Ab 1. Juli Der neue Chef-Pilot von Air France

Für die französisch-niederländische Fluglinie Air France-KLM ist der designierte neue Konzernlenker Alexandre de Juniac die letzte und beste Chance zur Sanierung. Doch bei seinem Umbau mahnen den Ex-Rüstungsmanager und früheren Politiker die Schicksale seiner erfolglosen Vorgänger. 

Alexandre de Juniac Quelle: dpa

An diesem Spätherbstabend in Tokio müsste sich Air-France-Chef Alexandre de Juniac eigentlich rundum wohlfühlen. Die Luft ist milde und fast zehn elf Grad wärmer als im kühlen Europa, weite Teile der japanischen Hauptstadt strahlen in adventlichem Glanz und hier im großen Veranstaltungsraum der französischen Botschaft im eleganten Botschaftsviertel  Minato rund drei Kilometer südwestlich des Kaiserpalastes servieren freundlich Kellner Champagner, guten Rotwein und feine Häppchen. Trotzdem pendelt der Vorstandsvorsitzende der Fluglinie zwischen leicht angespannt und abwesend. Während Botschafter Christian Masset seine Rede zum Loblied auf die Airline mit der Trikolore und der von ihr symbolisierten französischen Lebensart auf dem Heck umfunktioniert, scheint der Manager gar ein wenig weg zu dämmern.

Kein Wunder. Denn de Juniac hat derzeit nicht nur einen der anstrengendsten Job in der Flugbranche. Europas zweitgrößte Fluglinie nach der Lufthansa, die vor neun Jahren aus der Fusion von Air France mit der niederländischen KLM entstand, schreibt seit vier Jahren rote Zahlen - und das liegt vor allem am französischen Teil, den der 50-jährige derzeit leitet. Am Montag gab nun Air France-KLM offiziell bekannt, dass er ab 1. Juli den bisherigen Konzernchef Jean-Cyril Spinetta ablöst - und damit fast ein Jahr früher als geplant. Mit Spinetta verlässt auch sein Vize Leo van Wijk seinen Posten. An die Spitze der französischen Airline rückt deren Finanzchef Frederic Gagey

Doch den Manager de Juniac belastet nicht nur diese große neue Verantwortung. Er hat auch einen der auszehrendsten Arbeitstag hinter sich, seit er vor anderthalb Jahren den Chefposten übernahm. Erst heute Morgen um neun Uhr ist er hier in Japan gelandet. Dabei hat er wenig geschlafen, weil er an Bord lieber mit Mitarbeitern, Kunden und Journalisten redete statt sich im bequemen First-Class-Sessel mit Champagner oder Entenleber verwöhnen zulassen. Dann hat er sich den Narita-Flughafen und die etwas veraltete Lounge seines Unternehmens dort angesehen.

Geschäftszahlen Air France-KLM

Nach einer gut einstündigen Fahrt ins Hotel folgte gegen 13 Uhr ein Termin mit den Spitzen seines Unternehmens in Ostasien, um 14 Uhr eine Betriebsversammlung aller Mitarbeiter in Japan, um 15 Uhr ein Essen mit wichtigen Kunden, um 16 Uhr eine Pressekonferenz nebst Einzelgesprächen mit Radio- und TV-Stationen. Und jetzt nach zwei halbstündigen Autofahrten und einer kurzen Umziehpause im Hotel seit 19 Uhr der Empfang in der Botschaft.

Anlass der Tour de Force ist der 60. Jahrestag seit Air France mit einem Super Constellation genannten Propellerflugzeug erstmals in Japan gelandet ist. Tatsächlich aber geht es um nicht weniger als die Rettung von Air France. Noch vor knapp zehn Jahren galt die Linie als Vorreiter der Branche. Sie wagte mit der Übernahme von KLM die erste große länderübergreifende Funktion der notorisch zersplitterten Flugbranche. Dank der fast unbegrenzten Wachstumsmöglichkeiten des Air France-Drehkreuzes Paris-Charles De Gaulle wurde der Verbund zu Europas größter und stellenweise profitabelster Linie.

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