16 Jahre Haft „Costa“-Kapitän verurteilt

Der Kapitän der „Costa Concordia“ ist zu 16 Jahren Haft verurteilt. Doch Francesco Schettino bleibt weiter auf freiem Fuß. Das Mammutverfahren könnte sich Jahre hinziehen.

Wrack der "Costa Concordia" steht wieder aufrecht
Am frühen Dienstagmorgen stand die Costa Concordia endlich wieder: Millimeter für Millimeter wurde der Stahlkoloss mit Seilen, Flaschenzügen und Schwimmkörpern in die Senkrechte gebracht. Nun soll das Wrack, das seit stabilisiert werden. Vermutlich im Frühjahr soll die "Costa Concordia" in einen nahe gelegenen Hafen geschleppt und verschrottet werden. Quelle: AP
Hier eine Detailaufnahme des Rumpfes: Während der Bergung bestand die Gefahr, dass das Schiff auseinanderbrechen könnte. Die "Costa Concordia" ist dreimal so lang wie ein Fußballfeld, mehr als doppelt so groß wie die "Titanic" und wiegt mehr als 100.000 Tonnen. Quelle: AP
Gut 20 Monate nach dem Kentern der „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio hat die spektakuläre Bergung des Kreuzfahrtriesen begonnen. Er sollte innerhalb von zehn bis zwölf Stunden in einem technischen Kraftakt ganz aufgerichtet sein, um später in einem Stück weggeschafft zu werden. Bergungsexperten haben das havarierte Schiff bereits aus seiner in Felsen eingekeilten Lage befreit. Die Bergung verlaufe nach Plan, sagte Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli, allerdings sei die rechte Seite des Wracks „beträchtlich deformiert“. Quelle: AP
Ein etwa ein Meter breiter Streifen des Wracks, der sich zuvor noch unter Wasser befunden hatte, war, wie von Experten erwartet, bereits zwei Stunden nach Beginn der Aufrichtung am Morgen wieder sichtbar, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Quelle: Reuters
Mit einem spektakulären Manöver richten Techniker den Koloss Millimeter für Millimeter auf, damit er später abgeschleppt und verschrottet werden kann. Das Schiff liegt auf der Seite auf zwei Felsen, in die es teilweise verkeilt ist. Um es zu lösen, wird das Wrack mit Stahlseilen und Gegengewichten angehoben. Quelle: AP
Etwa 500 Experten aus nicht weniger als 20 Ländern haben seit Mai 2012 die schwierige Bergung des gekenterten Kreuzfahrtschiffes vor Giglio vorbereitet. Das amerikanisch-italienische Bergungsteam Titan-Micoperi stimmte sich dabei mit dem Zivilschutz in Rom ab. Der Aufwand an Material und Personal ist riesig. Mehr als 20 Schiffe sind im Einsatz, 15 000 Tauchgänge waren vor der Bergungsaktion notwendig. Quelle: AP
Mit einem spektakulären Manöver richten Techniker den Koloss Millimeter für Millimeter auf, damit er später abgeschleppt und verschrottet werden kann. Das Schiff liegt auf der Seite auf zwei Felsen, in die es teilweise verkeilt ist. Um es zu lösen, wird das Wrack mit Stahlseilen und Gegengewichten angehoben. Quelle: REUTERS
Nach diesem heiklen ersten Schritt bleibt noch viel zu tun. Ist das Wrack vorsorglich stabilisiert, dann müssen weitere Schwimmbehälter - insgesamt 15 - an der Steuerbordseite angebracht werden. Das Wasser wird aus diesen Schwimmkästen auf beiden Seiten gepumpt, das Schiff „schwimmt“ wieder. Danach wird die „Costa Concordia“ verankert - bis zum Abtransport, der für das erste Halbjahr 2014 vorgesehen ist. Das wird dann die letzte Fahrt des Unglücksschiffes. Es wird abgewrackt. Quelle: AP
Noch nie zuvor haben Ingenieure mit dieser speziellen Technik ein derart großes Schiff unter solch schwierigen Bedingungen geborgen. "Wir haben Erfahrung mit dem Parbuckling, aber in dieser Größenordnung ist das Neuland", sagte der für die Koordinierung der Arbeiten zuständige Südafrikaner Nick Sloane. Quelle: AP
Mindestens 600 Millionen Euro soll die Bergungsaktion kosten, die Gesamtsumme ist bereits mehrfach erhöht worden. „Die Beseitigung der Concordia und alle noch folgenden Operationen werden den Steuerzahler nichts kosten“, hatte Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli versichert, „die Kosten werden ganz von privater Seite getragen.“ Also von der Genueser Reederei Costa Crociere und deren Versicherungen. Allerdings hat der angepeilte Abwrackhafen Piombino Medienberichten zufolge 73 Millionen Euro für Umbauarbeiten vom Staat erhalten, um das Wrack zerlegen zu können. Quelle: dpa
Ein extremes Gewitter war am Vortag des Manövers über Giglio hinweggezogen. Die eigentlich für 6 Uhr geplante Aktion musste wetterbedingt um zwei Stunden nach hinten verschoben werden. Quelle: REUTERS
Ein Blick von oben: Bei der Havarie am 13. Januar 2012 waren insgesamt 32 Menschen umgekommen, darunter zwölf Deutsche. Die Experten hoffen, bei der Bergung des Schiffs die Leichen eines Besatzungsmitglieds und einer Passagierin zu finden. Quelle: dpa
Dem Kapitän Francesco Schettino wird vorgeworfen, das Schiff mit 4200 Menschen an Bord zu nahe an die Küste manövriert zu haben. Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung und des vorzeitigen Verlassens des Schiffes verantworten. Quelle: AP

Auch nach dem Urteil gegen den Kapitän der „Costa Concordia“ ist kein Ende des Justizmarathons in Sicht. Francesco Schettino wurde am Mittwochabend in erster Instanz unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Seine Anwälte kündigten jedoch Berufung an. Der Kapitän ist weiter auf freiem Fuß. Bis das Verfahren durch die nächsten Instanzen gegangen ist, könnten Jahre vergehen. „Ich werde weiterkämpfen um zu beweisen, dass ich die Costa Concordia nicht verlassen habe“, erklärte Schettino in einer ersten Stellungnahme.

Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Janaur 2012 mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der italienischen Insel Giglio auf einen Felsen gefahren und gekentert. 32 Menschen starben, darunter 12 Deutsche. Das Gericht sprach Schettino in allen Anklagepunkten schuldig, blieb jedoch deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 26 Jahren und drei Monaten Haft.

„Es ist eine übertriebene Strafe, die viel, viel zu hoch ist. Aber das wichtige ist, dass er nicht verhaftet wurde, das ist eine positive Sache“, sagte Schettinos Anwalt Domenico Pepe, der einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert hatte. „Jetzt werden wir sehen, ob dieses Urteil im Berufungsprozess bestätigt wird.“ Schettino hatte sich nach dem Unglück zuerst selbst gerettet und Tausende verzweifelte Menschen an Bord des Schiffes zurückgelassen. Als Grund nannte er, in ein Rettungsboot gefallen zu sein.

Überlebende und Opferangehörige waren nach dem Urteil enttäuscht. „Sechs Monate Strafe für jeden Verstorbenen, aber für die Familien ist es nicht 16 Jahre sondern für immer. Wie kann ich mich fühlen, ich bin einfach nur traurig“, sagte die Französin Anne Decré. „16 Jahre für 32 Opfer sind gar nichts“, sagte Giovanni Girolamo, der seinen Sohn bei dem Unglück verloren hatte.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich in einer ersten Reaktion zufrieden. „Die Richter haben entschieden, alle unsere Anklagepunkte anzuerkennen und zu bestätigen“, erklärten sie. Für Sergio Ortelli, den Bürgermeister der Insel Giglio, ist das Urteil ein Teilerfolg. „Wichtige Dinge wurden anerkannt, etwa der Image-Schaden für Giglio und die Verantwortung von Costa Crociere“, sagte er.

Die Reederei wurde wie auch Schettino vom Gericht dazu verurteilt, Entschädigungszahlungen an die Nebenkläger zu leisten, darunter auch die Insel Giglio. Die Passagiere sollen mit jeweils 30 000 Euro entschädigt werden. Der Anwalt der Reederei, Marco De Luca, erklärte: „Es ist ein ausgewogenes Urteil, das alle Interessen berücksichtigt.“


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