4U 9525 Hinterbliebene von Germanwings-Opfern prüfen US-Klage

Hinterbliebene der Opfer des Germanwings-Absturzes lassen eine Schadenersatzklage vor US-Gerichten prüfen. Dort sind die Schadenersatzsummen höher als vor deutschen Gerichten.

Fassungslosigkeit und Entsetzen bei Lufthansa und Germanwings
Der Copilot des Germanwings-Unglücksjets hat den Airbus nach Erkenntnissen der Ermittler absichtlich in eine Felswand gesteuert und 149 Menschen mit in den Tod gerissen. "Es ist davon auszugehen, dass der Copilot bewusst die Zerstörung des Flugzeuges eingeleitet hat", erklärte Brice Robin von der Staatsanwaltschaft Marseille am Donnerstag. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat gebe es nicht. Die Ermittler bemühten sich derzeit bei ihren deutschen Kollegen um konkretere Informationen zu den Lebensumständen des 28-jährigen Ersten Offiziers Andreas L., der die deutsche Staatangehörigkeit besitze. Quelle: AP
Der Staatsanwalt bezog sich auf das Protokoll der letzten 30 Minuten vor dem Absturz, in denen der Stimmenrekorder alle Geräusche im Cockpit des A320 aufgenommen hatte. Dabei sei zu hören, wie der Kapitän Andreas L. zur Übernahme des Steuers auffordere und dann - vermutlich für eine Toilettenpause - das Cockpit verlasse. Kurz darauf habe Andreas L. dem Bordcomputer die Anweisung erteilt, in den Sinkflug überzugehen. Dies könne nicht versehentlich geschehen und müsse daher eine bewusste Handlung gewesen sein. Quelle: dpa
Zugleich habe er den Piloten nicht mehr ins Cockpit gelassen, sagte Robin. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist es Vorschrift, dass der Arbeitsplatz in allen Passagierjets von einer gepanzerten Tür geschützt sein muss. Andreas L. habe weder auf Rufe noch auf Schläge gegen die Tür reagiert, erklärte der Staatsanwalt. Auch Aufforderungen des Towers in Marseille, einen Notruf abzusetzen, habe er ignoriert. Bis zum Zerschellen des A320 sei von ihm kein Wort mehr zu hören. Auf der Aufnahme sei nur noch sein ruhiges Atmen zu vernehmen. All dies lasse darauf schließen, dass Andreas L. die Maschine absichtlich zum Absturz brachte, sagte Robin. "Wir müssen von einer willentlichen Tötung ausgehen...Er hat sich bewusst geweigert, die Tür zu öffnen, und er hat bewusst den Knopf (zur Einleitung des Sinkflugs) gedrückt, um die Maschine runterzubringen." Bisher hatte die Staatsanwaltschaft in Marseille dagegen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Quelle: REUTERS
Carsten Spohr Quelle: dpa
Im Foyer des Lufthansa Aviation Center am Flughafen in Frankfurt/Main liegt ein Kondolenzbuch für Mitarbeiter der Lufthansa aus. Quelle: dpa
Blumen und ein Aufsteller mit der Aufschrift "In deep sorrow" ("In tiefer Trauer") Quelle: dpa
Eine Luftaufnahme der Gendarmerie zeigt die Absturzstelle des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen. Quelle: AP
Ein Jugendzentrum mit Sportanlagen in Seyne-les-Alpes wurde als Trauerkapelle eingerichtet Quelle: dpa
Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Francois Hollande und der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy gedenken der Opfer. Quelle: AP
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande in Seyne-les-Alpes Quelle: dpa
Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft reiste an den Unglücksort. Quelle: dpa
Hubschrauber der französischen Gendarmerie fliegen über den Ort Seyne-les-Alpes Quelle: dpa
Alpine Kletterer bereiten sich am Mittwoch nahe Seyne Les Alpes auf ihren Einsatz an der Unfallstelle vor. Quelle: dpa
Karte: Germanwings 4U9525 stürzte an dieser Stelle ab. Quelle: dpa
Feuerwehrleute verfolgen die Arbeit der zahlreichen Journalisten in Seyne Les Alpes, Frankreich Quelle: dpa
Augenzeugen berichteten von zahlreichen Trümmern Quelle: AP
Ein Rettungshubschrauber überfliegt die französischen Alpen. Quelle: REUTERS
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (M, SPD), Segolene Royal, Lufthansa-Chef Carsten Spohr, spanische Verkehrsministerin Ana Pastor Quelle: dpa
Gendarmerie Quelle: REUTERS
Einsatzkräfte sollen an der Absturzstelle in den französischen Alpen einen Flugschreiber des deutschen Airbusses gefunden haben Quelle: dpa

Er sei bereits in Kontakt mit den Anwälten der amerikanischen Hinterbliebenen, sagte der Vertreter deutscher Angehöriger der Opfer, Elmar Giemulla, am Sonntag. Die Gespräche mit der Lufthansa als Mutterkonzern von Germanwings über Schadenersatzzahlungen sollten bald beginnen, sagte Giemulla. Er hoffe, dass der Konzern auch für die seelischen Qualen eine angemessene Entschädigung berücksichtigt.

"Sollte die Fluggesellschaft nicht dazu bereit sein, prüfen wir Klagen in den USA." Dabei könnten sie sich den Familien von zwei US-Bürgern anschließen, die bei dem Absturz ebenfalls ums Leben gekommen sind. In der Regel überschreiten von US-Gerichten festgelegte Schadenersatzsummen die von deutschen Gerichten deutlich, da dort auch die emotionalen Folgen des Verlustes mit in die Summe einfließen.

Die Fakten zum Germanwings-Absturz

Giemullas Angaben zufolge vertritt er 21 Familien, darunter auch die der Schüler, die bei dem Absturz getötet wurden. Er strebe pro Opfer eine Million Euro an. Es gebe diesbezüglich Präzedenzfälle, fügte er hinzu. Nach Darstellung der "Bild am Sonntag" verurteilten US-Gerichte in ähnlich gelagerten Fällen Airlines zur Zahlung von durchschnittlich 4,5 Millionen Euro.

Nach bisherigen Ermittlungen hat der Co-Pilot Andreas L. den Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings am 24. März in den französischen Alpen absichtlich abstürzen lassen. Alle 150 Insassen der Maschine wurden dabei getötet. L. litt an Depressionen und unterbrach deswegen 2009 seine Pilotenausbildung. Im selben Jahr informierte er die Fliegerschule der Lufthansa über eine "abgeklungene schwere Depression".

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Lufthansa hat bislang an 111 Familien von Passagieren der Unglücksmaschine eine Soforthilfe von 50.000 Euro gezahlt. Die anderen Familien sollten das Geld sobald wie möglich erhalten, sagte ein Sprecher der Lufthansa. Zu den möglichen Klagen in den USA wollte er sich nicht äußern.

Etwa die Hälfte der Passagiere an Bord der Maschine kamen aus Deutschland. Die weiteren Opfer stammten aus verschiedenen Ländern, darunter Spanien, Australien, Argentinien und den USA.

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