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Deutschland Karrieren nach dem Mauerfall

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Antje Bostelmann: Ihre Träume von damals sind wahr geworden

Die Erzieherin: Als 23-Jährige war Antje Bostelmann Chefin einer DDR-Krippe mit 200 Kindern und 15 Erzieherinnen – heute leitet sie eine der größten Kindergartenketten in Ostdeutschland.

Antje Bostelmann erinnert sich nicht gerne an das Jahr 1989, obwohl ihre Karriere da eigentlich ihren Ursprung hat. Keinen schönen allerdings. Um das zu verstehen, muss man etwas weiter zurückblicken – in das Jahr 1983. Unmittelbar nach der Ausbildung zur Krippenerzieherin wird Bostelmanns Chefin in einer Berliner Kinderkrippe krank, und plötzlich ist sie für 200 Kinder und 15 Erzieherinnen verantwortlich.

Sie ist da gerade einmal 23. Die Konzepte kommen von der Behörde, die Schikanen von Mitarbeitern. Bostelmann ist nicht nur die Verantwortliche, sondern auch Ziel von Intrigen. Drei Jahre lang hält sie durch, dann wirft sie hin und beginnt Kunst zu studieren.

Freunde und Verbündete fliehen nach Westdeutschland

1989 lebt sie in Ostberlin und betreut den Malunterricht von Arbeitsgruppen an Schulen in Berlin-Pankow. Nebenbei setzt sie sich für eine Reform der DDR ein, mit 30 000 Demonstranten auf dem Alexanderplatz träumt sie von einem neuen Sozialismus. Doch als die Grenzen fallen, fliehen ihre Freunde und Verbündeten nach Westdeutschland. Bostelmann verliert nicht nur ihre Bezugspersonen, sondern wenig später auch ihren Job: Als sich die DDR auflöst, passt man das Bildungssystem dem westdeutschen an. Ergebnis: Bostelmanns Stelle fällt weg.

Antje Bostelmann: Ihre Träume von damals sind wahr geworden

Da besinnt sie sich auf ihre Fertigkeiten, kombiniert sie und passt sie den neuen Gegebenheiten an: Bostelmann will eine private Malklasse aufbauen. Am Prenzlauer Berg mietet sie eine kleine Wohnung, verteilt Werbezettel in Schulen und Läden des Viertels. „Kinder aufgepasst, hier könnt ihr malen, wie ihr wollt!“, schreibt sie auf die Flyer. Kunden hat sie zwar noch keine, aber einen Namen: Sie tauft ihre Kurse „Klax“, weil sie glaubt, der Erfolg wäre ein Klacks, wenn sie nur ihrer Idee treu bleibe. Sie behält recht damit.

Nach zwei Monaten kommen mehr als 100 Jungen und Mädchen in ihre Kurse. Bald wird nicht mehr nur gemalt, sondern auch getanzt und gebastelt. Aus der malenden Kindererzieherin wird eine Unternehmerin: Eine Bekannte kümmert sich um Buchhaltung und Behördengänge, ein Freund geht ihr bei der Kursführung zur Hand – ihre ersten beiden Angestellten. Die reichen bald nicht mehr.

Wenige Monate nach den ersten Malstunden bekommt sie 1995 die Chance, fünf Kindergärten und Krippeneinrichtungen von der Berliner Stadtverwaltung zu übernehmen. An das Dasein als Chefin hat sie keine guten Erinnerungen, dennoch greift sie ohne Zögern zu. Zwar sei sie mit dem Bildungssystem der Bundesrepublik ebenso unzufrieden gewesen wie mit dem der DDR, doch „in der DDR musste ich die Richtlinien der Behörde vermitteln, jetzt konnte ich endlich selber Entscheidungen treffen“, sagt Bostelmann. Grund genug, den Schritt zu wagen.

Inzwischen ist Klax das größte private Kindergartenunternehmen in Berlin, mit insgesamt 25 Kindergärten und Krippen in ganz Deutschland. So sind Bostelmanns Träume von einer Gesellschaft, in der jeder seine Potenziale entwickelt, doch noch wahr geworden.

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