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50-jähriges Bandjubiläum Rolling Stones - Meister des Mehrwerts

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Meister des Mehrwerts

Mick Jagger performt während eines Konzertes in Oslo Quelle: dpa

Konzerte

Das Tourneegeschäft hat sich längst zur Haupteinnahmequelle entwickelt. Bis zu 90 Prozent ihrer Gesamtumsätze erwirtschaften die Stones inzwischen im Ticketgeschäft. „Die verdienen mit einem Konzert ungefähr so viel wie mit einer neuen CD in einem Jahr“, sagt ein Musikmanager. Michael Cohl, der Leiter des Kerngeschäfts Konzerte, zählt denn auch zu den wichtigsten Mitarbeitern im Unternehmen Rolling Stones. Allerdings bringt das Konzertgeschäft keine regelmäßigen Geldzuflüsse. So gibt es Jahre wie etwa 2004, in denen die Gesamteinnahmen der Gruppe drastisch absacken, weil gerade keine Tournee ansteht. Tourmanager Cohl ist denn auch nicht fest angestellt, sondern wird nur aktiv, wenn die Stones alle zwei bis drei Jahre auf Weltreise gehen. Der Kanadier ist bei den lokalen Konzertveranstaltern gefürchtet. Statt bis zu 30 Prozent der Erträge wie üblich müssen sie bei ihm mit nur drei Prozent vorlieb nehmen. Zusätzlich sorgt Cohl dafür, dass viel Sponsorengeld fließt. Die anstehende Stones-Tournee durch Deutschland wickelt die Konzertagentur Peter Rieger ab, eine Tochter von CTS Eventim. Sie verspricht sich trotz der schmalen Provision ein gutes Geschäft. Die Deutschen lieben das Live-Erlebnis nach wie vor. Allein im vergangenen Jahr gaben sie rund drei Milliarden Euro für die Konzert-Tickets aus.

Anders als beim CD-Geschäft steigen hier auch die Preise. Noch in den Neunzigerjahren galten 100 Mark als magische Grenze für ein Konzert-Billett. Bei den Stones kostet die billigste Karte zuletzt rund 80 Euro, die teuerste über 200 Euro. Und selbst das lässt sich noch steigern: Denn die „Meister des Mehrwerts“, wie die Stones in der Branche schon mal genannt werden, schnüren auch gerne Pakete mit VIP-Zusatzleistungen – beispielsweise eine Ehrentribüne direkt vor der Bühne, eine Party mit Mitgliedern der Band (oder zumindest Begleitmusikern) oder Zugang zur Backstage-Area.

Bogen überspannt

Doch zuletzt hatten die alten Herren Jagger, Richards, Wood und Watts den Bogen offenbar ein wenig überspannt: Bei der Europatournee 2006/7 ließen sich die Karten laut Presseberichten deutlich schlechter als erwartet absetzen. Nach Auskunft eines Veranstalters lief der Vorverkauf zwar gut an doch stockte dann.

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Doch die geschäftstüchtigen Rente-Rocker wussten sich zu helfen. Für einige besonders schlecht gebuchte Konzerte engagierten sie attraktivere Vorgruppen wie etwa Guns‘N’Roses. Das verhinderte offenbar das Gröbste. Doch ein schaler Geschmack bleib bei vielen Fans. „Die Tickets sind einfach teurer als bei jeder anderen Tournee zuvor“, sagt der Veranstalter. Zudem waren die Stones in den Jahren zuvor häufiger in Deutschland gewesen – die letzte Tournee fand erst 2003 statt. Und die Konkurrenz schläft auch nicht: Denn auch noch andere Pop-Größen wie etwa Bruce, Springsteen, U2 oder Madonna lockten den Rockfans das Geld aus der Tasche. Vielleicht hätte sich Stones-Frontmann Jagger einfach nur einmal an seine eigenen Worte erinnern: „Man muss die Preise im Marktbereich halten – wie ein Autohersteller“, so der Mann, der von Geschäftsleuten angeblich nicht viel hält.

In einer Hinsicht hätte es die Band in jedem Fall leichter. Weil sie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr unterwegs und jede Konzertreise die letzte sein könnte, dürften sich am Ende doch noch viele Fans in die Arenen locken lassen.

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