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Ab 1. Juli Der neue Chef-Pilot von Air France

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Frage und Vorschläge

Wie das geht, hat de Juniac an diesem Nachmittag in Tokio gezeigt. Er stand relativ bescheiden vor den gut 50 Mitarbeitern in der Air-France-KLM-Zentrale in einem Hochhaus über einem Einkaufszentrum. Statt der bei Sparprogrammen üblichen Krisenrede, fordert er die Beschäftigten zu Fragen und Vorschlägen auf. „Bitte fragen Sie und machen Sie Vorschläge“, spricht er die Mitarbeiter an. Eine Einstellung, die nicht nur im hierarchischen Japan, sondern auch daheim in Frankreich ungewöhnlich ist.

Und die Fragen kommen: „Wie weit soll das mit dem Sparen gehen?“ Die Antwort: „Weit, aber erst müssen wir in ein besseres Produkt investieren, sonst vergraulen wir die verbliebenen Passagiere und verlieren endgültig den Anschluss. Unser Ziel ist: wir müssen bis 2015 die Besten werden beim Service – oder zumindest auf einer Höhe mit den Besten sein.“

Die nächste Frage geht darum, wann die Linie wieder wie viel Geld verdienen will. Doch statt einer optimistischen Standardantwort, die dann hinterher nicht eingehalten wird, kommt die Ansage, dass solche Prognosen eigentlich immer etwas unseriös seien. „Ich halte wenig davon, genaue Zahlen zu verkünden. Die sind in unserer Branche kaum seriös vorherzusagen. Zu viele Dinge können einem einen Strich durch die Rechnung machen, wie zum Beispiel der Ölpreis oder die Konjunktur.“

Dann will einer wissen, warum Air France ausgerechnet mit einer Fluglinie vom Golf fraternisiert, wo die doch bis vor kurzem noch als Erzfeind galten. „Weil es die einzige Chance war und es uns Vorteile bringt. Etihad war bereit, ergänzte uns in Indien und Australien und konnte als kleinste der Fluglinien vom Golf auch uns ganz gut brauchen“, ist die pragmatische Antwort.

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De Juniacs Besuch endet nochmal mit der dringenden Bitte, ihm persönlich bitte Verbesserungsvorschläge zu schicken. Das ist keine Pose, stellt der Manager klar: „Vor allem erschrecken Sie nicht, denn ich sage derzeit sehr oft ja.“

Die Reaktion der Belegschaft ist in Tokio ähnlich positiv wie anderswo. „Wenn einer die Sanierung schafft, dann er“, glaubt ein langjähriger Beschäftigter in Deutschland.

Doch ganz leicht wird es nicht. Das zeigt nicht zuletzt das Schicksal anderer Airlinechefs, die von außerhalb der Branche kamen. So versuchte in den neunziger Jahren der Politiker und später Frankreich-Chef der Investmentbank Merrill Lynch Christian Blanc eine Reform wurde jedoch von der Politik zurückgepfiffen. Auch Jean-Cyril Spinetta, der bislang Konzernchef von Air-France-KLM ist, scheiterte letztlich an der Front aus Politik und Gewerkschaften. Doch das schreckt de Juniac nicht. „Die Reaktion unserer Mitarbeiter ist sehr positiv, das Management-Team unterstützt mich uneingeschränkt. Und ich glaube das wird so bleiben, alle das Gefühl haben, wir wollen ehrlich mit der Vergangenheit brechen.“

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