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DFL-Chef Christian Seifert "Wir sind keine Spaßtruppe"

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...sprich: Sie verstärken die Lobby-Arbeit. Uli Hoeneß will mitmachen, ebenso Adidas, der neue Marketingpartner der DFL. Sehen wir Sie bald zusammen mit Adidas-Chef Herbert Hainer vor dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages?

Das wird sich zeigen – wir sind als DFL zu lange davon ausgegangen, dass Leistung für sich selbst spricht. Dabei muss jedem klar sein, dass Profisport in Deutschland ein Wirtschaftsfaktor ist mit Abstrahleffekten in zahlreiche Richtungen. Da darf es nicht sein, dass die Politik, und sei es nur aufgrund fehlender Informationen, eine Wachstumsbranche nicht nur bremst, sondern einen positiven Trend sogar umkehrt.

Was soll mehr Lobby-Arbeit bringen?

Nehmen Sie die Vermietung der Logen in den Stadien etwa an Unternehmen, die Geschäftspartner dorthin einladen wollen. Da gibt es so viele gesetzliche Hürden, dass einige Vereine Schwierigkeiten haben, die Plätze zu verkaufen. Ich wünsche mir, dass der eine oder andere Politiker, der ja auch gern mal eine Loge besucht, sich fragt, was passiert, wenn alle Business-sitze leer blieben.Die Finanzierung von Sportstätten würde ins Wanken kommen. Das muss anders geregelt werden. Es wäre sinnvoll, wenn wir zu einem pragmatischen Umgang kommen, der die Besonderheiten des Profisports berücksichtigt. Denn dieses Thema betrifft auch andere Sportarten, zum Beispiel Handball und Eishockey.

Was fordern Sie sonst von den Politikern?

Sie sollten beispielsweise die Handhabung der Quellensteuer bei internationalen Wettbewerben oder Spielertransfers überdenken. Absurde Folgen hat auch der geltende Glücksspielstaatsvertrag, der die staatlichen Anbieter schützt und private aus dem Markt drängt. Vereine, die Verträge etwa mit Wettveranstaltern wie bwin hatten, mussten die lösen – dabei laufen Spiele von Inter Mailand oder Real Madrid, die für bwin werben, hier auch im Fernsehen, und das stört niemanden. Alle Profiligen verlieren durch diese auch aus EU-Sicht fragwürdige Praxis Millionen. Das alles sind standortspezifische Themen, die es erheblich erschweren, das Erfolgsmodell Bundesliga aufrechtzuerhalten.

Trotzdem hat Bayern 30 Millionen Euro für Gomez übrig – warum malen Sie so schwarz?

Das ist zu kurzfristig argumentiert– denn wenn es uns nicht gelingt, jetzt die richtigen Weichen zu stellen, dann lassen es Höhe und Anzahl der Hürden vielleicht nicht mehr zu, diese mit dem bisherigen Erfolg zu meistern. Es steht viel auf dem Spiel.

Das klingt so, als forderten Sie einen weiteren staatlichen Schutzschirm, nach den Banken und den Unternehmen nun für die Millionäre in kurzen Hosen?

Nein, wir wollen schlicht begreiflich machen, dass das Erfolgsmodell Bundesliga kein Selbstläufer ist, sondern neben harter Arbeit auch von den gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen abhängt. Wenn die so bleiben, hat das negative Folgen. Die Bundesliga schafft 35.000 Arbeitsplätze und führt in der Summe 660 Millionen Euro Steuern und Abgaben ab – wir sind keine Spaßtruppe. Dank der Bundesliga ist der DFB der einzige Spitzensportverband, der ohne staatliche Unterstützung auskommt. Wenn das so bleiben soll, müssen auch die Voraussetzungen für weiteres Wachstum geschaffen werden.

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