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Deutschland Karrieren nach dem Mauerfall

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Stephan Schambach: Intershop profitierte vom Börsenrausch Quelle: Christoph Navin für WirtschaftsWoche

Der Gründer: Stephan Schambach gründete 1992 Intershop – auf dem Höhepunkt war der Konzern mehr wert als VW. Inzwischen hat er in den USA ein neues Unternehmen aufgebaut.

Die meisten Kinder wünschen sich zu Weihnachten Spielsachen. Jungen bevorzugen aufziehbare Autos, Fußbälle oder ein Trikot ihres Lieblingsvereins. Stephan Schambach wünschte sich am liebsten Lötkolben, Messgeräte oder Bohrmaschinen. „Mich hat es schon als Kind begeistert, an Sachen zu tüfteln“, sagt Schambach heute.

Seine Eltern hatten ihm daher daheim in Jena extra einen Raum im Keller eingerichtet. Ohne es zu ahnen, legten sie damit den Grundstein für seine Karriere. Wenn die Rede ist von erfolgreichen Unternehmern aus dem Osten, fällt Schambachs Name noch immer. Vor einigen Jahren gehörte er mit Intershop zu den größten Stars der New Economy.

1994 brachte Intershop das erste Online-Handelssystem auf den Markt

Das Unternehmen aus Jena florierte in der Zeit um die Jahrtausendwende, als sich ganz Deutschland in einem einzigen Börsenrausch befand, gefördert von der Gier der Anleger, begleitet von haarsträubend unkritischer Berichterstattung. Benebelt von zwei- oder dreistelligen Renditezahlen, konnte so gut wie jedes Unternehmen an die Börse gehen – wobei das von Schambach noch eines der seriöseren war.

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    1994 brachte Intershop das erste Online-Handelssystem auf den Markt, ab 1996 expandierte das Unternehmen auch in die USA, Schambach bezog ein Büro im Silicon Valley. Zwei Jahre später folgte der Börsengang in Frankfurt. Emissionspreis: umgerechnet 51,13 Euro. Im Jahr 2000 war das Unternehmen sogar an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq notiert. Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase beschäftigte Schambach 1200 Mitarbeiter, Intershop war etwa elf Milliarden Euro wert – mehr als damals Volkswagen. Im März 2000 notierte die Aktie zwischenzeitlich bei 2105,37 Euro. Dann folgte der große Crash.

    Schambach im Jahr 1999 Quelle: Laif/Andreas Herzau

    Heute gehört Schambach eher in die Kategorie „Was macht eigentlich...?“. Um eine Antwort darauf zu erhalten, muss man zunächst ein paar Telefonate führen.  Für alle Anfragen ist immer noch Heiner Schaumann zuständig. Er koordiniert von Jena aus die Termine und betont vorab, dass Schambach „zur Intershop-Entwicklung nach seinem Weggang“ nichts sagen will. Den ostdeutschen Akzent hat Schambach behalten, obwohl er seit einigen Jahren in den USA lebt, alle paar Wochen jettet er nach Deutschland. Sein neues Unternehmen, Demandware, ist in einem ähnlichen Segment tätig wie damals Intershop – es bietet Software an, mit der andere ihre Produkte im Internet verkaufen können.

    Bei Wagnisfinanzierern hat Schambach in den vergangenen Jahren bereits 60 Millionen Dollar eingesammelt, etwa 150 Arbeitsplätze sind entstanden. Darauf ist er besonders stolz. Wilfried Beeck ist einer der Mitgründer von Intershop. „Mitten im Tornado“ hätten sie gestanden, als der Börsenhype losging, sagt er. Wobei das vor allem für Schambach gilt. Er war das Gesicht von Intershop – in guten wie in schlechten Zeiten.

    Beeck weiß, dass Glück und Zufall eine große Rolle spielten, entsprechend dankbar ist er heute. Er wirkt nicht so, als müsste er noch jemandem etwas beweisen – für Schambach gilt das nur -bedingt. Vielleicht kann der aber auch nicht anders.

    Stephan Schambach erinnert sich auch heute noch gut an sein erstes gelungenes Geschäft. Noch zu DDR-Zeiten verkaufte er eine selbst gebastelte Lichtorgel für Diskotheken. Damals war er erst zwölf Jahre alt.

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