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Deutschland-Serie Ein Rosenzüchter setzt die Trends für New York

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Jahrelang hat Kordes an Lady Killer herumgedoktert, bis sie verkaufsreif war. Nichts Ungewöhnliches in dem Geschäft. Fünf bis sieben Jahre vergehen in der Regel zwischen Aussaat und Markteinführung einer neuen Schnittrosensorte. Zunächst setzt Kordes rund 100.000 Sämlinge ein. Aus ihnen wählt er nach einem Jahr die besten 5000 Pflanzen aus. „Die anderen 95.000 kommen in den Rosenhimmel“, sagt Kordes. Im dritten Jahr selektiert er aus den 5000 rund 400 Pflanzen, im vierten Jahr prüft er, wie viele Blüten eine Pflanze hervorbringt, wie groß die Blütenköpfe sind, wie stabil die Stängel und wie strahlend die Farben. Im fünften und sechsten Jahr folgt die Klimaprüfung. Der Züchter pflanzt die neuen Sorten in unterschiedlichen Klimaregionen an: vor allem in Südamerika und in Afrika. In Kenia besitzt er ein Tochterunternehmen. In Südamerika kooperiert er mit anderen Firmen.

Aus den anfangs 100.000 Sämlingen haben sich nach fünf bis sieben Jahren nur rund zehn Sorten so gut entwickelt, dass Kordes sie für marktreif hält. „Die Kunst ist, in jeder Entwicklungsstufe die richtigen Pflanzen auszusuchen“, sagt er. „Das macht einen erfolgreichen Züchter aus.“ Doch ob die auserwählten zehn Sorten oder zumindest einige von ihnen den Geschmack der Kunden treffen, weiß er dann immer noch nicht. Mitunter floppt eine Sorte und einen Teil der Investitionen muss er abschreiben.

„Derzeit geht der Trend zu großköpfigen Rosen“, sagt Kordes. Vor allem die Russen, aber auch die Amerikaner liebten es protzig. „Und der russische Markt wächst.“ Erst Anfang September war der Norddeutsche in Moskau, um die Lage dort zu sondieren. Auch in Deutschland greifen die Kunden wieder öfter zu großköpfigen Pflanzen. Sogar die Discounterkette Aldi stellt sich darauf ein, obwohl Rosen mit größeren Köpfen teurer sind.

Nicht nur Floristen, auch Handelsketten wie Aldi nehmen Kordes’ Rosen in ihr Sortiment auf. Allerdings beliefert er die Fachgeschäfte und Filialisten nicht direkt. Ist eine Sorte marktreif, bauen Farmer sie aus Kostengründen auf großen Plantagen in Afrika und Südamerika an, vermehren die Pflanzen und schicken sie an Großhändler und Auktionshäuser in Europa, Asien und Amerika. Für jede verkaufte Pflanze kassiert Kordes von den Farmern eine Lizenzgebühr von 80 Cent bis zu einem Euro. Insgesamt erzielt W. Kordes’ Söhne einen Jahresumsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

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    Damit ihm keine Lizenzgebühr entgeht, beantragt Kordes für jede Sorte und jeden Rosennamen Markenschutz. „Doch nicht jeder achtet darauf“, klagt der Züchter. Immer wieder versuchen Farmer, heimlich Kordes-Sorten anzupflanzen, zu vermehren und zu verkaufen, ohne an ihn zu zahlen. Auch andere Blumenzüchter leiden unter den Produktpiraten. Erst im Februar, rechtzeitig zum Valentinstag, haben Zollbeamte am Frankfurter Flughafen 10.400 Rosen beschlagnahmt, die aus Äthiopien, Ecuador und Indien kamen. Die Farmer dort hatten keine Lizenzen bei den europäischen Züchtern beantragt, die diese Sorten kreiert hatten. Darum war der Verkauf verboten. „Wir arbeiten eng mit dem Zoll zusammen“, sagt Kordes. Zudem schickt er eigene Kontrolleure los. „Meist bekommen wir Hinweise aus der Branche.“

    Eines jedoch beweist die Produktpiraterie – Rosen sind begehrt. Kordes setzt darum auf Expansion. In Klein Offenseth-Sparrrieshoop stellt er jetzt zusätzliche Gewächshäuser auf. „Es gibt“, sagt Bürgermeisterin Petra Gebhardt, „auch die Anregung, Trauungen im Rosengarten zu vollziehen. Dann bräuchten wir dort aber ein Café.“ Und Hinweisschilder und Werbung. Vielleicht findet Kordes doch mal Zeit dafür. Rosen und Hochzeit – das passt doch.

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    Lesen Sie die gesamte Deutschland-Serie unter www.wiwo.de/deutschland-serie

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