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Ab 1. Juli Der neue Chef-Pilot von Air France

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Effizienz

Doch das ist vorbei. Seit vier Jahren lebt die Linie von der Substanz. Die Flotte ist betagt, die Flugsessel noch mehr und nach vielen Fortschritten in Sachen Zuverlässigkeit leidet nun wieder das Serviceniveau.

Auf den ersten Blick haben alle größeren Linien wie Lufthansa oder British ‚Airways das gleiche Problem: effizientere Wettbewerber und ihre Kampfpreise. Im Europaverkehr jagen ihnen die Billigflieger die Passagiere ab und auf der Langstrecke die sanierten Fluglinien aus den USA, sowie andere effizientere Wettbewerber vom persischen Golf wie Emirates aus Dubai, Qatar Airways sowie Etihad aus Abu Dhabi. Doch bei Air France sind die Probleme am schlimmsten.

Während Wettbewerber wie Lufthansa – und die Air-France-Schwester KLM - bereits seit knapp zehn Jahren rigoros die Kosten drückten und sich British Airways gar von vielen verlustbringenden Dingen wie dem Verkehr außerhalb der Drehkreuze zurückzog, baute Air France auf einen milden Kurs. Statt zu sparen und die mächtigen Widersache in der Regierung sowie die Gewerkschaften durch Entlassungen oder große Umbauten gegen sich aufzubringen, versuchte es Air France damit einfach in der Verwaltung und der Zahl der Beschäftigten langsamer zu wachsen als bei der Zahl der Flüge und der Passagiere.

Das sorgte für leicht sinkende Kosten, weil so Ausgaben pro Passagier sanken. Im Gegenzug revanchierte sich der Staat, indem er Billigfliegern aus dem Ausland sowie Golflinien den Zugang zu den großen staatlichen Flughäfen erschwerte. Diese Eintracht knirschte spätestens seit 2008, weil die Flugpreise im Land im Schnitt höher waren als anderswo. Endgültig zerbrochen ist sie dann ab 2009. In der Finanzkrise bleiben die Passagiere weg, Air France rutschte tief in die roten Zahlen und die Führung um den damaligen Chef Pierre-Henri Gourgeon agierte hilflos.

Weil der französische Staat kein Geld mehr nachschießen konnte ohne einen Konflikt mit der EU zu riskieren, warf er die alte Führung raus und schickte De Juniac. Die Regierung machte zwar klar, dass der Manager quasi die letzte Hoffnung der Fluglinie war. Trotzdem nahm ihn zunächst nicht jeder ernst. Der Absolvent der Eliteschulen École Polytechnique und ENA galt als Sachwalter der Regierung. Schließlich hatte er mehrere Politikposten zuletzt als Kabinettschef der ehemaligen Wirtschaftsministerin Christine Lagarde und zuvor als der spätere Staatspräsident Nicolas Sarkozy noch Finanzminister war.

Doch de Juniac schwamm sich rasch frei. Er tritt zwar gelegentlich mit der extrem selbstbewussten Art hoher französischer Beamter und Eliteschüler auf oder tituliert das Vorzeigeflugzeug den Superjumbo A380 militärisch forsch als „unseren Admiral“. Doch auch wenn sich in seiner Zeit beim französischen Elektronik- und Rüstungskonzerns Thales den Ruf eines Freunds klarer Hierarchien erworben hat.

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