängig davon, ob sie stimmt. Wenn man so lange in diesem Beruf ist, kennt man manche Menschen auch privat. Aber Sie können sich darauf verlassen, dass unser Unternehmen als Ganzes und ich persönlich professionell sind und absolut sorgsam mit dem Management von potenziellen Konflikten sowie jeglichen Sensitivitäten umgehen. Sonst wäre Goldman Sachs nicht seit 140 Jahren im Geschäft und ich nicht seit mehr als 20 Jahren.

Sie haben ja gerade Philip Holzer als Ihren Stellvertreter in Deutschland ernannt. Ist das ein Signal für Ihren baldigen Abschied?

Dass hätten Sie wohl gerne! ( lacht). Nein, es gibt noch viel zu tun!

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